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Interview mit Sandro Reichmuth

«11'000: Da schaffen es nur die mit dem gewissen Etwas ins Buch»

Sandro Reichmuth hat seit 2011 verschiedene Produkte mit seiner Fotografie auf den Markt gebracht. Der gelernte typografische Gestalter verkauft neben Postkarten und Kalendern auch Bücher. Im Gespräch mit ihm, unter anderem über sein neustes Werk «St.Gallen: Eine faszinierende Stadt».

Manuela Müller am 19. September 2021

Sandro Reichmuth, wie lange sind Sie schon Fotograf?

Meinen ersten Bildband realisierte ich vor 10 Jahren als Projektarbeit während der Weiterbildung zum Typografischen Gestalter. Danach habe ich mir mit meiner Leidenschaft, der Fotografie, im Nebenberuf ein zweites Standbein aufgebaut. Seit 2019 bin ich als Gestalter und Fotograf selbständig.

Haben Sie sich auf die Landschaftsfotografie konzentriert, oder gibt es da noch andere Gebiete, die Sie besonders interessieren?

Die Landschaftsfotografie fasziniert mich am meisten. Dabei steht das Beobachten der Natur, der vom Menschen geschaffenen Umgebung und des Wetters im Zentrum. Es macht mir aber auch Spass mit meinen Fähigkeiten Architektur- oder Reportagebilder zu machen oder Menschen abzulichten. Seit diesem Jahr mache ich zusätzlich Flugaufnahmen für Gemeinden in der ganzen Deutschschweiz. Das Fotografieren aus dem Helikopter ist eine besondere Herausforderung. Einige Bilder aus der Luft haben es auch in den neuen St.Galler Bildband geschafft.

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Bergbahnen Malbun

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Flugaufnahme der Stadt aus dem Helikopter. (Bilder: faszinierend.ch)

War es schwierig, alle wichtigen Details in einem so kurzen Text zu verfassen?

Ja, das kann man so sagen. Die Texte sollten keine Aufzählung von Fakten sein, sondern angenehm und flüssig zu lesen sein. Etwas Übung gegeben hatte das Texteschreiben bei meinem letzten Buch mit Kinderwagenwegen. Trotzdem habe ich mir professionelle Unterstützung von Annika Hug von der Textwerkstatt in Kesswil geholt. Ein Bildband ist etwas Langlebiges und sollte daher von den Fotos bis zur Buchproduktion von hoher Qualität sein.

Haben Sie sich verschiedene Motive aufgeschrieben und dann die wichtigsten ausgesucht oder wie haben Sie sich für die für Sie wichtigsten Motive entschieden?

Seit einigen Jahren gebe ich Kalender und Postkarten von St.Gallen heraus. So habe ich zuerst das Archiv nach den schönsten Aufnahmen durchforstet. Danach kam eine Liste mit fehlenden wichtigen Motiven dazu. Ein Teil der Themen hat sich beim Gestalten der Kapitel ergeben. Andere Ideen ergaben sich aus Gesprächen mit verschiedenen Leuten.

Man sieht im Buch, dass es Bilder von Frühling bis Winter drin hat. Wie lange ging es, bis Sie alle Bilder zusammen hatten?

Einen Teil der Aufnahmen konnte ich wie gesagt aus dem Archiv verwenden. Die meisten Bilder aus meinem fotografischen Porträt sind in den letzten eineinhalb Jahren entstanden. Glück hatte ich mit dem letzten schneereichen Winter, dafür konnte ich keine Fotos von Grossveranstaltungen machen.

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Die verschneite Stadt St. Gallen.

Ich kann mir vorstellen, es sind sehr viele Bilder zusammengekommen. Sind sie sehr wählerisch, wenn es um das Selektionieren der Bilder geht?

In den vergangenen fünf Jahren sind rund 11'000 Bilder aus dem Raum St.Gallen zusammengekommen. Da ist die Bildauswahl sehr zeitaufwändig und nur die Aufnahmen mit dem gewissen Etwas schaffen es in ein gedrucktes Produkt.

Wie selektionieren Sie? Hören Sie da auf Ihr Bauchgefühl?

Wenn die Bilder in mir etwas auslösen, haben sie eine gute Chance in die Vorauswahl zu kommen. Um dem Buch eine gewisse thematische Tiefe zu geben, mussten die Bilder inhaltlich aussagekräftig sein. Für mich ist ebenso wichtig, dass das Gesamtbild stimmig und abwechslungsreich ist. So achte ich auf eine Ausgewogenheit von Stimmungen und Jahreszeiten.

Auf Bildern von Museen sind keine Leute drauf, hatten Sie jeweils eine frühere Sonderführung?

Für das Fotografieren in Innenräumen habe ich immer um Erlaubnis gefragt, damit es sicher keine Schwierigkeit mit der Bildnutzung gibt. Das hat mir tatsächlich die Möglichkeit gegeben die Stiftsbibliothek zu einer Randzeit zu erleben oder mich im Chorraum der Kathedrale zu bewegen. An anderen Orten habe ich darauf geachtet, dass keine Personen im Fokus stehen. Das braucht manchmal Geduld beim Auslösen des Fotos.

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Der Fotograf & typografische Gestalter Sandro Reichmuth.

Das Portät über St. Gallen «St.Gallen: Eine faszinierende Stadt | A fascinating city»  ist unter anderem in der Stiftsbibliothek oder im Rösslitor hier in St. Gallen erhältlich. Mehr Informationen über Sandro Reichmuth und faszinierend findet man auf seiner Homepage.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Müller

Manuela Müller (*1994) aus Marbach ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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