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Gastbeitrag

Corona als massenpsychologisches Phänomen

Bei Corona-Debatten werden laufend verschiedene Ebenen verwechselt: Medizin, Politik, Gesellschaft, Moral, Ökonomie und Recht. 

Timon Georg Boehm am 15. November 2021

Diese Verwirrung hat auch damit zu tun, dass «Corona» sich längst zu einem massenpsychologischen Phänomen entwickelt hat, bei dem das klare Denken durch Propaganda, Zensur, Moralisierung, Spaltung, Stigmatisierung, Ausschlüsse, Sündenböcke und Tabus unterbunden und so der Ausnahmezustand aufrechterhalten wird.

Am 21.4.2021 hat der Bundesrat festgehalten: «Sind alle impfwilligen erwachsenen Personen vollständig geimpft, beginnt die Normalisierungsphase. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass dann keine starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen mehr zu rechtfertigen sind. Die verbleibenden Massnahmen (Zugangs- und Kapazitätsbeschränkungen) sollen schrittweise aufgehoben werden. An dieser Strategie soll auch dann festgehalten werden, wenn die Impfbereitschaft der Bevölkerung entgegen der Erwartungen tief bleibt.»

Gemäss allen Fakten und Zahlen müssten wir uns schon längst in der versprochenen Normalisierungsphase befinden. Offensichtlich ist das aber nicht so. Im Gegenteil werden die Schrauben angezogen und neben dem nutzlosen Zertifikat eine noch viel nutzlosere Impfkampagne aufgefahren. Es ist wie ein verzweifelter Endkampf, bei dem alle Truppen mobilisiert werden, und es gibt nur noch einen planlosen Plan impfen, impfen, impfen bis zum tot umfallen – und leider passiert genau das auch wörtlich immer öfter.

Medizinisch und wissenschaftlich ist das alles nicht zu rechtfertigen. Überhaupt spielt die ganze sog. Pandemie sich nicht auf einer medizinischen, sondern auf einer politischen und ökonomischen Ebene ab. Über diesen Unterschied werden wir dauernd hinweggetäuscht.

Wie ist es dazu gekommen? Während anderthalb Jahren wurde die Bevölkerung mit Bildern, Fallzahlen und Bedrohungsszenarien bombardiert und indoktriniert. Das schafft Angst und Verunsicherung und man beginnt an etwas zu glauben, nur weil es präsent ist und wiederholt wird.

Dazu werden Geschichten erfunden. Zuerst war es die Geschichte von einem gefährlichen Killervirus. Dann kam die Geschichte von der Erlösung durch eine sog. Impfung: Zwei Nadelstiche und wir kommen aus der Pandemie heraus. Aber oh! Es braucht ja drei Nadelstiche, vielleicht vier, fünf, vielleicht ab jetzt jedes Jahr einen, weil sonst der Gesundheitspass abläuft.

Mit derartigen Geschichten will man die Leute auf einen bestimmten Kurs bringen.

Damit das funktioniert, müssen alle Zweifel an der Geschichte ausgeblendet werden. Niemand darf dem Zauberer in die Karten schauen. Nur diejenigen dürfen zu Wort kommen, die das Programm getreu verkünden.

Diese Art von «Information» ist keine Information, sondern Propaganda.

Und jetzt werden auch noch die letzten Sicherheitslücken in diesem Macht-Dispositiv geschlossen und ganz offiziell auf Youtube impfkritische Videos zensiert.

Der Zauber, dem viele Leute unterliegen, ist derjenige der Massenpsychologie.

Es gibt dafür eine ganze Reihe von Anzeichen oder Symptomen. Das erste war eben Propaganda und Zensur.

Das zweite Anzeichen ist die Moralisierung der Debatte. Anstatt auf der medizinischen Ebene zu bleiben, wechselt man auf die moralische Ebene. Es soll jetzt nicht nur ein Selbstschutz sein, sich zu impfen, sondern ein Akt der Solidarität. Und wer solidarisch ist, gehört zu den besseren Menschen, wer nicht solidarisch ist, zu den egoistischen. Wie heuchlerisch das ist, zeigte sich spätestens dann, als die Tests in Ungnade fielen. Denn wer sich den Testprozeduren unterwirft, tut das ja gerade für Andere und kaum für sich.

