logo

«Alpenbitter»-CEO Pascal Loepfe-Brügger

«Es ist leider unmöglich, alle Drinks zu probieren»

Seit Oktober 2020 darf sich dieser Mann mit dem «Starken Peter» oder dem «Alpenzauber» auseinandersetzen. Im Gespräch mit Pascal Loepfe-Brügger, CEO der Appenzeller Alpenbitter AG mit Sitz in Appenzell.

Marcel Baumgartner am 04. März 2021

Pascal Loepfe-Brügger, wem geben Sie persönlich den Vorzug, der «Wilden Heidi» oder dem «Starken Peter»?

Ich mag beide Drinks mit Appenzeller Alpenbitter. Auf www.appenzeller.com gibt es noch viele weitere Rezepte, zum Beispiel für den «Säntis-Stürmer» und den «Alpenzauber». Unser hochwertiges Produkt schmeckt mir pur – on the rocks – am besten.

Sie sind seit dem 1. Oktober 2020 Geschäftsführer der Appenzeller Alpenbitter AG. Haben Sie inzwischen sämtliche Drinks, die sich mit ihrem Hauptprodukt mixen lassen, probiert?

Vor dem 1. Oktober 2020 war ich acht Jahre im Verwaltungsrat unseres Familienunternehmens. Ich hatte also eine gewisse Vorlaufzeit. Die Schweizer Barszene verfolge ich seit Langem aufmerksam. Der Appenzeller Alpenbitter ist vielseitig einsetzbar und Barprofis im In- und Ausland kreieren immer wieder neue coole Cocktails. Es ist darum (leider) unmöglich, alle Drinks zu probieren.

Der Appenzeller Alpenbitter wird auch heute noch nach dem 1902 entwickelten Rezept hergestellt. Damit hat man eine gute Basis. Wie wichtig ist es aber, darüber hinaus ein möglichst vielfältiges Produktesortiment zu haben?

Wir pflegen den Appenzeller Alpenbitter, unser wichtigstes Produkt, mit grösster Sorgfalt und leben das Handwerk und die Tradition. Dies gilt auch für neue Kreationen wie zum Beispiel den GIN 27. Unsere Kundinnen und Kunden, sei es in der Gastronomie oder im privaten Bereich, haben hohe Ansprüche an ein hochwertiges und breites Sortiment. Diesen Ansprüchen wollen wir gerecht werden. Qualität hat bei allem, was wir machen, oberste Priorität.

Der GIN 27 wurde schon mehrfach ausgezeichnet. Wie wichtig sind solche Awards, um gerade auch ein eher jüngeres Publikum für die Produkte aus ihrem Hause zu begeistern?

Nicht nur der GIN 27 wurde mehrfach ausgezeichnet. Erst letzte Woche wurde bekannt, dass der bald 120-jährige Appenzeller Alpenbitter am ISW-Tasting 2021, einem renommierten und international anerkannten Spirituosen-Wettbewerb, mit Gold ausgezeichnet wurde. Solche Auszeichnungen sind eine schöne Anerkennung für erstklassige Qualität und solides Handwerk. Sie motivieren zu weiteren Höchstleistungen – ähnlich wie der Applaus für Musiker und Schauspieler.

Alpenbitter

Sind sogenannten «Szene-Lokale» ein wichtiger Bestandteil des gesamten Absatz-Netzes?

Die Szene-Lokale sind für uns sehr wichtig. Abgesehen davon, dass wir in diesen Gastronomiebetrieben seit Jahren erfolgreich unterwegs sind, treffen wir hier auf viele kreative Köpfe. Der direkte Austausch – im Alltag, aber auch bei Wettbewerben und Workshops für Barkeeper – ist uns wichtig und für beide Seiten inspirierend.

Sie waren früher auch bei anderen Getränkeherstellern tätig. Ist der Ansatz der Vermarktung vergleichbar oder müssen bei der Appenzeller Alpenbitter AG andere Aspekte miteinbezogen werden?

Ich konnte bei meinen ehemaligen Arbeitgebern, der Brauerei Locher AG, der Red Bull (Schweiz) AG und bei Coop viel über Verkauf und Marketing lernen. Dafür bin ich sehr dankbar. Vieles ist vergleichbar, es gibt aber einen wesentlichen Unterschied: Bei der Werbung für Spirituosen müssen wir uns strikt an die strengen Vorschriften halten. Bis ca. 1935 durften wir auf der Etikette den Zusatz «ärztlich empfohlen» aufführen – das ist heute absolut undenkbar.

Man hat das Gefühl, dass in der Getränkebranche von allen möglichen Produzenten laufend neue Produkte auf den Markt gebracht werden, um möglichst jede Zielgruppe zu erreichen. Wie schwer ist das Abwägen zwischen «gerade richtig» und «zu viel»?

Die Anzahl der neuen Produkte ist für uns nicht entscheidend. Das einzig Wichtige ist, dass wir von einem Produkt oder einer Produktidee überzeugt sind.

Wie muss man sich grundsätzlich die Entwicklung eines neuen Produktes vorstellen? Trifft man sich am runden Tisch, im «Labor» oder in der Marketingabteilung?

Ein Labor haben wir nicht und die Marketingabteilung besteht aus einer Arbeitskollegin und mir. Wir haben aber – und darauf bin ich sehr stolz – viele motivierte und sehr kreative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Alle denken mit. Ideen für neue Produkte entstehen bei uns auf vielfältige Art und Weise. Inputs kommen zum Beispiel von unseren Kollegen in der Produktion, von Seiten Verkauf und Verkaufsinnendienst und von unseren Kundinnen und Kunden. Vorletzte Woche hat mich unser Finanzchef auf eine Idee gebracht, und zwar ... Nein, auch das bleibt ein Geheimnis.

Alpenbitter

Die Geschäftsleitung der Appenzeller Alpenbitter AG (von links): Urs Räss, Leiter Verkaufsinnendienst; Emanuel Steiner, Leiter Finanzen und HR; Pascal Loepfe-Brügger, Geschäftsführer; Christian Roth, Betriebsleiter. (Nicht auf dem Bild: Roberto Kurath, Leiter Verkauf.)

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Marcel Baumgartner

Marcel Baumgartner (*1979) ist Co-Chefredaktor von «Die Ostschweiz» sowie Verlagsleiter der Ostschweizer Medien AG. Das Medienunternehmen hat seinen Sitz in St.Gallen.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.