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jazzfenster.sg-Première am Sonntag, 19. September

Die Bühne als Raum für Improvisation

 Was Rosset Meyer Geiger machen, kann man nur wenn man schon so lange zusammenspielt: Seit 22 Jahren gibt es dieses Trio mittlerweile, und seit drei Jahren konzertiert (und probt) es nur noch improvisiert. Für die drei Musiker das erfolgreiche Rezept, um von alten Pfaden wegzukommen.

Die Ostschweiz am 15. September 2021

Text: Peter Hummel

«Wir sind quasi eine Risikogruppe», erklärt Jan Geiger mit zeitaktueller Anspielung. «Wir wissen bei keinem Konzert, was herauskommt; meistens klappt’s recht gut, manchmal weniger. Super cool ist es, wenn jeder es schafft, seine Inspiration beizusteuern.» Wenn einer sich zu wenig oder zu viel einbringe, könne es schnell ins Destruktive kippen. Auch funktioniere es nicht, vermeintlich coole Takes in ein nächstes Konzert einzubauen – eine einmalige Magie lasse sich nicht nochmals herzaubern... Wie aber kann Improvisation denn geprobt werden – ist das kein Widerspruch? «Es gelingt, wenn wir jedes Mal wie eine neue Band frisch anfangen. Voraussetzung ist allerdings, dass keiner alte Muster oder Alltagssorgen im Kopf rumträgt», so Josquin Rosset. Genau dann fängt das traumwandlerische Zusammenspiel an zu tragen.

Und wie reagiert denn das angestammte Publikum? «Nun, wir hatten das Glück, dass wir gleich mit der ersten Platte den Nerv einer audiophilen Hörerschaft fanden», so Gabriel Meyer. Und nach drei Studioalben folgte als vorläufige Krönung die exzellente Einspielung «Live at Beethoven-Haus in Bonn»; insgesamt wurden stattliche rund 7000 Platten verkauft. Diese Klientel musste sich gewiss umgewöhnen. Doch das Konzertpublikum reagiere sogar enthusiastischer, so Rosset. Und das Trio hilft ja auch mit einem kleinen Kunstgriff nach: Es nennt seinen freien Jazz nicht etwa abschreckend Free Jazz sondern freie Improvisation. Sehr zu recht, meint Geiger: «Wir lieben ja durchaus Melodien – wir mögen einfach keine Schubladisierung. Unsere Musik soll frisch und frei sein – no risk, no fun.»

Rosset Meyer Geiger spielen ohne Zweifel in einer internationalen Liga – lockt denn da nicht vermehrt der Sprung ins Ausland, nachdem es vor Jahren mit Tourneen in Deutschland und Japan schon mal einen verheissungsvollen Start gab? Für viele ausländische Booker sind Rosset Meyer Geiger offensichtlich noch zu sehr ‹Newcomer› oder noch zu unbekannt. So konzentrieren sich die Musiker momentan auf weniger Konzerte in – hauptsächlich nationalen – Lokalen. Vielleicht braucht es einfach noch ein wenig Zeit und weitere Auftritte im Ausland, um irgendwann mal auch international breit wahrgenommen zu werden.

Josquin Rosset – Piano, Gabriel Meyer – Bass, Jan Geiger – Schlagzeug

www.rossetmeyergeiger.com

Première auf TVO: Sonntag, 19. September, 10 Uhr, anschliessend auf www.tvo-online.ch/jazzfenster

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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