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Jahresrückblick-Interview

«Alle laufen am emotionalen Limit – ich auch»

«Beruflich rang ich damit, die richtige Balance zwischen Anteilnahme und Distanz zu finden», gesteht Thomas Zuberbühler, Leiter Kommunikation der Staatskanzlei des Kantons St.Gallen. Für 2021 hat er klare Wünsche, die sich aber nicht sicher mit der Realität vereinbaren lassen werden.

Marcel Baumgartner am 03. Januar 2021

«Corona» war das dominierende Thema im vergangenen Jahr. Auf was können Sie in diesem Zusammenhang im positiven Sinne zurückblicken?

Alle mir nahestehenden Personen haben sich nicht infiziert und/oder sind gesund durchs Jahr gekommen. Das ist mir das Wichtigste und nicht selbstverständlich. Dazu kamen viele lehrreiche Momente im Berufsleben. Als Kommunikationsverantwortlicher zu merken, was funktioniert in einer Krise und was nicht, war nebst all dem Stress auch etwas Positives.

Womit hatten Sie im Zusammenhang mit «Corona» am meisten zu kämpfen? Was hat Sie bedrückt?

Am Härtesten bleibt für mich, dass jene Personen, die ich gerne umarmen würde, auch zu den besonders gefährdeten Personen gehören. Das frustriert mich noch heute. Beruflich rang ich damit, die richtige Balance zwischen Anteilnahme und Distanz zu finden. In der Kommunikation versuche ich immer, das Gegenüber zu verstehen, seine Emotionen nachzuvollziehen. Aus dieser Sichtweise kommunizierst du zielgerichteter. Das erfordert aber auch, sich auf schwierige und teilweise gehässige Diskussionen einzulassen. Doch das ist wohl Teil einer Krise: Alle laufen am emotionalen Limit – ich auch.

Bleiben wir beim Positiven: Was wird Ihnen rückblickend auf das Jahr 2020 in sehr guter Erinnerung bleiben? Gab es allenfalls einen entscheidenden Meilenstein in Ihrem Berufs- oder Privatleben?

Da überwiegen die privaten Momente: Die Geburt meiner dritten und gesunden Patentochter Ella im November und ihre wuscheligen schwarzen Haare; die sehr offenen Gespräche mit meinen Eltern, Geschwistern und Freunden über das Leben und was wir nach Corona alles angehen wollen; die Abwahl von Donald Trump; aber vor allem die Zweisamkeit mit meinem Lebenspartner, mit dem ich schon so vieles erlebt habe – nun also auch eine Pandemie. Wer hätte das gedacht.

Welche drei Persönlichkeiten haben für Sie das Jahr 2020 positiv geprägt?

Meine Eltern und Stiefeltern, weil sie in der Art, wie sie mit dem Schicksal umgehen, eine Inspiration bleiben. Mein Lebenspartner, weil er immer gewusst hat, wie er mich mit kleinen Dingen wieder auf den Boden holen kann – zum Beispiel mit einem kalten Bier. Und meine Kolleginnen und Kollegen im Team, die unglaublich viel leisten und praktisch nie reklamieren, auch wenn sie Grund dazu hätten.

Woran denken Sie umgehend, wenn Sie sich mit der «Planung» des Jahres 2021 befassen?

Wunsch: Meer, Weite, Wind. Realität: Keine Ahnung.

Gibt es darüber hinaus etwas, was Sie nächstes Jahr unbedingt in Angriff nehmen möchten?

Impfen gegen Corona. Und wenn der Zeitpunkt stimmt, ein richtig grosses Fest in unserem Bauernhaus. Sowieso alles, wo viele Leute zusammenkommen: Wieder mitfiebern im Stadion, wieder mitsingen in Konzertlokalen, wieder anstossen in einer proppenvollen Bar – darauf freue ich mich.

Abschliessend noch zwei entweder/oder-Fragen. Das Jahr 2021 mit klaren Vorsätzen starten oder alles auf sich zukommen lassen?

Mein Vorsatz ist, mehr auf mich zukommen zu lassen.

Die Sommerferien 2021 wenn möglich im Ausland verbringen oder hier in der Schweiz?

Sommer in der Schweiz auf dem See, Winter in den USA, wo der zweite Teil der Familie wohnt, die wir wegen Corona schon zu lange nicht mehr gesehen haben.

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Autor/in
Marcel Baumgartner

Marcel Baumgartner (*1979) ist Co-Chefredaktor von «Die Ostschweiz» sowie Verlagsleiter der Ostschweizer Medien AG. Das Medienunternehmen hat seinen Sitz in St.Gallen.

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