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Jahresrückblick-Interview

«Durchhalten, nicht aufgeben und die Sache ernst nehmen»

Dies ist die Haltung von Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer der Schweiz in Bezug auf Corona. Die oberste Lehrerin der Schweiz war eine gefragte Interviewpartnerin in den Medien, wenn es um den Lockdown, Schulschliessungen und Fernunterricht ging.

Nadine Linder am 28. Dezember 2020

«Corona» war das dominierende Thema im vergangenen Jahr. Auf was können Sie in diesem Zusammenhang im positiven Sinne zurückblicken?

Bei allen Schwierigkeiten, die uns Corona beschert hat, wurde während des Verbots des Präsenzunterrichts sichtbar, was Lehrpersonen und Schulen täglich leisten. Ausserdem ist klar geworden, welch wichtige Stellung die Schule in unserer Gesellschaft hat. Es geht nicht nur um den Erwerb formalen Lernstoffes, sondern um das soziale Lernen, die Kommunikation und die Erfahrungen in der Gruppe. Dies kann der Fernunterricht bei allen Anstrengungen nicht bieten. Diese wichtige Funktion der Schule ist hier deutlich hervorgetreten. Dies habe ich als sehr positiv wahrgenommen.

Womit hatten Sie im Zusammenhang mit «Corona» am meisten zu kämpfen? Was hat Sie bedrückt?

Dass die Schere zwischen bildungsnahen und bildungsfernen Elternhäusern weiter auseinandergegangen ist, zu viele Kinder und Jugendliche während des Lockdowns auf sich alleine gestellt waren und teilweise auch von den Lehrerinnen und Lehrern nicht erreicht werden konnten.

Bleiben wir beim Positiven: Was wird Ihnen rückblickend auf das Jahr 2020 in sehr guter Erinnerung bleiben? Gab es allenfalls einen entscheidenden Meilenstein in Ihrem Berufs- oder Privatleben?

Meilensteine nicht gerade, aber ich war von März bis Juni eine gefragte Person für die Medien. Dies hat meinen Namen, meine Funktion und auch mein Gesicht innerhalb kurzer Zeit zu einer gewissen Bekanntheit gebracht. Das hat auch seine Schattenseiten, aber das Positive in der Sache hat überwogen.

Welche drei Persönlichkeiten haben für Sie das Jahr 2020 positiv geprägt?

  • Simonetta Sommaruga, sie war Bundespräsidentin in einem sehr schwierigen und herausfordernden Jahr und hat das in meinen Augen mit ihrer unaufgeregten und sachlichen Art sehr gut gemeistert.

  • Franziska Peterhans, die Zentralsekretärin des LCH. Wir sind zusammen durch die Krise gegangen, ich als «Greenhorn» und sie als «erfahrener Hase». Wir haben schnell einen guten Weg gefunden, gemeinsam durch dieses Jahr zu kommen. Dank ihrer Menschlichkeit und ihrer Loyalität ist haben wir gemeinsam diverse Hürden gut genommen.

  • Samuel Rohrbach, Präsident des Lehrerinnen- und Lehrerverbands aus der Romandie (SER), wir standen in diesem Jahr in enger Zusammenarbeit und ebensolchem Austausch, welche ich als sehr konstruktiv und äusserst wertschätzend erlebt habe.

Woran denken Sie umgehend, wenn Sie sich mit der «Planung» des Jahres 2021 befassen?

Durchhalten, nicht aufgeben und die Sache ernst nehmen, so dass wir irgendwann wieder zurück in die Normalität können. Gleichzeitig flexibel, optimistisch bleiben – wir wissen nicht, was alles noch kommen wird. Und mir kommt ein Zitat des Dalai Lama in den Sinn, dem ich persönlich viel abgewinnen kann: «Begegnen wir Problemen voller Hoffnung und Optimismus, lassen sie sich begrenzen.»

Gibt es darüber hinaus etwas, was Sie nächstes Jahr unbedingt in Angriff nehmen möchten?

Ja da gibt es so einiges, ich erwähne es hier aus taktischen Gründen aber nicht.

Abschliessend ein paar entweder/oder-Fragen. Den Übergang ins neue Jahr feiern oder im Bett verbringen?

Mit der Familie feiern und schauen, wie sich der Abend entwickelt.

Das Jahr 2021 mit klaren Vorsätzen starten oder alles auf sich zukommen lassen?

Das mit den Vorsätzen klappt bei mir nie, weil ich mich immer zu viel vornehme. Also nehmen was kommt, das Beste draus machen und gleichzeitig immer wieder den Mut haben, neue Türen zu öffnen.

Die Sommerferien 2021 wenn möglich im Ausland verbringen oder hier in der Schweiz?

Mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Schweiz. Eine Woche werde ich traditionellerweise mit meinem Pferd in den Freibergen verbringen. Den Städtetrip in London, den wir unseren Töchtern schon im 2020 versprochen haben, müssen wir wohl um ein weiteres Jahr hinausschieben.

Ost
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Nadine Linder

Nadine Linder ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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