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Pino und Dino Zünd

Emotionen statt Räume verkaufen

Sie setzen auf Immobilien und pendeln zwischen Luxusobjekten, Entwicklungsprojekten und dem Renditebereich: Der ehemalige Werber Pino Zünd und sein Sohn Dino Zünd und ihre gemeinsame Firma Casielo in Berneck im Rheintal. Sie gehören zu den «Corona-Gewinnern».

Stefan Millius am 02. Juli 2020

Fast 40 Jahre lang hat Pino Zünd eine Marketingagentur geführt und sich dabei auf Branding spezialisiert. Ursprünglich Designer, war Zünd aber gleichzeitig besonders an Gestaltungsfragen interessiert: «Schöne Immobilien haben mich immer fasziniert.» Bereits früher, als sein berufliches und privates Netzwerk wuchs, erhielt er da und dort die Gelegenheit, nebenbei eine Immobilie zu vermitteln. Als sein Sohn Dino Zünd um 2012 mit der Idee kam, das zum Geschäft zu machen, liess sich der Rheintaler nicht lange bitten - Casielo war geboren.

Und es kam nichts aus dem Nichts. Pino Zünd profitierte von Anfang an davon, dass er nach Jahrzehnten in der Kommunikationsbranche ein grosses Beziehungsnetz hatte - und zwar eines, das aus zahlungskräftigen Leuten besteht, die gerne schön wohnen. Seine Agentur verkaufte Zünd vor fünf Jahren, seither sind Immobilien sein Lebensinhalt.

Per Zufall in die Branche

Anders sieht die Vorgeschichte seines Sohnes Dino Zünd aus. Während des Studiums in Betriebswirtschaft hielt er Ausschau nach einem Nebenjob, wollte aber nicht wie viele seiner Kommilitonen hinter einem Bartresen landen. «Ich suchte eine Aufgabe, die mich fordert, und per Zufall bin ich auf ein Angebot aus dem Immobilienbereich gestossen», erinnert er sich. Mit zwei Konsequenzen: Einerseits spürte Dino Zünd schnell, dass ihn die Materie sehr interessierte, andererseits war er überzeugt, dass man es besser machen konnte als es sein temporärer Arbeitgeber machte. Zünd brach das Studium ab, startete mit seinem Vater die Casielo GmbH und absolvierte parallel dazu Aus- und Weiterbildungen im Bau- und Immobilienbereich.

Liegenschaften vermitteln: Das ist ein Bereich, in dem sich unzählige Anbieter tummeln. Der Volksmund sagt: «Wer nichts wird, wird Wirt». Aber die Immobilienbranche ist wohl mindestens so niederschwellig: Vier Wände und ein Telefon, und der Makler ist geboren. Das wissen auch Pino und Dino Zünd, sehen sich aber nicht in diesem Sumpf aus schnellen Quereinsteigern. «Das Immobiliengeschäft ist ein sehr persönliches, es lebt von Beziehungen», so Pino Zünd. Denn es gehe um Vertrauen, da sei man im Vorteil, wenn man sein Gegenüber kenne.

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Pino Zünd

Gemeinsam entwickeln

Auf dieser Basis vermittelt er seit einigen Jahren hochklassige Ferienhäuser, luxuriöse Liegenschaften oder auch Weingüter, ob in der Schweiz, auf Mallorca oder in der Toskana. Und er entwickelt neue Projekte im Auftrag von Bauherren. Ein aktuelles ist besonders herausfordernd: Ein Institut für Achtsamkeit, das in Laax entstehen wird. Die vormaligen Planer taten sich mit der Standortsuche schwer, weil der Kriterienkatalog so anspruchsvoll war: Südlage, nebelfrei, eine schöne Aussicht und mit genügend Platz für eine architektonisch überzeugende Lage. Immerhin geht es darum, einen edlen Rückzugsort für vermögende Personen zu schaffen.

Pino Zünd kam ins Spiel und legte nach fünf Wochen intensiver Suche eine Liste von sieben möglichen Standorten vor. Gleichzeitig regte er einen Architektenwechsel an. Nun ist der italienische Designer und Architekt Matteo Thun am Drücker, die Ausführung wiederum übernimmt der Rheintaler Architekt Carlos Martinez. «Für ein bestimmtes Projekt die richtigen Leute zusammenzubringen ist ein wesentlicher Teil meiner Aufgabe», sagt Pino Zünd. Und dafür müsse man diese zuerst kennen.

