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Eine Analyse

Auf der Suche nach dem Sinn von 2G

Aufbauend statt destruktiv: Wir suchen in diesem Beitrag nach einer sinnvollen Begründung der Einführung der 2G-Regel, die uns ja vermutlich als Nächstes blüht. Was spricht dafür? Es liegt regelrecht auf der Hand.

Stefan Millius am 13. Oktober 2021

Es gibt Ecken in der Welt, in denen das gute alte «Geimpft – getestet – genesen» bereits dem «Geimpft – genesen» gewichen ist. 2G statt 3G. Vermutlich hätten die bewussten Länder oder Regionen am liebsten sogar 1G genommen, aber es ist Leuten, die bereits einmal an Corona erkrankt sind, so schwer zu vermitteln, dass man sie zusätzlich bestrafen möchte. Das geht nicht. Beziehungsweise doch, aber erst nach einigen Monaten Wartefrist.

Bei uns ist 2G noch kein offizielles Thema. Allerdings gibt es inzwischen ja so etwas wie eine Faustregel: Wenn etwas, sobald es angesprochen wird, von der Regierung dementiert oder als unwahrscheinlich bis unmöglich taxiert wird, dann wird es in aller Regel nach einigen Wochen Wirklichkeit.

Deshalb muss man sich vorsorglich mit 2G auseinandersetzen. Was spricht dafür?

Dabei gehen wir von der Prämisse aus, dass Corona so bedrohlich ist wie es seine Vermarktungsabteilung sagt und dass es darum geht, bei Veranstaltungen oder Ballungspunkten wie Restaurants oder Freizeitparks Menschen auszuschliessen, die das Virus in sich tragen könnten. Und dann natürlich die theoretisch Geschützten, die Geimpften, umgehend anstecken. Die dann vielleicht einen schweren Krankheitsverlauf haben, den die Impfung aber eigentlich verhindert. Das ist Corona, wie es leibt und lebt: Es wird ausserordentlich viel unternommen, um etwas zu erreichen, von dem dann aber gleich erklärt wird, dass es vermutlich leider nicht ganz erreicht wird.

Pardon, das war eine Abschweifung.

Also: Warum soll man genau die Getesteten ausschliessen? Suchen wir zuerst nach Argumenten, die dagegen sprechen, einfach der Vollständigkeit halber.

Getestete sind die ungefährlichste Gruppe. Sie haben zeitnah den Beweis erbracht, dass sie keine Virenlast in sich tragen und keine Viren weitergeben können. Was bei Geimpften und Genesenen nicht sicher ist.

Zu verhindern, dass Getestete in die Nähe von Leuten kommen, die durch die Impfung Schutz geniessen, ist leicht absonderlich. Warum soll jemand, dem angeblich zu 90 Prozent kein schwerer Verlauf droht, von jemandem gefährdet sein, der nachgewiesenermassen das Virus nicht einmal eingefangen hat?

Die Tests sind inzwischen kostenpflichtig. Im Gegensatz zur Impfung. Wer sich testen lässt, entlastet die Staatskasse. Im Gegensatz zu Leuten, die sich impfen lassen.

Soweit zu den Argumenten gegen 2G. Alles zusammengenommen entsteht nun ein Erklärungsnotstand bei denen, die gerne die 2G-Regel hätten. Warum wird exakt die Methode vom täglichen Leben ausgeschlossen, die die grösste Sicherheit bei null Kosten für den Staat bietet?

Deshalb nun die Frage, was für 2G spricht. Gemessen an den obigen Ausführungen gibt es weder gesundheits- noch finanzpolitische Argumente. Getestete nicht in ein Restaurant zu lassen, macht ein Restaurant nicht sicherer, in keiner Weise.

Die einzige Begründung, die bleibt, und eigentlich hätte man diesen Beitrag auf diese einzige Schlussfolgerung reduzieren können: Wenn Getestete eines Tages auch in der Schweiz zu Unpersonen im öffentlichen Raum erklärt werden sollen, kann das nur dem Zweck dienen, sie zur Impfung zu bewegen. Denn «genesen» wird man ja nicht auf eigenen Wunsch, es bleibt nur die Impfung. 2G ist faktisch 1G.

Eigentlich ist es fast zu wünschen, dass 2G kommt. Denn dann kann man zuschauen, wie kreativ die Leute des Bundesamts für Gesundheit die dringende Notwendigkeit dieses Schrittes begründen. Vermutlich werden sie sogar zugeben müssen, dass der Schritt der Steigerung der Impfquote dient. Was natürlich zum Schutz der betroffenen Menschen geschieht, denen damit eine schwere Erkrankung erspart wird. Und zum Wohl der gesamten Gesellschaft, weil sonst die Spitalkapazitäten überlastet werden. Die aktuelle Auslastung der Intensivstationen liegt übrigens bei 70 Prozent, damit sind sie knapp rentabel.

2G wäre wirklich nur konsequent. Es wäre die Fortführung einer evidenzlosen, nicht mit Argumenten zu unterlegenden Politik.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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