Drittens: Sobald die Debatte moralisiert worden ist, lässt sich die Bevölkerung in «gut» und «böse» einteilen. Die ganze Berichterstattung in den Medien lässt keinen Zweifel aufkommen, wer «die Guten» sein sollen. Es sind die, die die Geschichte glauben. Und so ist es bei allen ideologischen, dogmatischen und totalitären Staaten auch gewesen. Gut hiess immer nur: Du glaubst das Gleiche wie die vorgegebene Meinung.

Auch das nächste, vierte Anzeichen ist typisch für den Zauber der Massenpsychologie: Man stigmatisiert diejenigen, die man für «schädlich» hält.

Man kennzeichnet die bösen, gefährlichen Ungeimpften mit einem Sticker am Oberarm. Medizinisch ist das völlig sinnlos, denn man weiss, dass auch geimpfte Menschen sich und andere anstecken können. Aber es geht auch nicht um Medizin, sondern darum sichtbar zu machen, wer auf der richtigen Seite steht und darum, moralischen Druck auszuüben. Man kann den Parteipräsidenten, der in allem Ernst diesen Vorschlag gemacht hat, nur damit entschuldigen, dass er wohl ziemlich grün hinter den Ohren ist und offenbar keine Ahnung von den Greueltaten der realen Geschichte hat.

Fünftes Anzeichen: Im «guten» Teil der Bevölkerung finden sich dann immer Menschen, die das vermeintliche Gemeinwohl mit allen Mitteln und sogar über Leichen durchsetzen wollen. Ihre Motivation ist ein Machtgefühl, dass sie erhalten, weil sie ihre Mission im Namen einer grösseren Struktur durchführen. Alle totalitären und ideologischen Regimes konnten auf solche Mitläufer und Blockwarte zählen, die mit Stolz und Anmassung für ihr Regime eintreten und mit Sadismus auf die anderen lostreten.

Auch das ist ein Trick aus der Massenpsychologie: Ein Regime lässt für sich arbeiten. Das beginnt ganz harmlos. Mit dem Tragen einer Maske macht man sich selber zum Zeichen einer Gefahr und zum Stellvertreter von einem politischen Dekret. Und ebenso harmlos scheint es, wenn jeder Wirt und Veranstalter Zertifikate kontrolliert. In Wahrheit aber wird so jeder als Überwacher eingespannt. Und in Wahrheit ist es ein klarer Rechtsbruch, dass Privatpersonen Gesundheitsdaten und Identitätsnachweise überprüfen dürfen.

Das sechste Anzeichen ist der Ausschluss eines Teils der Gesellschaft. Wer keinen Gesundheitspass hat, darf gewisse private und öffentliche Zonen nicht betreten. Auch das passiert natürlich nur im Namen der Gesundheit. Aber es fehlt jeder medizinische Nachweis, dass das Zertifikat irgendetwas zur Eindämmung des Infektionsgeschehens beigetragen hätte.

In den umliegenden Ländern wird dieser Ausschluss mit brutaler Härte durchgepeitscht. Im deutschen Bundesland Sachsen gilt ab Montag eine 2G-Regel, also ein faktischer Lockdown für Ungeimpfte. In Österreich soll ein Lockdown für Ungeimpfte eingeführt werden, wenn mehr als 600 Intensivbetten belegt sind.

Diese Zahl ist völlig lächerlich und beliebig. Denn die Belegung der Intensivbetten war in der ganzen sog. Pandemie konstant. Sie hängt gar nicht von Corona-Patienten ab, sondern von der willkürlichen Öffnung und Schliessung von vorhandenen Spitalzimmern, damit bestimmte Auslastungsquoten überhaupt erreicht werden.

Immer wird mit überlasteten Spitälern gedroht, aber nie wird gesagt, dass in der Schweiz 250 Intensivplätze abgebaut wurden, in Deutschland sogar 5000. Die vielen Milliarden, die der Bundesrat für die unsinnigen Lockdown-Kosten und seine ebenso unsinnigen Impfkampagnen ausgibt, hätte er besser in ein umfassendes Gesundheitssystem investiert.

Was sich hier rächt, ist nicht ein Virus, sondern eine völlig verfehlte Gesundheitspolitik.

Siebtes Anzeichen, dass wir in einem massenpsychologischen Phänomen gefangen sind: Falls etwas nicht so läuft wie es dem Regime entspricht, braucht es Sündenböcke, auf die man die Schuld abwälzen kann. Ganz offensichtlich ist es dem Virus ziemlich egal, wieviele Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Die Länder mit den höchsten Impfquoten (Israel, Singapur) haben komischerweise auch die höchsten Infektionszahlen. In Kenia aber zum Beispiel, wo die Impfquote am kleinsten ist, sind die Spitäler leer und die prognostizierte Katastrophe ist ausgeblieben (Vgl. sogar Der Spiegel, 4.11.2021). Die Menschen haben sich einfach natürlich immunisiert.