Projekt in Laax

Das Zentrum der Achtsamkeit: Ein Projekt in Laax, das Pino Zu?nd begleitet hat.

Griff in die Kartei

Das «System» Casielo basiert auf zwei Standbeinen und einer klaren Trennlinie. Während sich Vater Pino Zünd um die Luxusprojekte kümmert, ist Sohn Dino Zünd für die Renditeobjekte zuständig. Hier stehen die Zahlen im Vordergrund. Es gilt, für die Investoren eine Bewertung zu erstellen sowie den Wert und die Potenzialentwicklung einer Liegenschaft einzuschätzen. «Das klassische Bild des Maklers, der den ganzen Tag möglichen Käufern Häuschen zeigt, trifft auf mich nicht zu», stellt Dino Zünd klar. Auch bei Renditeobjekten sei das persönliche Beziehungsnetz der zentrale Wert.

Sein Asset: Eine Kartei mit rund 800 Investoren. Gilt es, ein Objekt zu vermitteln, führt der erste Griff in diese Kartei, ein Portfolio mit möglichen Interessenten wird zusammengestellt. Dino Zünd: «Über 90 Prozent der Verkäufe erfolgen auf diesem Weg, das Zeitungsinserat wie in alten Zeiten ist selten nötig.» Gleichzeitig baut er ein eigenes Portfolio aus Objekten aufzubauen und hat dafür 2018 die Zünd Invest gegründet, die bereits mehrere Mehrfamilienhäuser besitzt. Noch besser wissen, wovon man bei der Vermittlung spreche: Das sei seine Motivation dazu gewesen.

Regionale Verankerung

Luxus- und Renditeobjekte: Zwei Bereiche mit unterschiedlichen Herausforderungen. Für Pino Zünd stehen die Emotionen im Vordergrund - und die Diskretion. Er skizziert den Fall eines Unternehmers, der sich vor vielen Jahren ein Weingut geleistet und vom eigenen Wein geträumt hat. Die Leidenschaft liess mit der Zeit nach, das Weingut soll neue Besitzer finden. Pino Zünd: «Solche Dinge hängt man nicht an die grosse Glocke, deshalb ist es so wichtig, auf anderen Kanälen als den öffentlichen fündig zu werden.»

Das gelingt ihm dank der regionalen Verankerung, und diese spielt auch bei Renditeobjekten eine Rolle. Ein Zürcher glaube vielleicht, das Rheintal sei homogen, und für den Erwerb einer Liegenschaft spiele es keine Rolle, in welcher Gemeinde sie liege, sagt Dino Zünd - was ein Irrtum sei: «Zwischen einem Mehrfamilienhaus in Rüthi und Widnau liegen Welten.» Wer die Mikrolage nicht kenne, beurteile die Voraussetzungen und das Nachfragesegment oft falsch und begehe nicht selten einen Fehler.

Die Coronakrise haben auch die Zünds zu spüren bekommen, allerdings auf andere Weise als die meisten Branchen. Sowohl bei den Rendite- wie den Luxusobjekten haben sie rund 20 Prozent mehr Anfragen registriert in dieser Zeit. «Leute mit Geld hatten im Homeoffice plötzlich mehr Zeit, sich nach Immobilien umzusehen», ist Pino Zünd überzeugt. Und Dino Zünd ergänzt: «Investoren haben in der Krise Geld mit Anlagen verloren und wollten nun auf Immobilien umsatteln, und wer schon früher auf diese gesetzt hat, fühlte sich bestätigt.»

Casielo soll auch künftig den Charakter einer «Boutique» behalten, die von den Namen der Inhaber lebt. Sind zusätzliche Fachleute nötig, werde diese projektbezogen ins Boot geholt. Das wichtigste Kriterium sei dabei die Leidenschaft, die jemand mitbringt. Was auch für die Gründer selbst gilt. «Ich habe das mein ganzes Leben lang so gehalten, ich habe immer aus Freude gehandelt», sagt Pino Zünd. Auch jetzt, rein technisch gesehen im Ruhestand, brauche er etwas zu tun, und auch jetzt gelte noch das Motto: «Den Spass an der Aufgabe nicht verlieren.»

Pino Zünd
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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