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Rückblick

«Die Innerrhoder Politik soll wieder sichtbarer werden»

Auch eine Operation bringt Ständerat und Rechtsanwalt Daniel Fässler so schnell nicht aus der Ruhe, wie er im persönlichen Jahresrückblick erklärt. Dennoch erhofft er sich im 2022 einige Verbesserungen.

Die Ostschweiz am 01. Januar 2022

Ganz grundsätzlich: Unter welchen Stichworten würden Sie das Jahr 2021 für sich verbuchen?

Es war ein äusserst intensives Jahr, das politisch und beruflich herausfordernd war und privat viele schöne Momente hatte.

Gab es für Sie einen besonderen Meilenstein, etwas das Sie besonders geprägt oder verändert hat?

Nein.

Welchen Tag würden Sie am liebsten komplett streichen?

Gute und schlechte Tage gehören privat und politisch zum Leben. Ich kommentiere daher weniger erfreuliche Ereignisse oft mit dem Spruch «Es ist, wie es ist.». Dies gilt auch für jenen Märznachmittag, an dem ich mir nach der Rückkehr von der Session beim Winterschnitt meiner Obstbäume beinahe eine Sehne am rechten Daumen durchgetrennt hatte und deswegen operiert werden musste.

Gibt es etwas, wofür Sie sich gerne entschuldigen würden?

Nichts, das öffentlich erfolgen müsste.

Und auf was sind Sie besonders stolz?

«Hochmut kommt vor dem Fall». Getreu dieses alttestamentarischen Spruches bleibe ich auch bei einem Erfolg zurückhaltend und demütig. Immerhin: Dass ich mit einer Motion erreichen konnte, dass die Pflege und Nutzung der Wälder für vier Jahre mit Bundesmitteln in der Höhe von total 100 Millionen Franken unterstützt wird, hat mich gefreut. Ebenso gefreut haben mich Erfolge hinter den Kulissen, insbesondere in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie. Die Vorlage zur Revision des Raumplanungsgesetzes für die Gebiete ausserhalb der Bauzonen konnte ich wesentlich mitgestalten. Und in der Energiepolitik konnte ich die Kommission davon überzeugen, dass es das Verhältnis zwischen «Schutz» und «Nutzen» vor allem bei der Wasserkraft zu überdenken gilt, wollen wir der drohenden Winterstromlücke wirksam begegnen. Schliesslich freute es mich, dass ich mit meinem Antrag, die geltende Regelung zu den Wasserzinsen zu verlängern, in beiden Räten eine Mehrheit fand.

Was hat Sie traurig gemacht?

Wenn ich sehe, wie hoffnungslos die Situation für viele Menschen dieser Erde ist, berührt mich das tief. Nicht traurig, aber besorgt verfolge ich unzählige Konflikte, die nicht selten mit Mangel an Wasser zu tun haben. Das wird sich leider nicht bessern, im Gegenteil. Sehr bedauert habe ich, dass die Innerrhoder Landsgemeinde auch 2020 nicht durchgeführt wurde. Während meiner Amtszeit in der Innerrhoder Standeskommission (Kantonsregierung) durfte ich die Landsgemeinde als regierender Landammann sechsmal führen. Die Ernsthaftigkeit der direkten politischen Auseinandersetzung, von Angesicht zu Angesicht, habe ich dabei immer sehr geschätzt. Dass sich die kantonalen politischen Geschäfte auch an der Urne erledigen lassen, ist klar. Doch die Entscheidungen gewinnen nicht an politischer Qualität, das Gegenteil ist der Fall. Und für den Zusammenhalt im Kanton ist die Landsgemeinde von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Und was so richtig wütend?

Nichts. So schnell bringt mich nichts aus der Fassung.

Haben Sie sich konkrete Ziele für 2022 gesetzt?

Nein. Ich habe gelernt, mir nicht auf ein Jahr hinaus Ziele zu setzen. Klar ist, dass ich mich als Ständerat weiterhin nach Kräften für den Kanton Appenzell Innerrhoden, für den ländlichen Raum, aber auch für den Zusammenhalt in der Schweiz einsetzen möchte.

Was sollte im nächsten Jahr allgemein besser werden?

Ich hoffe, dass die in Politik und Gesellschaft massgebenden Kräfte nicht nur von Gemeinsinn reden, sondern sich künftig wieder vermehrt auch ehrlich für Solidarität und den Zusammenhalt einsetzen.

Und was darf so bleiben, wie es ist?

Von mir aus darf fast alles so bleiben, wie es ist. Bewahren wir unsere Stärken und tragen Sorge zu dem, was uns auszeichnet. Nur das Covid-19-Virus darf uns wieder unbeschwerter leben lassen, je schneller, umso besser.

Wem würden Sie 2022 gerne begegnen?

Möglichst vielen ehrlichen Menschen, sei dies in der Politik oder in der Freizeit, sei dies im Bundeshaus oder in der Natur.

2021 war «Wetten, dass…?» der nostalgische Höhepunkt. Was sollte nächstes Jahr wieder auf der Bildfläche erscheinen?

Ich sitze – abgesehen von Skirennen – sehr selten vor dem Fernsehgerät und habe daher diesbezüglich keine Wünsche. Wenn ich die «Bildfläche» bildlich interpretieren darf: Die Innerrhoder Politik soll wieder sichtbarer werden. Dies wird der Fall sein, wenn die kantonalen Entscheide wieder an der Landsgemeinde gefällt werden.

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Laveba 03/2022

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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