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Anna am Meer

Die ultimativen Tipps für Wutbürger

Jaja, schon wieder die olle Pandemie. Ist ja in der Schweiz eh vorbei, so dünkt es mich auf jeden Fall. Hier auf Mallorca haben ein paar Schülerinnen und Schüler vom Festland ein bisschen Party-Covid eingeschleppt und die Inzidenzen steigen wieder.

Anna Lena Horber am 06. Juli 2021

Über Touristen, die sich nicht an Regeln halten, habe ich ja schon berichtet. Auch die helfen gut mit, dass die Zahlen wieder nach oben schiessen.

Was mich aber im Moment beschäftigt ist: «Why this hate?»

Wenn ich auf den Facebook-Profilen der Zeitungen von Mallorca (auf der deutschen wie auch auf der spanischen Seite – denn die Blätter werden zweisprachig verlegt), die Kommentare unter den geposteten Artikeln zum obigen Thema lese, dann ist das, was dort geschrieben wird, an Hass und Häme nicht mehr zu überbieten. Immer findet sich Jemand, der sich über diesen und jenen echauffiert.

Warum eigentlich? Warum hat man das Bedürfnis, auf diese Weise Dampf abzulassen?

Ja, ich lese im Internet auch viel Verstörendes und hätte manchmal auch grosse Lust, Kommentare zu gewissen Dingen abzugeben.

Aber mich hindert jeweils das Wissen, dass ich vielleicht gar nicht alle Hintergründe über irgendeinen Fall oder eine Geschichte kenne.

Warum sollte ich mich dann darauf einlassen, einen nicht wieder löschbaren, vielleicht auch bösen Kommentar abzugeben? Was ins Internet gepappt wird, das bleibt da. Auch wenn man es vielleicht nach einem Tag wieder entfernt.

Und: Was berechtigt mich dazu?

Klar, erst einmal die Kommentarspalten, die offen sind für alle. Traffic ist für die genannten Seiten wichtig und Interaktion ist gut fürs Google-Ranking. Egal ob positiv oder negativ.

Aber würde ich das auch im analogen Leben tun? Vermutlich nicht.

Okay, nicht anecken wollen, ist wahrscheinlich auch so etwas, was bei mir explizit mitspielt. Aber eEhauffieren im Internet geht halt einfach leichter, als vor versammelter Menge.

Ich habe trotzdem einmal versucht, eine Liste für diejenigen zusammenzustellen, die es ebenso handhaben wie ich und vielleicht eine Möglichkeit suchen, anders mit diesem Drang nach «Kommentarspaltenschreiberei» umzugehen:

  • Töpfern (Die ganze Energie muss gedrosselt werden, um den Klumpen nicht so aussehen zu lassen, wie das, was der Hund auf dem morgendlichen Spaziergang hinterlassen hat)

  • Klettern (Keine Chance, um an einen Artikel oder ein Thema zu denken. Weil sonst: Absturz)

  • Schwimmen (sink or swim)

  • Singen (Am besten bei einer Gesangslehrerin. Wenn man's richtig macht, hat man danach gar keine Energie mehr, auch nur den Laptop aufzuklappen. Aufpassen mit den Aerosolen!)

  • Wandern (Der Seealpsee ist sehr schön und man entdeckt vielleicht Wanderer, die den Müll liegen lassen. Und denen kann dann getrost hinterher gebrüllt werden! Dann aber Vollgas!)

  • Kochen (Wenn man schon innerlich kocht vor Wut, warum diese Hitze nicht in ein leckeres Thai- oder Indian-Curry investieren? Achtung bei der Benutzung von Chilis).

  • Ausdruckstanz (Im eigenen Wohnzimmer, wo es keiner sieht, sich einmal zu Slayers «Angel of Death» so zu bewegen, wie es einem die Musik vorgibt.  Gelingarantie gilt nur, wenn das Porzellan gut verschlossen im Schrank ist. Die Fortgeschrittenen informieren ihre Nachbarn nicht).

  • «Eile mit Weile» spielen – Achtung, braucht Mitspielende (Macht genau so hässig, aber man kann wenigstens das Spielbrett wütend vom Tisch fegen. Und das vor echtem Publikum!)

Um das Ganze letztlich zu verstehen, hilft diese Liste natürlich dann auch nicht. Aber das Internet ausmachen, das hilft mir meistens. Und zwar sehr gut. :-)

Ein dreifaches «Ommm» und hasta la proxima!

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Anna Lena Horber

Die St.Gallerin Anna Lena Horber bildet zusammen mit Rico Horber die Musikgruppe Anna Lux. Vor einigen Jahren folgten die beiden einem Impuls und wanderten nach Mallorca aus.

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