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Kolumne

Das neue Jagdgesetz ist dringend nötig

Der Kanton St.Gallen ist in seiner Vielfalt und Schönheit einzigartig, eine Schweiz im Kleinen. Unsere Landschaften reichen vom See bis zu den Alpen. Das hat uns in der Wolfsfrage exponiert, denn das erste Wolfsrudel machte sich 2012 am Calanda heimisch.

Benedikt Würth am 30. August 2020

Die Wölfe waren einmal auf der St. Galler Seite, dann wieder auf der Bündner Seite. Die beiden Kantone haben rasch reagiert und das erste Wolfskonzept erstellt. Daraus wurden viele wertvolle Erfahrungen gezogen. Es ist für alle Beteiligten klar. Wir wollen eine Koexistenz von Wolf und Mensch. Das bedeutet aber auch, dass der Mensch bei Bedarf regulierend eingreifen muss.

Das bestehende Jagdgesetz wird diesen neuen Herausforderungen nicht gerecht. Darum braucht es diese massvolle, von viel St. Galler Fachwissen geprägte Revision. Sie ist nötig, weil damit der Tier- und Naturschutz stärker gewichtet wird und weil damit klare Regeln im Umgang mit den Beständen von geschützten Arten definiert werden.

Wir konnten in unserm Kanton viel Erfahrungen im Vollzug des Wolfsmanagements sammeln. Dazu gehören Rissbeurteilungen und Entschädigungen, Abschüsse von kranken und verletzten Wölfen, Aufklärung der Bevölkerung, Medienarbeit und Herdenschutzberatung. Der Umgang mit dem Wolf ist sehr aufwändig, aber möglich. Voraussetzung dazu sind klare und praxistaugliche Vollzugsinstrumente. Das schaffen wir mit dem neuen Gesetz.

Die Kantone mit ihren Fachleuten sind nahe an den konkreten Wolfsproblemen, darum ist es auch richtig, dass sie die entsprechenden Kompetenzen erhalten. Konkret werden die kantonalen Vollzugsstellen die Möglichkeit erhalten, nach Anhörung des Bundesamts für Umwelt die Wolfsbestände zu regulieren, bevor die Probleme in den betroffenen Regionen akut werden.

Es ist mir bewusst, dass für viele dieses Thema weit weg ist. Bei den Menschen in den betroffenen Regionen – z.B. Sarganserland – ist das Problem aber sehr nah und präsent. Es geht bei dieser Abstimmung darum auch um Solidarität und Rücksichtnahme. Auch darum bin ich mit grosser Überzeugung für das neue Jagdgesetz.

Stölzle /  Brányik
Über den Autor
Benedikt Würth

Benedikt Würth (*1968) amtete von 2011 bis 2020 als St.Galler Regierungsrat. Im Mai 2019 wurde er als Nachfolger von Karin Keller-Sutter in den Ständerat gewählt. Der CVP-Politiker wohnt in Rapperswil-Jona, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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