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Flugzeugabsturz Bodensee

Flugunfall: Dunkle Geschäfte und wilde Gerüchte

Vor 24 Jahren stürzte ein Charterflugzeug in den Bodensee. Die Thrillerstory ist bis heute mysteriös.

Adrian Zeller am 06. August 2018

Montag, 24.Januar 1994: eine um 18 Uhr in Prag gestartete Chartermaschine vom Typ Cessna 425 setzt in der Dunkelheit zur Landung St. Gallen-Altenrhein an. Während des Sinkflugs verschwindet sie plötzlich vom Radar. Umgehend setzt eine Rettungsaktion ein. Wegen den starken Januarstürmen gestaltet sie sich schwierig. Zudem ist der Bodensee ist an der Absturzstelle 159 Meter tief. Die Überlebenschancen der Opfer werden im kalten Wasser als minim eingeschätzt.

Am 8. Februar stösst ein Forschungs-U-Boot bis zum Wrack vor. Die Maschine war mit fünf Personen und einem Hund besetzt. Die sterblichen Überreste des Piloten sowie einer Frau und des Hundes werden nie gefunden. Später werden die Ermittler herausfinden, dass die Landeklappen nicht ausgefahren waren. Damit steht für die Behörden menschliches Versagen als Absturzursache im Vordergrund. Am Steuerknüppel sass ein erfahrener Berufspilot.

Verschiedene Delikte am Hals

Kurz nach dem Absturz wird klar, dass die verunglückten Passagiere keine gewöhnlichen Geschäftsleute, sondern schillernde Figuren waren. Die beiden Frauen sollen tschechische Bardamen sein: Iveta Ranetova (30) und Alena Petrusova (38). Der Hund soll einem der Passagiere gehören. Gegen seinen Halter, den damals 54-jährigen Deutschen Josef Rimmele, besteht Haftbefehl wegen Steuerdelikten und wegen Baubetrugs. Auch eine Ermittlung wegen illegaler Einfuhr von Computertechnik läuft. Seine Fluglizenz als Hobbypilot haben die Behörden eingezogen.

Wilde Mutmassungen

Dies sind vergleichsweise Peanuts gegen die weiteren Verdchtsmomente: Rimmele und sein Geschäftspartner Klaus Eichler, 53, sollen im internationalen Waffen- und eventuell Nuklearhandel tätig sein. Die Spekulationen über die wahren Hintergründe des Flugzeugabsturzes überschlagen sich. Rund 100 Medienleute heften sich an die Story um die vermuteten dunklen Geschäfte mit der Konkursmasse des kalten Krieges. Von einem Racheakt der Waffenschieber-Mafia im Osten ist etwa die Rede. Im Weiteren heisst es, der Unfall sollte ein fehlgeschlagenes Täuschungsmanöver für die Behörden sein, die Riemele auf den Fersen waren. Und weiter: An Bord des Kleinflugzeuges sollen sich angeblich 70 Kilogramm geschmuggeltes Cäsium 137 befunden haben. Nun werde der Trinkwasserspeicher Bodensee verstrahlt. Wie sich bald herausstellt, ist am Atomschmuggel-Verdacht nichts dran. Zum Transport hätte das Material mit einem vier Tonnen schweren Bleimantel gesichert werden müssen, andernfalls hätten die im Nu verstrahlten Passgiere den Flug kaum überlebt. Mit vier Tonnen Facht wäre die Cessna nie in die Luft gekommen.

Eigenartiges Netzwerk

Bei den Nachforschungen über Riemele werden Verbindungen zu einem Ex-Hauptmann der tschechischen Geheimpolizei bekannt. Im Weitern sind ein Botschaftsrat der ehemaligen DDR in Peking sowie ostdeutsche Firmen in seine Geschäfte verwickelt.

Als Eichler seinerseits im Jahr vor dem Absturz von Geschäftspartnern wegen eines Finanzstreits in Riga festgehalten wird, sind es Personenschützer der Ex-DDR, die ihn befreien. Den Auftrag dazu gab Riemele. Diese Aktion bleibt den westlichen Behörden nicht verborgen, sie beginnen die internationalen Aktivitäten von Riemele und Eichler genauer zu beobachten. Es besteht der Verdacht, dass es bei ihren Geschäften auch um Gelwäscherei im grossen Stil geht.

Auch ein Oberstleutnant der Kripo der Ex-DDR steht mit den beiden in Verbindung, er wird später wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in Haft genommen. Und ein mittlerweile verstorbener Armee-Offizier und Informant des Schweizer Nachrichtendienstes, der selber im illegalen Waffenhandel aktiv ist, und deshalb mit den Strafverfolgungsbehörden Probleme hat, geschäftet mit dem verunglückten Duo.

Geschäftspartner in Liechtenstein

Riemele und Eichler unterhalten Verbindungen zu wenig transparenten Kleinfirmen in Lettland, in der Schweiz sowie in Liechtenstein. Besonders pikant: Nach dem Zwischenstopp in Altenrhein, soll die Maschine nach Paris und anschliessend in die chinesische Hauptstadt fliegen. Im Osten der Schweiz wollen sein einen dubiosen Geschäftspartner aus dem Fürstentum treffen. In Paris ist das Ziel ein Speziallabor für gefährliche Substanzen.

Manipulierte Scheinsubstanz

In Peking wollen sie mit einem Armeegeneral einen Deal mit zwei sehr seltenen und umstrittenen Chemikalien abwickeln, Umfang des Geschäfts: knapp eine halbe Milliarde US-Dollar. Das ganze könnte auch ein Riesen-Bluff sein; Fachleute bezweifeln, ob es rotes Quecksilber, einer der beiden Stoffe, überhaupt gibt. Öfters sind entsprechende mehr oder minder geschickt gemachte Fake-Substanzen aufgetaucht, die die Kassen zum Klingen bringen sollen.

Was der Zweck dieses angeblichen Riesengeschäfts in China sein sollte, ist bis heute unklar. Und wie sie einen Deal über eine halbe Milliarde Dollar finanzierten wollten, bleibt ihr Geheimnis. Ihr Leumund scheint nicht der beste gewesen zu sein, die Cessna hob ursprünglich in Prag erst ab, als sie 30 000 Dollar Vorauskassa bezahlten.

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Autor/in
Adrian Zeller

Adrian Zeller (*1958) hat die St.Galler Schule für Journalismus absolviert. Er ist seit 1975 nebenberuflich, seit 1995 hauptberuflich journalistisch tätig. Zeller arbeitet für diverse Zeitschriften, Tageszeitungen und Internetportale. Er lebt in Wil.

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