Das ist unterdessen auch wissenschaftlich belegt. Eine neuere Studie im renommierten European Journal of Epidemiology zeigt, dass es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Impfquote und neuen Covid-Fällen gibt. (Studie von Subramanian und Kumar, «Increases in COVID-19 are unrelated to levels of vaccination across 68 countries and 2947 counties in the United States», spricht von einem «lack of a meaningful association between percentage population fully vaccinated and new COVID-19 cases».) Aber wir brauchen einen Sündenbock für das Versagen der sog. Impfung und das sind nun die Ungeimpften.

Achtens gehören zur Massenpsychologie immer auch Tabus. Kritische Fragen zu den Massnahmen oder zur sog. Impfung sind gar nicht erwünscht, und wenn man sie doch stellt, wird man als «instinktloser Nestbeschmutzer» beschimpft. So geschehen mit Prof. Michael Esfeld in einer der grössten deutschen Zeitungen, der FAZ.

Derartige Tabus zeigen, wie prekär die konstruierte Geschichte vom gefährlichen Killervirus ist. Tabus sind unwissenschaftlich. Denn eine wissenschaftliche Hypothese muss überprüft und falsifiziert werden können. Alles andere ist politisches Machtkalkül.

Neuntens hat die 20 Monate andauernde Berieselung mit Propaganda zu einem Wandel im kollektiven Bewusstsein geführt. Für viele ist es nicht mehr befremdlich, sondern normal, dass man seine Gesundheit beweisen muss. Für viele ist es nicht mehr befremdlich, sondern normal, dass jeder Andere eine potentielle Gefahr ist. Für viele ist es nicht mehr befremdlich, sondern normal, dass ungeimpfte, symptomlose, gesunde Menschen unter Testzwang gestellt werden, damit sie überhaupt arbeiten gehen können. Und mit ihren derart verdienten Steuergeldern werden dann all die sinnlosen Massnahmen und Kampagnen bezahlt.

All das läuft im Namen der Gesundheit. Aber die Anzeichen, die ich hier aufgezählt habe, nämlich Propaganda, Moralisierung, Spaltung, Stigmatisierung, Ausschluss, Sündenbock und Tabu sind die typischen Anzeichen für die Massenpsychologie wie in einer Diktatur.

Wie kommen wir da raus? Indem wir das Problem an der Wurzel anpacken. Das Problem ist nämlich nicht ein Virus, sondern der politische und gesellschaftliche Ausnahmezustand, der seit 20 Monaten anhält.

Der Bundesrat will diesen Ausnahmezustand noch bis ins nächste Jahr verlängern. Und bei einer Annahme des Covid-Gesetzes wäre er sogar bis 2031 verlängerbar.

Wir müssen auch über Corona hinausdenken: Man wird immer einen Vorwand finden, um einen Ausnahmezustand auszurufen, um uneingeschränkt regieren zu können. Heute ist es ein Virus, morgen die Stromknappheit, übermorgen ein Klimaproblem.

Aber wir können nicht jedes Mal, wenn etwas scheinbar schiefläuft, unsere Verfassung aus den Angeln heben. Denn gerade dafür ist sie da: Wenn alles rundläuft, braucht es keine Gesetze. Erst wenn es kritisch wird, hat die Verfassung eine Funktion: nämlich uns auf ein friedliches Zusammenleben zu verpflichten.

Wir können noch lange um Detail-Regelungen betreffend 3G, Masken, Zertifikate, Fitnesscenter und Kinos etc. diskutieren. Wir kommen nur weiter, wenn wir den Hebel dort ansetzen, wo wir alle Massnahmen aushebeln können: beim Ausnahmezustand. Diesen müssen wir nun mit dem größten Nachdruck beenden. Die nächste und vielleicht letzte Gelegenheit dazu ist der 28. November, wo wir entschieden NEIN zu den Verschärfungen des Covid-Gesetzes stimmen können.

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Laveba 03/2022

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Timon Georg Boehm

Dr. Dr. Timon Georg Boehm hat an der Universität Genf in theoretischer Physik und an der ETH Zürich in Philosophie promoviert. Er arbeitet derzeit auf dem Gebiet der Textwissenschaften.

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