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CS bekommt Hilfe – Erneute Finanzkrise gebannt?

Gestern Abend gaben die Finma und SNB bekannt, dass sie der CS bei Bedarf Liquidität zur Verfügung stellen würden. Bereits einige Stunden später meldete die CS ihren Bedarf und leiht sich bis zu 50 Mrd. von der SNB, um die Liquidität sicher zu stellen.

Caroline Hilb Paraskevopoulos am 16. März 2023

Die Bank kann aufatmen, so zumindest steht es in einer Mitteilung der Credit Suisse. Entscheidend ist nun, dass das Vertrauen in die Bank zurückkehrt und die Kundschaft ihre Gelder nicht weiter abzieht. Die CS ist solide finanziert, aber viele Markt-akteure glaubten ihr das nicht mehr. Die Liquiditätsquote (LCR) hat gemäss CS per vergangenem Dienstag 150% betragen und damit die vom Regulator verlangt Quote von 100% übertroffen. Die CS verlor 2022 aufgrund des schwindenden Vertrauens über 120 Mrd. Franken an Kundengeldern. Die Abflüsse hielten im laufenden Jahr an. Die bestehenden Zweifel sollen nun mit Hilfe der Nationalbank zerstreut werden.

Gestern fand ein Ausverkauf der Credit Suisse Aktie statt. Die Börsenkapitalisierung der Credit Suisse ist auf unter 7.5 Mrd. Franken gesunken, im Vergleich dazu ist die UBS rund 60 Mrd. Franken wert. Neben den bekannten Problemen kam gestern die Meldung hinzu, wonach aus regulatorischen Gründen vom wichtigen Kapitalgeber aus Saudi-Arabien, der Saudi National Bank, keine weitere Kapitalspritze zu erwarten sei.

Einzelfälle mit Ansteckungsrisiken?

Diese Woche gab es mit der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) und zwei weiteren kollabierten Geldinstituten in den USA bereits schlechte Nachrichten aus dem Finanzsektor. Rasch wurden die aktuellen Ereignisse mit der Finanzkrise 2008 verglichen und der Flächenbrand bei den Finanzwerten weitete sich aus. Dass zahlreiche Geldinstitute in Sippenhaft genommen wurden und Kursverluste hinnehmen mussten, erinnert stark an die Dominoeffekte aus der Finanzkrise. Darum ist die Ansteckungsgefahr nicht einfach von der Hand zu weisen. Die Psychologie spielt eine grosse Rolle. Anders als in der Finanzkrise sind die Probleme der Banken nicht identisch, weshalb die Sippenhaft keinen Sinn ergibt.

Sowohl bei der SVB als auch bei der Credit Suisse hat die aktuelle Schieflage viel mit Altlasten und Managementfehlern zu tun. Bei der Credit Suisse waren es fehlende Kontrollsysteme. Bei der SVB waren es das Geschäftsmodell und Managementfehler im Umgang mit der Duration der Bilanz. Ebenfalls war die SVB regulatorisch von vielen Kontrollen ausgenommen, weil ihre Bilanzsumme 250 Mia. US-Dollar nicht überschritten hat. Das ist in der Schweiz unmöglich und bei der CS nicht der Fall. Selbst wenn die Verluste andauern, würde der CS das Kapital für weitere zwei Jahre reichen. Was sie nicht mehr verkraften kann, sind die Liquiditätsabflüsse.

In der Finanzkrise 2008 waren alle Banken und viele weitere Finanzakteure in US-Hypothekarpapiere investiert. Darum fielen rund um den Globus Kreditausfälle an, was die Kapitaldecke der Banken auffrass. Damals war es ein Liquiditäts- und Kapitalproblem. Das sollte dieses Mal nicht der Fall sein. Die SVB ist für amerikanische Verhältnisse klein und kaum vernetzt mit anderen Banken. Ihre Bilanzsumme ist rund ein Zehntel der grossen US-Banken, darum ist sie auch systemisch nicht relevant. Bei der Credit Suisse ist die Systemrelevanz gegeben, das ist ein wichtiger Grund für die Unterstützung durch die SNB ist. Wichtig ist auch, dass die Credit Suisse ihren Schweizer Teil vom internationalen getrennt hat, was in der aktuellen Lage auf der positiven Seite einzuordnen ist. Das Geschäft ist lokaler und damit überschaubarer.

Kritische Lage, aber keine erneute Finanzkrise

Die Lage ist kritisch, weil im Finanzsektor die Ansteckungsgefahr immer grösser ist als in anderen Sektoren. Aber es ist wichtig zu berücksichtigen, dass die Fehler bei den beiden Instituten nicht vergleichbar sind. In der Finanzkrise haben alle Banken die gleichen Fehler gemacht. Wichtig ist auch die Rolle der Behörden, die versuchen, die Lage zu stabilisieren. Die Notenbanken haben die Möglichkeit, die Lage zu beruhigen. An der volatilen Entwicklung wird sich vorerst nichts ändern.

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Autor/in
Caroline Hilb Paraskevopoulos

Caroline Hilb Paraskevopoulos ist Leiterin Anlagestrategie und Analyse der St.Galler Kantonalbank. Sie ist verantwortlich fu?r die globale Konjunkturanalyse sowie der Situation der Finanzma?rkte und hauptverantwortlich fu?r die interne und externe Kommunikation der monatlichen Anlagepolitik. Sie hat an der Universita?t Bern Volkswirtschaft studiert.

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