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Mediensubventionen

Das Geld bleibt in der Familie

Eine grüne Nationalrätin legt sich ins Zeug für das Mediengesetz, das direkte Subventionen für bestimmte Onlinemedien vorsieht. Ihr Ehemann baut gerade ein solches Onlinemedium auf. Und das massgeschneidert für die Fördervorgaben. Ist das noch eheliche Hingabe oder schon Filz?

Stefan Millius am 15. Januar 2022

Die «Hauptstadt» ist eine neue Berner Lokalzeitung im Web. Beziehungsweise: Soll es dereinst sein. Nach dem grossen Vorbild, der «Republik», wurde zunächst mal ein Crowdfunding für künftige Leser durchgeführt. Durchaus erfolgreich: Die rund 3000, die mitmachten, spülen etwa 360'000 Franken für den Start in die Kasse. Das sind zahlende Abonnenten, und damit erfüllt die «Hauptstadt» die (reichlich willkürlich anmutenden) Kriterien für die Vergabe von Fördergeldern nach dem Mediengesetz, über das wir am 13. Februar abstimmen.

Der Stadt Bern stünde ein neues Medium durchaus gut an. Die einstigen Konkurrenten «Berner Zeitung» und «Bund» spannen neu zusammen, und viele Berner befürchten, künftig einen Einheitsbrei serviert zu bekommen. Warum also keine Alternative schaffen?

Nur wirkt die «Hauptstadt» mit ihrem Modell ein bisschen wie eine Retorte mit klaren Absichten. Sie erinnert an einen Bauern, der sich schnell zusätzliche Hektare sichert, weil die Subventionen erhöht werden. Die neue Berner Zeitung gibt es noch nicht, aber sie steht bereits in den Startlöchern für satte Bundesgelder. Gemäss heutigen Annahmen würden die echten Abo-Einnahmen dank dem Mediengesetz um 60 Prozent des Ertrags aufgestockt. Alles in allem stünde der «Hauptstadt» dann mehr als eine halbe Million Franken zur Verfügung, um den Journalismus in Bern neu zu erfinden.

Wie der «Nebelspalter» nun aufzeigt, hat die Zeitung eine prominente Fürsprecherin in Bern: Aline Trede, Nationalrätin der Grünen. Auf Radio SRF betonte sie in einer Gesprächsendung mehrfach die grosse Bedeutung der direkten Förderung von Onlinemedien – mit sehr viel Feuer und höchster Dringlichkeit. Das überrascht wenig, da die linksgrüne Seite geschlossen für das Mediengesetz ist.

In Tredes Fall sind es aber wohl nicht nur politische Motive. Denn die treibende Kraft hinter der «Hauptstadt» ist der Journalist Joël Widmer. Der war früher unter anderem für die «Sonntagszeitung» und den «Sonntagsblick» tätig, später Mediensprecher bei Greenpeace. Zusammen mit anderen baut er aktuell die neue Zeitung auf. Ganz nebenbei ist er verheiratet. Und zwar mit – Aline Trede. Selbst die Kontaktadresse der «Hauptstadt» läuft laut dem «Nebelspalter» über die Privatadresse des Ehepaars.

Es ist anzunehmen, dass die grüne Nationalrätin durchaus auch ihrer eigenen Überzeugung Ausdruck verleiht, wenn sie sich für Mediensubventionen stark macht. Dass sie nebenbei ihrem Ehegatten und dessen jüngstem Projekt damit zu viel Geld verhelfen möchte, hat aber zumindest einen fahlen Beigeschmack. Vor allem, wenn dieses Projekt so zugeschnitten ist, dass es perfekt passt zur geplanten Förderstrategie.

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Aline Trede

Die Nationalrätin (Grüne) Aline Trede. (Bild: parlament.ch)

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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