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Haus Appenzell

Alte Handwerke werden neu ins Licht gerückt

Eine Ausstellung im «Haus Appenzell» in Zürich entführt in traditionelle, vergangene und vergessene Berufswelten. Sie ist ab dem 5. Oktober zu sehen. Im Zentrum stehen auch drei Ostschweizer Künstler.

Die Ostschweiz am 11. September 2018

Gewisse Berufsbezeichnungen sind heutzutage nicht mehr geläufig, und manche Berufe existieren nicht mehr. Die Ernst-Hohl-Kulturstiftung im Haus Appenzell gibt im Rahmen der Ausstellung «Zwischen Licht und Schatten – Altes Handwerk I Zünfte I Laternen» Einblicke in traditionelle, vergangene und vergessene Berufe. Trouvaillen aus Zunftarchiven und wunderschöne Laternen illustrieren den historischen Einfluss des Zunftwesens auf die verschiedenen Berufsgattungen. Eine künstlerische Interpretation der alten Handwerke zwischen Licht und Schatten präsentieren drei Kunstschaffende aus der Ostschweiz. Und auch ein Blick in die Zukunft wird gewagt.

Die Ausstellung ist vom 5. Oktober 2018 bis 27. April 2019 im Haus Appenzell in Zürich zu sehen. Sie gibt einen Einblick in die Welt des alten Handwerks wie Wagner, Seiler, Sattler oder Bader. Die Besucherinnen und Besucher begegnen alten Handwerken, die heute ein Schattendasein fristen. An ausgewählten Tagen geben ein Weissküfer, ein Sennensattler, eine Stickerin, ein Nagelschmied, ein Hack- brettbauer und eine Zinngiesserin in temporären Werkstätten Einblicke in ihre Berufswelten und lassen sich bei der Arbeit in Echtzeit über die Schulter schauen. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei den Handwerkstraditionen aus der Säntisregion.

Alte Handwerke und die organisierte Gemeinschaft der Zünfte

Ausgesuchte Werkzeuge aus historischen Sammlungen, Berufsporträts und bildliche Darstellungen illustrieren Arbeitsprozesse und Tätigkeitsfelder klassischer Berufe, wie jener des Bäckers oder Zimmermanns, aber auch vergessene Handwerke, wie die des Baders oder Seifensieders. Eng verflochten mit den alten Handwerken sind die Zünfte, die sich ab dem 13. Jahrhundert in den Schweizer Städten zur Wahrung gemeinsamer Interessen bildeten.

Ihr Berufs- und Gemeinschafsverständnis symbolisierten sie in Form von Wappen, Laternen, Truhen oder Trinkbechern, die mit den Wahrzeichen der betreffenden Handwerke – zum Beispiel Hammer bei den Schmieden, Schere bei den Schneidern, Bretzel bei den Bäckern – geziert waren. Die Ausstellung zeigt die Zugehörigkeit der einzelnen Berufsgattungen zum Zunftwesen anhand von Zunft- objekten aus Zürich, Basel, St. Gallen und Schaffhausen, ergänzt mit prachtvollen Laternen aus Mühlheim an der Donau (Baden-Württemberg).

Künstlerische Interpretation der alten Handwerke

Drei Ostschweizer Kunstschaffende zeigen ihre persönliche Interpretation der traditionellen Handwerke. Der Appenzeller Art-Brut Künstler Markus Oertle hält auf seinen Brockenhaus-Touren oder den mit Vorliebe besuchten Alteisen-Sammelstellen nach ausrangierten Alltagsgegenständen Ausschau, die umfunktioniert einen neuen Sinn ergeben. «Das alte Handwerk finde ich faszinierend. Ich liebe altes Werkzeug. Für mich sind schon allein die Werkzeuge Kunstwerke, die erschaffen wurden», so Oertle.

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Markus Oertle

Der Appenzeller Art-Brut Künstler Markus Oertle.

Thomas Urben aus Urnäsch hat für seine Ausstellungsobjekte zu den alten Handwerken berufstypische Werkzeuge und Materialien sinnhaft verarbeitet und raffiniert ins Licht – und in den Schatten – gerückt. «Ich finde es wahnsinnig schade, dass die alten Berufe verloren gehen und mit ihnen all dieses Wissen», so der Eisenplastiker Urben.

Thomas Urben

Der Eisenplastiker Thomas Urben aus Urnäsch.

Inspiriert von historischen Handwerksdarstellungen und den berufstypischen Symbolen auf zünftischen Wappen hat die chinesische Künstlerin Xu Ying Polycarbonatscheiben mit alten Berufen bemalt, sie chinesisch beschriftet und hinterleuchtet – eine übersetzte Form der Zunftlaterne quasi. «Zu jedem einzelnen Handwerk habe ich viel recherchiert. Erst wenn ich einen Beruf und seine Tätigkeiten durch und durch ver- standen habe, habe ich mit Malen begonnen. Auch die passenden chinesischen Begriffe dafür zu finden, war herausfordernd, da es gewisse Berufe, wie zum Beispiel den Bader, in China nicht gibt».

Xu Ying

Die chinesische Künstlerin Xu Ying.

Laternen zeigen Traumberufe der Jugend – mit Publikumsvoting

Der eigene Beruf könnte in hundert Jahren in einer ähnlichen Ausstellung stattfinden – jedenfalls, wenn man Drucker, Journalist, Lokführer oder Taxifahrer ist. Mit Kindern und Jugendlichen aus vier Kantonen wird ein Blick in die Zukunft gewagt. Sie haben in Anlehnung an die alten Zunftlaternen auf rund 100 selbstge- stalteten Laternen ihre persönlichen Traumberufe festgehalten. Das Publikum ist eingeladen, für die schönste Laterne abzustimmen. Die jungen Gestalterinnen und Gestalter werden mit einem Preis belohnt.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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