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Millius Stefan

Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz». Seine Stationen führten über das «Neue Wiler Tagblatt», Radio aktuell, die ehemalige Tageszeitung «Die Ostschweiz» zum «Blick».

Kronfavorit weg

Doch nicht Gemeindepräsi

Marco Huwiler galt als Favorit für das Gemeindepräsidium von Mörschwil. Er hat aber andere Pläne.

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Marco Huwiler

Der Mörschwiler übernimmt die Geschäftsleitung der Technischen Betriebe Wil.

Die Nachricht ist im Grunde Standard. Marco Huwiler, derzeit Mitglied der Geschäftsleitung bei den St.Galler Stadtwerken, wechselt Stadt und Betrieb. Der heutige Bereichsleiter «Innovation und Produktmanagement» übernimmt die Geschäftsleitung der Technischen Betriebe Wil (TBW) per 1. August 2018. Gleichzeitig wird er in Wil als Departementsleiter «Versorgung und Sicherheit» amten. Der 44-Jährige hatte einst einen Sitz im St.Galler Stadtrat angestrebt, doch die Mitglieder der FDP gaben Barbara Frei als Kandidatin den Vorzug, die später nicht gewählt wurde. Auch eine Kantonsratskandidatur absolvierte Huwiler - und nach verpasster Wahl kündigte er auf seiner Webseite bereits einen neuen Versuch 2020 an. Politische Ambitionen sind also offenbar da.

Nicht zuletzt deshalb wohl wird Huwiler seit längerem als möglicher Gemeindepräsident an seinem Wohnort Mörschwil gehandelt. Der derzeitige Amtsinhaber Paul Bühler hält sich zwar bedeckt, was seinen Rücktrittszeitpunkt angeht. Allgemein wird aber angenommen, dass in rund zwei Jahren ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht werden wird.

Im Interview sagt Marco Huwiler, warum er sich für die neue Aufgabe entschieden hat - und weshalb das Gemeindepräsidium bei ihm derzeit gar keine Option war:

Marco Huwiler, es gibt einige überraschte Stimmen bezüglich Ihrem Jobwechsel. Für diverse Leute galten Sie als möglicher Kronfavorit für die Nachfolge des Mörschwiler Gemeindepräsidenten Paul Bühler. War das für Sie nie ein Thema? Falls doch, was hat Sie dazu bewogen, auf eine andere Karte zu setzen?

Ich freue mich, dass sich einige Leute überrascht zeigen, somit wird man gegenseitig noch wahrgenommen und respektiert sich. Dass ich als zukünftig möglicher Gemeindepräsident von Mörschwil gehandelt werd,e freut mich ebenfalls, nur steht der Posten nicht zur Disposition, und somit erledigt sich die Sache von selbst.

Sie hatten sich auch schon für ein Stadtratsmandat in St.Gallen interessiert. Ist die neue Aufgabe nun langfristig die Absage an politische Exekutivämter?

Nein, es ist weder eine kurz- noch mittel- oder langfristige Absage. Was die Zukunft bringen wird, steht sowieso in den Sternen. Die Aufgabe für ein politisches Exekutivamt ist meines Erachtens vorgängig schwierig planbar, denn es müssen verschiedene Mosaiksteine zueinander finden. Diese Gelegenheit anerbot sich mir im Jahr 2014 einmal, da waren aber andere Faktoren ausschlaggebend für die parteiinterne Nichtnomination.

Was finden Sie bei der neuen Aufgabe in Wil vor, das Sie heute in der Geschäftsleitung der St.Galler Stadtwerke so nicht hatten? Wo liegt die zusätzliche Herausforderung?

Mit Mitte 40-ig stellte sich bei mir Frage wohin der berufliche Weg noch führen kann beziehungsweise soll. Für mich war der Zeitpunkt für eine Veränderung nach über 10 Jahren bei den St.Galler Stadtwerken prüfenswert. Vielleicht bekommt man im Leben ein oder zwei Mal solch eine Gelegenheit, und dies gilt es abzuwägen sowie in meinem Fall wahrzunehmen. Ich bin davon überzeugt, dass viele Themen, die euch heute betreue, auch bei den Technischen Betrieben Wil von grosser Bedeutung und Wichtigkeit sind. Es liegt auf der Hand, dass meine Schwerpunkte im energiepolitischen und -wirtschaftlichen Umfeld angesiedelt sind, dies kann ich weiterhin wahrnehmen und direkt mitgestalten.

Werden Sie die kommunalen Mandate und Aufgaben in Ihrem heutigen Wohnumfeld behalten – und ist ein Umzug nach Wil kein Thema und keine Erfordernis?

Mein Fokus liegt aktuell auf einer geordneten Übergabe bei meinem jetzigen Arbeitgeber bis zum 31. Juli 2018. Parallel dazu beschäftige ich mich zusammen mit dem zuständigen Wiler-Stadtrat Daniel Meili und der bestehenden Geschäftsleitung mit einigen Vorbereitungen zu meinem Stellenantritt per 1. August 2018. Ab diesem Zeitpunkt gilt meine oberste Priorität den Mitarbeitenden der Technischen Betriebe Wil sowie den Kundeninnen und Kunden und weiteren Institutionen der Stadt und Region Wil. Meine jetzigen nebenberuflichen Mandate und Aufgaben stehen aus heutiger Sicht nicht zur Diskussion, und ich werde diese wie gewohnt beibehalten. Die Wohnsitzpflicht war und ist kein Thema, aber selbstverständlich werde ich alles daran setzen, mein bestehendes Netzwerk auszubauen und zu pflegen.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen als Geschäftsleiter der Technischen Betriebe Wil aus heutiger Sicht?

Die Digitalisierung hat in den letzten Jahren den Druck auf Unternehmen, Verwaltungen und weitere Institutionen verstärkt. Auch die Energiebranche steckt mitten in diesem Veränderungsprozess. Dabei stossen auch die her­kömmlichen Geschäftsmodelle teilweise an ihre Grenzen. Ebenso stehen im Energie- und Verwaltungsumfeld einige Herausforderungen an, denn Märkte und Geschäftsmodelle stehen zunehmend in einem Spannungsfeld zueinander. Dabei spielt die «digitale Transformation» eine entscheidende Rolle, um auf diesen Weg weiterhin erfolgreich zu sein, sehe ich mich zusammen mit dem gesamten Team und der Politik in der Verantwortung für eine erfolgreiche Zukunft.

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