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Boomerang Recruiting: Ex-Mitarbeiter wieder einstellen?

Zurück zum Ex – das gibt es auch im Beruf. Insbesondere jetzt fragen sich Entscheider in Unternehmen, die aufgrund der Corona-Pandemie Mitarbeiter entlassen mussten, ob sie sie zurückholen sollten.

Madeleine Grawehr am 04. März 2021

Diese Praktik, die der Harvard Business Review zufolge ein Tabuthema war, ist inzwischen gesellschaftsfähig. Denn der durchschnittliche Arbeitnehmer sei während seiner Karriere für mehr als zwölf verschiedene Arbeitgeber tätig und Unternehmen kämpfen mit einem angespannten Arbeitsmarkt sowie Fachkräftemangel. So haben sich Begriffe wie Rehiring, Boomerang Hiring und Boomerang Recruiting etabliert. Zudem ist von Bumerang-Mitarbeitern die Rede. Doch was ist dran an diesem Trend?

Das Einstellen ehemaliger Mitarbeiter hat prinzipiell mehrere Vorteile. Wer bereits in der Firma gearbeitet hat, kennt den Job und benötigt weniger Schulungs- und Einarbeitungszeit, so die Harvard Business Review. Zudem können solche Fach- und Führungskräfte aufgrund der Erfahrungen, die sie während ihrer Abwesenheit gesammelt haben, mit mehr Know-how, Kompetenz sowie Reife zurückkehren und diese ins Unternehmen einbringen.

Das wohl prominenteste Beispiel: Steve Jobs. Der Apple-Mitbegründer hatte das Unternehmen 1985 verlassen, um NeXT Computer zu gründen. 1996 kaufte Apple NeXT Computer und Steve Jobs kehrte zu Apple zurück. Im Unternehmen zog eine neue Firmenkultur ein und Steve Jobs, der dann CEO wurde, legte den Grundstein für den Erfolg des Technologiegiganten.

Wann ehemalige Mitarbeiter eine Chance sind

Allerdings muss ein solcher Erfolg nicht zwangsläufig eintreten. Nach der in der Harvard Business Review vorgestellten Studie bleibt die Leistung der Boomerang-Mitarbeiter nach deren Einstellung tendenziell gleich. Sowohl von intern als auch von extern rekrutiertes Personal verbessere sich im Laufe der Zeit stärker als solches, das wiedereingestellt wurde. Während Bumerang-Mitarbeiter im ersten Jahr ähnliche Leistungen wie ihre Kollegen erbringen, werden sie nach ihrem ersten Berufsjahr übertroffen. Darüber hinaus sei die Wechselbereitschaft unter wiedereingestellten Mitarbeitern grösser, wobei die Kündigungsgründe sich nicht wesentlich von denen unterschieden, die beim ersten Verlassen des Unternehmens galten.

Dennoch können ehemalige Beschäftigte eine gute Investition sein. Das ist möglicherweise der Fall, wenn sie ein akzeptables früheres Leistungsniveau aufweisen. Denn dann sei es weniger riskant, sich für sie zu entscheiden als für jemand Unbekannten. Zudem spielt der Grund, aus dem die damalige Trennung erfolgte, eine Rolle, berichtet Business News Daily. So können Mitarbeiter, die von einer Massenentlassung beziehungsweise Kündigungen aus betrieblichen Gründen betroffen waren, durchaus für eine Wiedereinstellung infrage kommen, während dies nicht auf Personen zutreffe, von denen sich das Unternehmen wegen der Leistung oder der Verhaltensgeschichte getrennt habe.

Darüber hinaus ist von Bedeutung, ob es wirklich der Wunsch der Person ist, zum Ex-Arbeitgeber zurückzukehren oder ob es eine Notlösung darstellt, da momentan keine Alternative verfügbar ist, so das Job- und Bewerbungsportal Karrierebibel. Auch das Alter könne dabei relevant sein. Denn erfahrungsgemäss «tun sich junge Berufstätige mit der Rückkehr zum Ex-Arbeitgeber leichter als ältere». Eine weitere Frage laute, ob der Mitarbeiter in derselben Position wie ursprünglich oder in einer mit mehr Verantwortung beschäftigt werde. Nicht zuletzt sollte der Zeitpunkt der Rückkehr berücksichtigt werden. Optimal seien zwischen zwei und fünf Jahren.

Kurz: Unternehmen und Organisationen müssen alle möglichen Faktoren bewerten, mit ihren Anforderungen abgleichen und sollten dann danach entscheiden.

So gelingt Boomerang Recruiting

Um jedoch überhaupt die Chance auf Boomerang Recruiting und die damit verbundenen Vorteile zu haben, müssen Unternehmen dieses Verfahren in ihre HR-Strategie einbeziehen. Denn ob ehemalige Mitarbeiter eine Rückkehr erwägen, hängt davon ab, unter welchen Bedingungen sie ihren Arbeitgeber verlassen haben. Ein professionelles Exit Management hilft, die Grundlagen für eine mögliche spätere Wiedereinstellung zu legen, wie im Blogbeitrag «Beautiful Exit» beschrieben ist.

Kernpunkt: wertschätzendes Verhalten, das es ermögliche, sich hinterher noch in die Augen schauen zu können. Einen weiteren Aspekt stellt das anschliessende In-Kontakt-bleiben dar. Dafür sind zum Beispiel Social Media und Alumni-Gruppen sowie Events geeignet. Sie liefern immer wieder Gelegenheiten zum Recruiting.

Nicht zuletzt ergeben sich im permanenten Austausch und mit einer offenen Einstellung gegenüber nicht tradierten Möglichkeiten Antworten auf manche brennende Frage von selbst. So lassen sich personelle Engpässe auch in Zeiten von Fachkräftemangel und zunehmendem Wettbewerb leichter bewältigen.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Madeleine Grawehr

Madeleine Grawehr ist Partner / Chief Operating Officer bei Nellen & Partner in St.Gallen.

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