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St.Galler Spitalstrategie

«Die Regionen haben sich ausspielen lassen»

Walenstadt als Spitalstandort statt als Gesundheits- und Notfallzentrum: Der Vorschlag der vorberatenden Kommission dürfte in Walenstadt für Freude sorgen. Aus dem Toggenburg hingegen kommen postwendend bittere Zeilen. Der ländliche Raum werde ignoriert.

Stefan Millius am 20. August 2020

Die vorberatende Kantonsratskommission hat soeben ihre Beratungsergebnisse zur neuen Spitalstrategie des Kantons St. Gallen kommuniziert; wir haben berichtet. Als erste darauf reagiert hat die SVP Toggenburg. Wenig überraschend fällt ihr Urteil negativ aus. «Für die SVP Toggenburg ist es bitter, dass die Ansprüche des ländlichen Raums ignoriert werden», heisst es in der Stellungnahme. Und weiter: «Die betroffenen Regionen haben sich ausspielen lassen.»

Was im Toggenburg für Aufregung sorgt: Die vorberatende Kommission stellt sich im Grundsatz hinter die Pläne der Regierung, macht aber bei ihren Vorschlägen eine Ausnahme. Diese betrifft das Spital Walenstadt, das vorderhand weiterhin zu den Spitalstandorten gezähöt werden soll. Als «kosmetische Anpassung des Regierungsentwurfs» bezeichnet das die SVP Toggenburg, da das Spital Walenstadt ohnehin zukünftig in eine Spitalversorgungsregion Sardona mit Graubünden und Glarus gehören soll. Damit wäre der Kanton St.Gallen von diesem Thema entlastet. Eine Übergangslösung also, welche die Gemüter in Walenstadt beruhigen könnte.

Was für Wattwil als Spitalstandort spreche, das habe die Kommissions offensichtlich «in seiner Mehrheit nicht gehört», so die SVP weiter. Die Solidarität zwischen den betroffenen ländlichen Regionen sei nicht stark genug gewesen, um im Neubau in Wattwil weiterhin ein Spital zu betreiben. 

Ivan Louis, SVP-Kantonsrat aus dem Toggenburg und Mitglied der Spitalkommission, sagt dazu: «Die Kommission hat leider – wie die Regierung – die heftigen Hinweise der medizinischen Experten schlicht ignoriert». Die Toggenburger Ärzte, so Louis, hätten den Politikern deutlich gemacht, dass ohne Spital Wattwil die medizinische Grundversorgung im Toggenburg akut gefährdet sei. Dazu kommt für die SVP, dass ein Gebäude, das für 65 Millionen Franken errichtet wurde, nun für 10 Millionen «an einen privaten Pflegeunternehmer verscherbelt wird.»

Positiv beurteilt wird nur, was die vorberatende Kommission zum Spital Wil zu sagen hatte. Sie verlangt von der Regierung einen Bericht zu diesem Standort, um die geplanten Investitionen von über 150 Millionen Franken zu prüfen.

Klar ist: Im Toggenburg wird man noch lange nicht schweigen zum Thema. Auch aus Rorschach, Flawil und Altstätten, weiteren betroffenen Standorten, dürfte noch die eine oder andere Wortmeldung kommen, bevor Entscheidungen fallen. Aber der Widerstand ist im Toggenburg am ausgeprägtesten  - und am lautesten.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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