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Politische Unterstützung fehlt

Aus dem Spital Wattwil wird kein GNP

Der Spitalstandort Wattwil wird nicht in ein Kompetenzzentrum für Gesundheit, Notfall und spezialisierte Pflege (GNP) umgewandelt. Der Kanton und Solviva verfolgen das Projekt aufgrund fehlender politischer Unterstützung der Standortgemeinde nicht weiter. Das schreibt die Staatskanzlei.

Die Ostschweiz am 20. Juli 2021

«Der Kanton wird die niedergelassene Ärzteschaft in der Sicherstellung der Notfallversorgung im Toggenburg unterstützen. Die Regierung sieht für die Nutzung der Liegenschaft nun den Gemeinderat Wattwil in der Verantwortung», heisst es weiter in der Mitteilung des Kantons St.Gallen

Am 13. Juni 2021 hat die Stimmbevölkerung den «Nachtrag zum Kantonsratsbeschluss über die Erneuerung und Erweiterung des Spitals Wattwil» angenommen und damit die Weiterentwicklung der Strategie der St.Galler Spitalverbunde insgesamt gutgeheissen. Das ursprüngliche Bauvorhaben am Spital Wattwil wird nicht weitergeführt. Die Regierung des Kantons St.Gallen hatte als Nachfolgelösung geplant, den Standort zusammen mit dem Schweizer KMU Solviva und weiteren Organisationen in ein Kompetenzzentrum für Gesundheit, Notfall und spezialisierte Pflege (GNP) umzuwandeln.

Solviva hätte am Standort in Wattwil rund 40 Betten für die spezialisierte Langzeitpflege für ein überregionales beziehungsweise kantonsübergreifendes Einzugsgebiet betrieben. Das Angebot hätte sich zum einen an Personen mit Langzeitbeatmung, Para- oder Tetraplegie oder Muskelerkrankungen gerichtet, die dauerhaft medizinische Behandlungspflege benötigen. In Ergänzung hätte die Spitalregion Fürstenland Toggenburg gemeinsam mit der niedergelassenen Ärzteschaft ein 24h-Notfallfallzentrum mit zusätzlich vier bis sechs Betten betrieben. Geplant waren zudem medizinische und therapeutische Angebote weiterer Anbieter.

Weiter heisst es: «Mit dem GNP hatte die Regierung eine Lösung für die Region Toggenburg erarbeitet, hinter der die Präsidentinnen und Präsidenten der Gemeinden des Toggenburgs und die Mehrheit der niedergelassenen Ärzteschaft standen. Es wären spezialisierte Arbeitsplätze und die lokale Wertschöpfung in der Region Toggenburg geblieben. Gleichzeitig wäre die Spitalimmobilie mit einem Investitionsvolumen von 20 Millionen Franken ausgebaut und vollständig weitergenutzt worden.»

«Fehlende Unterstützung der Standortgemeinde»

Die Regierung des Kantons St.Gallen, der Gemeinderat Wattwil und Solviva haben im Anschluss an die Volksabstimmung mehrere Gespräche geführt. Die Regierung hatte dem Gemeinderat Wattwil dabei angeboten, dass der Kanton das Grundstück des Spitals an die Gemeinde Wattwil rückübertragen würde. Die Gemeinde wiederum hätte das Spitalgebäude im Gegenzug im Baurecht an Solviva übergeben müssen.

Der Gemeinderat Wattwil hat sich mit dieser Lösung nicht einverstanden erklären können. Für Solviva wiederum gehört das Eigentum der Liegenschaft zur Unternehmensstrategie und wird als Erfolgsfaktor für Pflegezentren mit darauf abgestimmten weiteren Gesundheitsleistungen gesehen.

Ein Projekt dieser Grössenordnung könne nur erfolgreich gestaltet werden, wenn alle involvierten Akteure das gleiche Ziel verfolgen, heisst es weiter. Aufgrund der fehlenden Unterstützung des Gemeinderates Wattwil haben sich die Regierung des Kantons St.Gallen und Solviva deshalb entschieden, das Projekt nicht mehr weiterzuverfolgen.

Die Regierung erwarte nun, dass der Gemeinderat Wattwil eine Nachfolgelösung zur Nutzung der Spitalimmobilie präsentiert. Die Regierung wird keinen alternativen Vorschlag unterbreiten. Sie kommt dem Wunsch des Gemeinderats Wattwil aber nach, die Spitalimmobilie an die Gemeinde zu verkaufen und wird hierfür zeitnah mit dem Gemeinderat in Verhandlungen treten, so dass dieser mit der Erarbeitung der Nachfolgelösung beginnen kann.

Der Kanton wird bei der Nachfolgelösung Hand bieten, wo er gesetzlich dazu verpflichtet ist. Klar ist, dass die Notfallversorgung im Toggenburg jederzeit gewährleistet bleiben muss. Entsprechend wird der Kanton nach den Sommerferien auch die Gespräche mit der niedergelassenen Ärzteschaft wiederaufnehmen, um eine neue Lösung für die Notfallversorgung zu finden.

Auswirkungen auf den Spitalbetrieb

Die Planung für die Zukunft des Standortes Wattwil hatte auf dem Projekt GNP basiert. Dieses sah vor, Teile des stationären Angebotes im Herbst 2023 nach Wil zu verlagern und den Standort Wattwil bis 2024 in das Kompetenzzentrum für Gesundheit, Notfall und spezialisierte Pflege umzuwandeln. In diesem Fall wäre für viele Mitarbeitende eine weitere Anstellung in Wattwil möglich gewesen. Inwiefern dies auch bei einer allfälligen Nachfolgelösung der Gemeinde möglich sein wird, kann der Kanton nicht abschätzen.

Wie lange im Spital Wattwil eine qualitativ genügende und sichere Patientenbehandlung betrieben werden kann, ist stark abhängig von der weiteren Entwicklung der Personalsituation. Diese ist aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten bereits seit Anfang Jahr durch eine hohe Fluktuation geprägt. Eine frühere Verschiebung des Spitalbetriebs nach Wil ist aus heutiger Sicht wahrscheinlich. Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg plant in diesem Fall, möglichst vielen Mitarbeitenden eine berufliche Perspektive am Standort Wil oder in einem anderen Spitalverbund anzubieten.

Projekt in Flawil auf Kurs

Der Kanton und Solviva arbeiten auch bei der Nachfolgelösung für das Spital Flawil zusammen. Der Spitalstandort Flawil soll bis 2024 zu einem Kompetenzzentrum für Gesundheit, Therapie und spezialisierte Langzeitpflege (GTP) weiterentwickelt werden. Anstelle der heutigen Immobilie entsteht unter der Federführung von Solviva ein auf die künftige Nutzung ausgerichtetes Neubauprojekt mit rund 70 Betten für die spezialisierte Langzeitpflege. Neben ambulanten Dienstleistungen des Schweizer Paraplegiker-Zentrums (SPZ) und des Kantonsspitals St.Gallen (KSSG) werden auch weitere spezialärztliche Praxen sowie paramedizinische Angebote im GTP Flawil Platz finden. Das Projekt schreitet laut der Staatskanzlei planmässig voran.

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Referendum Medien

Stölzle /  Brányik
Autor/in
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