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Holz-Unternehmerin Brühwiler

«Der Preis ist gut für das Ego»

Der Thurgauer KMU-Frauenpreis geht in diesem Jahr an Maria Brühwiler. Vor acht Jahren hat sie das gleichnamige Holzsägewerk von ihren Eltern übernommen und die Mitarbeiteranzahl durch einen cleveren Schachzug gleich auf 50 erhöht. Im Gespräch mit der Hinterthurgauer Unternehmerin.

Manuela Bruhin am 22. Juni 2019

Die alle zwei Jahre verliehene Auszeichnung «Thurgauer KMU-Frau» geht dieses Jahr an die Hinterthurgauer Unternehmerin Maria Brühwiler, welche die Brühwiler Sägewerk AG in Wiezikon führt. Die Holz-Unternehmerin hat 2011 das Sägewerk von ihren Eltern übernommen und die Arbeitsplätze mit einem Firmenzukauf in Attelwil (AG) auf 50 Mitarbeitende erhöht.

Maria Brühwiler, als Sie erfahren haben, dass Sie für den Thurgauer KMU-Frauenpreis nominiert sind,  was ist Ihnen da durch den Kopf gegangen?

Ich habe mich sehr über den positiven Bescheid gefreut. Seit der Befragung durch die Jury sind doch schon einige Wochen vergangen und es ist wieder in den Hintergrund gerückt. So war die Überraschung gross. Ich hatte ja keine Ahnung, wo ich stehe, da nicht bekannt ist, wer sonst noch nominiert ist. Der Preis ist eine Wertschätzung für mein tägliches Tun und gut für das Ego. Als selbständige Unternehmerin freue ich mich über Lob und Anerkennung von aussen, da ich sonst mehr davon verteile als selber einstecke.

Die Übernahme des elterlichen Betriebs war für Sie nicht von Beginn weg klar. Was liess Sie zweifeln?

Zweifeln liess mich im Prinzip gar nichts. Es war nur nie das Thema in unserer Familie. Meine Schwester und ich waren beide in unserer Berufswahl sehr bestimmt unterwegs. In den elterlichen Betrieb einzusteigen, stand dabei nicht auf dem Plan. Erst, als ich nach Absolvierung einer Berufslehre und der technischen Berufsmatura selber Interesse angemeldet habe, haben meine Familie und ich zusammen mit einem Coach die Planung und Umsetzung der Nachfolge in Angriff genommen.

Nach der Lehre in der Gastronomie haben Sie sich also für den elterlichen Betrieb entschieden.

Für mich war schon immer klar, dass ich eine Führungsrolle in einem Unternehmen einnehmen möchte. Ich dachte dann, warum nicht im eigenen Familienbetrieb?

Den Schritt zur Unternehmerin haben Sie sich gut überlegt. Haben Sie die Entscheidung dennoch schon einmal bereut?

Nein, noch nie. Ich habe wohl das Unternehmergen und brauche die Freiheit, täglich Entscheidungen fällen zu können – und auch die Verantwortung für die Konsequenzen zu tragen.

Sie arbeiten in einer männerdominierten Branche, fördern aber Frauen als Mitarbeiterinnen. Wie schaffen Sie diesen Spagat?

Dazu haben meine Eltern – im Besonderen meine Mutter – in unserem Unternehmen einen wichtigen Grundstein gelegt. Ich fördere grundsätzlich alle Mitarbeitenden in unseren Betrieben. An meinem eigenen Beispiel sehe ich keine Hemmschwelle, warum nicht auch Frauen in dieser Branche tätig sein sollen. Ich vertrete die Meinung, dass es zum grössten Teil auf den Menschentyp ankommt, wie geeignet jemand für einen Job ist. Das Fachwissen ist sekundär und kann dazugelernt werden. Was jemand mitbringen muss, ist Freude an der Arbeit, Eigenmotivation und Emotionen.

Es bereitet Ihnen also keine Mühe, sich behaupten zu können?

Nein. Ich bin seit 2003, nach Abschluss der Holzfachschule in Biel, in der Branche und in unserem Betrieb tätig. Seither habe ich auch die Akzeptanz von unseren Mitarbeitenden und den Branchenkollegen.

Ihre Eltern unterstützen Sie weiterhin im Betrieb. Wie ist es, als Familie zusammenzuarbeiten?

Für mich ist es wunderbar. Nebst meinen Eltern und meiner Schwester arbeiten auch weitere Verwandte von mir in der Unternehmung. Ich schätze das Grundvertrauen, das in diesen Beziehungen vorhanden ist.

Wo sind Sie tagtäglich in Ihrer Arbeit gefordert?

Wir stellen uns immer wieder die Frage, warum die Kunden gerade bei uns kaufen sollen. Gute Qualität, prompte Lieferzeit und angemessene Preise reichen heute nicht mehr aus. Es braucht viel persönliches Engagement von allen, zukunftsweisende Aussichten für sich selber, für die Mitarbeitenden und Kunden sowie für alle Stakeholder, um das Unternehmen weiterhin erfolgreich zu führen. Als Chance nehme ich hingegen die grosse Nachfrage nach Holz wahr. Es ist eine Freude, wie der Holzbau boomt, wie der Absatz von Schweizer Holz gepusht wird. Das müssen wir nutzen, unseren Betrieb richtig für die Zukunft zu positionieren.

Mit dem Firmeneinkauf konnten Sie die Arbeitsplätze auf 50 erhöhen und haben so einen entscheidenden Schritt für die Zukunft gemacht.

Ich bin stolz, dass wir nun bereits seit etwas mehr als zwei Jahren mit dieser zusätzlichen Firma unterwegs sind. Das Angebot kam zum richtigen Zeitpunkt. Wir konnten die Ressourcen aufbringen und arbeiten nach wie vor an der Integration. Fertig ist man damit nie – es ermöglicht aber Veränderungen in der ganzen Firma, die ich sonst nicht angegangen wäre.

Planen Sie also weiteres Unternehmenswachstum?

Ein gewisses Wachstum ist immer nötig, denke ich. Ich sehe bei uns aber noch Potenzial ohne bauliche Massnahmen oder Mitarbeiteraufstockung.

Welche Pläne sind es denn vordergründig, die Sie verfolgen?

Die Digitalisierung macht auch bei uns nicht Halt. Ich versuche, über den Branchenrand hinauszuschauen und Mut für Innovation zu haben. Ideen sind vorhanden, der richtige Zeitpunkt wird kommen.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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