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Kolumne

Entscheidungen

Studien haben ergeben, dass der Mensch pro Tag bis zu 100‘000 Entscheidungen treffen muss. Die meisten davon glücklicherweise unbewusst.

Andy Givel am 04. August 2020

Ansonsten kämen wir kaum durch den Tag. Bewusste Entscheidungen zu treffen kann aber sehr herausfordernd sein. Das wissen wir alle. In den letzten Wochen und Monaten habe ich oft daran gedacht. Auf Bundes, Kantons, - und Gemeindeebene, aber auch in der Kirche, mussten unzählige wichtige Entscheidungen getroffen werden und ich war nicht undankbar, lagen diese nicht in meiner Verantwortung. Aber Entscheide zu akzeptieren ist auch nicht einfach. Ehrlich gesagt, damit habe ich mich nicht immer leicht getan. Warum darf ich im Restaurant mit mir fremden Menschen an einem Tisch sitzen und in der Kirche müssen zwei Meter dazwischenliegen? Im Kino bleibt links und recht ein Platz frei und in der Kirche mindestens zwei? Es wurde so entschieden. Das gilt es zu akzeptieren.

Manfred Hinrich hat einmal geschrieben: «Entscheidungen Entschlossener entscheiden über die Entscheidungen Unentschlossener.»

Waren wir als Kirche, diesen Vorwurf habe ich während des Lockdowns immer wieder gelesen, zu unentschlossen? Waren wir einfach zu langsam und haben uns zu wenig für unsere Anliegen eingesetzt? Hätten wir die Entscheidungen der Entschlossenen beeinflussen können? Bei aller Solidarität, welche in den vergangenen Wochen und Monaten durchaus zu spüren war, es lässt sich nicht leugnen: Der Mensch schaut gerne erst für sich. Das Egoistische gewinnt immer wieder an Boden, gerade dann, wenn es um die bedrohe Existenz geht. Darum scheint es mir richtig, wenn wir als Kirche gemäss Hinrich die Rolle der Unentschlossenen eingenommen haben. Schliesslich geht es um den Menschen!

Stölzle /  Brányik
Über den Autor
Andy Givel

Andy Givel ist Pfarradministrator in Gossau

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