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Gastbeitrag

Die Antithese zu den neuen Marktpavillons kommt vom Stadtrat selbst

Ein sehr viel anspruchsvollerer, grösserer, mehrstöckiger Bau kostet massiv weniger als die Marktpavillons, die auf dem neuen St.Galler Marktplatz zu stehen kommen sollen. Das zeigt die wahren Dimensionen des ganzen Projekts auf. Ein Gastbeitrag von Christian Neff.

Christian Neff am 19. September 2020

Wer hätte das gedacht? Ehrlich – wohl niemand. Da verteidigt der amtierende Stadtrat seit Monaten die neuen Marktpavillons, umgarnt von FDP, umtanzt von der Mitte, angehimmelt durch GLP, Grüne, junge Grüne und bestärkt durch SP, PFG und Juso, sowie allem, was an Gewerbeverbänden in St. Gallen existiert.

Wir werden berieselt mit der Aussage, dass die neuen Marktpavillons nicht günstiger geplant und umgesetzt werden können. Aber dennoch schmeisst man eine Reserve von noch nie dagewesenen 25 % hinterher. Die CHF 7‘050‘000 für die zwei Marktpavillons seien gerechtfertigt. Das lassen wir vorerst einmal so stehen.

Denn jetzt kommt das:

Mit der Vorlage Beschluss Nr. 4566 vom 01.09.2020, «Primarschule Hebel-Bach, Neubau Tagesbetreuung an der Gotthelfstrasse; Projektierungs- und Ausführungskredit sowie Übertragung in das Verwaltungsvermögen» legt der Stadtrat dem Parlament ein hochkomplexes Neubauprojekt vor, das CHF 7‘265‘000 kostet.

Man kann dabei nur hellhörig werden. Wieder etwas, das gut sieben Millionen Franken kostet? Was bekommt man denn dafür? Bei der Neuen Stadtschule am Rosenberg beispielsweise kriegt man ein neues Gymnasium-Gebäude, in den Berg hinein gebaut, mit Tiefgarage, mehrstöckig – für gut CHF 7‘000‘000.

Aber das zählt ja nicht! Weil es nicht die Stadt ist, die da baut!

Schade, zu früh gefreut. Wäre da eben nicht die Vorlage mit Beschluss Nr. 4566.

Vom Stadtrat initiiert. Vom Stadtrat abgeklärt. Vom Stadtrat geschätzt. Vom Stadtrat mit einem verbindlichen Preis versehen. Mit nur 10 % Reserve – das alleine schon eine königliche Pointe. CHF 7‘265‘000. Verglichen mit den Marktpavillons für CHF 7‘050‘000. Der Unterschied?

Nein, nicht nur CHF 215‘000. Sondern ein massiver:

  • Die Marktpavillons decken vielleicht eine Nutzungsfläche von 400 m2 ab – wovon die Mehrheit dieser Fläche offen ist. Das neue Gebäude für die Tagesbetreuung umfasst eine Dachfläche von nur schon 300 m2, und somit eine Nutzungsfläche, die nicht vergleichbar und viel grösser ist.

  • Die Marktpavillons sind simple Stahlkonstruktionen mit einem Kellerraum und Erdgeschoss. Das neue Gebäude für die Tagesbetreuung ist ein massives, komplexes, verwinkeltes und dreistöckiges Gebäude, das komplett unterkellert ist und ins Gelände integriert wird.

  • Die sieben Millionen Franken für die Marktpavillons zahlen nur gerade die beiden Stahlgerüste und etwas Lagerraum. Die sieben Millionen Franken für das neue Gebäude der Tagesbetreuung zahlen zudem die komplette Einrichtung, die komplette Umgebungsarbeit, die Anpassungen an Mauerwerken, Trottoirs und Begrünung. Zudem Teil davon sind alle Honorare und sogar die Grundstückskosten.

  • Nun gut. Seien wir fair und vergleichen wir nicht Äpfel mit Kokosnüssen. Schauen wir nur die Gebäudekosten an, ist das komplette neue Gebäude für die Tagesbetreuung nämlich massiv günstiger im Direktvergleich. Nämlich kostet der Rohbau des verwinkelten Schulgebäudes mit vier Etagen nur gerade CHF 1‘275‘000. Und rechnet man alles zusammen für das fertige und funktionstüchtige Gebäude, sind es im direkten Vergleich dennoch nur CHF 4‘792‘000.

  • Fazit? Ein massiv anspruchsvollerer, grösserer, mehrstöckiger Bau kostet massiv weniger.

Wenn das keine Überraschung ist.

Der Stadtrat legt mit der erwähnten Vorlage gleich selbst die Antithese vor, die beweist, dass die Luxuspavillons nicht nur verschwenderisch budgetiert, sondern schlicht und einfach unverschämt teuer sind.

Wo sonst widerlegt ein Stadtrat seine eigenen Leuchttürme so klar und nachvollziehbar? Und wieso? Will er insgeheim die überteuerten Pavillons gar nicht mehr?

Das sollten wir Bürgerinnen und Bürger bei der kommenden Abstimmung verdanken – mit einem «Nein» zum Marktplatz. Zuviel ist zuviel. Ganz einfach.

Stölzle /  Brányik
Über den Autor
Christian Neff

Christian Neff (*1974) ist Gründer und Partner der Advice Online AG, einer Software-Firma für Banken und KMU. Der SVP-Stadtparlamentarier wohnt in St.Gallen.

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