logo

Annika Mia Junghans

«Für mein Werkstück war es wichtig, mit Farbnuancen zu spielen»

Fünf junge Floristinnen vom renommierten Amriswiler Blumengeschäft Ginkgo nehmen an der deutschen Landesgartenschau Überlingen mit bereits über 500‘000 Besuchern, welche noch bis 17. Oktober dauert, teil. Im Gespräch mit Floristin Annika Mia Junghans aus Amriswil.

Urs Oskar Keller am 17. September 2021
Annika Mia Junghans Annika Mia Junghans Annika Mia Junghans Annika Mia Junghans Annika Mia Junghans Annika Mia Junghans Annika Mia Junghans

Wunderbar zum nahen Bodensee passt das Thema «SEEmomente» zur vom Publikum begeistert aufgenommenen Landesgartenschau in Überlingen. Weit über eine halbe Million Besucherinnen und Besucher strömten bereits herbei und bewunderten die wunderschönen floralen Installationen des Thurgauer Floristinnen-Quintetts. Leiterin des kreativen Frauenteams ist die erst 21-jährige Floristin Annika Mia Junghans aus Amriswil. «Mir macht das Coaching unserer Gruppe unheimlich viel Spass und ich liebe solche Chancen. Für uns alle ist die Teilnahme an der Landesgartenschau in Überlingen am Bodensee eine wertvolle Erfahrung», sagt Junghans, Silbermedaillengewinnerin an den SwissSkills Championships 2018 in Bern.

Was stellen Sie und Ihre vier Kolleginnen in Überlingen aus?

Annika Mia Junghans: Wir haben alle ein eigenes Werkstück gestaltet. Unsere Inszenierungen beziehen sich auf die das Thema «SEEmomente», welches die Landesgartenschau Überlingen in der Ausschreibung vorgab.

Wo genau findet die Ausstellung statt?

In der ehemaligen Klosterkirche in Überlingen. Für die Installationen standen uns drei verschiedene Sockelgrössen von bis zu 60 mal 150 mal 80 Zentimeter zur Verfügung.

Aus welchen Materialien und Blumen wurden die Werkstücke hergestellt?

Unsere Werkstücke sind sehr unterschiedlich aufgebaut. Es gibt solche in Erde mit Pflanzen, andere mit Schnittblumen. Meines besteht dagegen ausschliesslich aus geschnittenen und verarbeiteten Blumen, präsentiert in verschiedenen Vasen. Die offene Aufgabenstellung ermöglichte eine sehr breite Spannweite und setzte dem kreativen Schaffen kaum Grenzen.

Wie lange dauerte die Vorbereitungszeit?

In mein Ausstellungsstück investierte ich gegen 25 Stunden von meiner Freizeit. Die Gefässe habe ich selber erarbeitet und hergestellt. Die Vasen füllte ich erst in Überlingen mit Blumen. Der Arbeitsaufwand ist natürlich individuell. Bei aufwendigen Gestaltungen kann er sehr gross sein.

Erhalten die Teilnehmenden eine Entschädigung?

Ja, wir erhalten eine bescheidene Entschädigung für Pflanzen, Blumen und technische Hilfsmittel – je nach Grösse des Podests. Bei so einem Projekt geht es nicht ums Geld sondern darum, Spass zu haben und die Chance zu nutzten dem Publikum nicht alltägliche Blumeninstallationen zu zeigen.

Wie viele Blumen und Pflanzen schmücken Ihre Installation?

In meinem Ausstellungsobjekt habe ich 15 verschiedene Blumensorten und etwa 100 Blüten verarbeitet. Beispielsweise Rittersporn, Vanda-Orchideen, Wicken, Gräser, Eustoma (Prärie-Enziane) und Passionsranken. Für mich stand die Vielfalt im Vordergrund und ich wollte mit Farbnuancen spielen.

Wer pflegt die Blumen während der zweiwöchigen Präsentation in Überlingen?

Für die Pflege und das Wässern ist ein Team zuständig.

Haben Sie Kontakt zu den anderen teilnehmenden Schweizer Kolleginnen aus Winterthur, Bassersdorf und Langnau im Emmental?

Die Schweizer Floristenwelt ist sehr klein. Daher kennen wir die Floristinnen und Floristen aus diesen Orten. Unsere Ausstellungsstücke haben wir aber unabhängig voneinander geschaffen.

Nehmen Sie und Ihr Team auch noch an anderen Ausstellungen und Wettkämpfen teil?

Ginkgo-Blumenladen-Besitzerin und -Chefin Monika Laib gibt uns immer wieder Möglichkeiten, unser Handwerk nebst dem Geschäftsalltag auszuüben und unterstützt uns bei der Teilnahme an Veranstaltungen sehr. So nehmen unsere Lernenden regelmässig am jährlichen Lehrlingswettbewerb in Zürich teil. Persönlich finde ich es super, an Wettbewerben oder solch aussergewöhnlichen Blumenprojekten mitzumachen. Es ist eine tolle Erfahrung und man kann viel lernen. Die Motivation ist dementsprechend auch immer gross.

Was reizt Sie daran?

Es ist ein ganz anderes Arbeiten als im Geschäft. Wir geniessen an so einem Ort viel mehr Freiheiten und können uns sehr intensiv und ganz persönlich mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzen. Mir persönlich macht das unheimlich viel Spass und ich liebe solche Chancen. Für Lernende ist es auch eine wertvolle Erfahrung. Sie können – von einer Fachperson begleitet – eigene Ideen planen und umsetzen, ihre Kreativität und Fantasien ausleben und sind dabei meist noch viel unbefangener als im Arbeitsalltag.

Wie gefällt Ihnen Überlingen? Konnten Sie sich im Städtchen mit dem mediterranen Flair ein bisschen umschauen und sich inspirieren lassen?

Uns Floristinnen gefällt natürlich hauptsächlich die Blumenschau. Ansonsten hatten wir noch nicht genug Zeit, um uns der Stadt oder den anderen Teilnehmenden zu widmen. Die schwimmenden Pflanzeninseln habe ich mir aber schon angeschaut. Ich finde das eine sehr coole Idee und super umgesetzt.

WERBUNG
Hoher Kasten - Kollerteam - 181021

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Urs Oskar Keller

Urs Oskar Keller (*1955) ist Journalist und Fotoreporter. Er lebt in Landschlacht.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.