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Teufen

Gewinner mit Zurückhaltung

Teufen ist, glaubt man dem «Weltwoche»-Ranking, die attraktivste Gemeinde der Ostschweiz. Gemeindepräsident Reto Altherr freut sich verständlicherweise über die Platzierung, will sie aber nicht überbewerten.

Marcel Baumgartner am 01. Juli 2020

Reto Altherr, stützt man sich auf das «Weltwoche»-Rating, so ist ihre Gemeinde mit der Gesamtplatzierung auf Rang 55 die attraktivste in der gesamten Ostschweiz. Erfüllt es einem mit Stolz?

Als Gemeindepräsident ist es natürlich schön, wenn die «eigene» Gemeinde im Rating obenauf schwingt. Dennoch sollte man die Rangliste der «Weltwoche» mit Vorsicht geniessen. Die Gewichtung der einzelnen Faktoren ist für mich teilweise nur schwer nachzuvollziehen. Wir freuen uns sicher über dieses Resultat, zeigt es doch, dass die von uns verfolgte Entwicklung in die richtige Richtung zielt, können es aber auch im entsprechenden Kontext einordnen.

Ganz allgemein: Wofür beneiden andere Gemeinden «ihr» Teufen?

Der Begriff «Neid» trifft in meinen Augen nicht zu. Ich denke, dass Teufen als Ganzes äusserst attraktiv ist. Da gibt es Faktoren wie die Nähe zur Stadt St.Gallen oder die sonnige Lage, die wir nicht beeinflussen können. Anders verhält es sich mit der Lebensqualität. Unser Dorf verfügt über eine ausgezeichnete Infrastruktur, gute Schulen uns einen gesunden Finanzhaushalt.

Am schlechtesten schnitt ihre Gemeinde beim Rating in den Bereichen Erreichbarkeit und Steuern ab. Den ersten Punkt können Sie nicht beeinflussen. Wie sieht es mit dem zweiten aus?

Natürlich hat Teufen eine räumliche Distanz zu den grossen Wirtschaftszentren im Dreieck Zürich- Basel – Bern. Andererseits verfügen wir zum Beispiel nach St.Gallen in den Hauptverkehrszeiten einen attraktiven Viertelstunden-Takt. Der Steuerfuss von Teufen ist im regionalen Vergleich sehr attraktiv. Wir konnten diesen in der Vergangenheit kontinuierlich senken und überprüfen ihn jährlich im Rahmen der Voranschlagsdebatte. Es ist uns ein grosses Anliegen, mit den vorhandenen finanziellen Mitteln sorgsam umzugehen. Zudem legen wir unsere Finanzplanung langfristig aus.

Inwiefern kann bzw. muss eine Gemeinde innovativ sein, um an Standortattraktivität zu gewinnen?

Innovation fördert die Attraktivität – das gilt nicht nur für das Gemeinderanking. Die Gemeinde Teufen hat beispielsweise früh damit angefangen, bei öffentlichen Neubauten konsequent auf erneuerbare Energiequellen zu setzen und erstellt ein Glasfasernetz im gesamten Gemeindegebiet, das heisst auch ausserhalb der Bauzonen. Ich denke, dass wir uns mit Innovation fit und damit attraktiv halten.

Das Amt, das Wirkungsgebiet und auch die Einflussnahme des Gemeindepräsidenten haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Wie gross ist Ihr Spielraum heute noch, die Entwicklung einer Gemeinde nach Ihren Vorstellungen zu steuern?

Die Führung einer Gemeinde ist Teamwork, ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Kräfte. Umso wichtiger ist es, die unterschiedlichen Meinungen und Interessen zu einer guten Lösung zu bündeln, hierin liegt mein Spielraum. Die Konsensbereitschaft hat im Vergleich zu früher sicher merklich an Bedeutung gewonnen – Alleingänge können in der heutigen Zeit nur schwer legitimiert werden.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Marcel Baumgartner

Marcel Baumgartner (*1979) ist Co-Chefredaktor von «Die Ostschweiz» sowie Verlagsleiter der Ostschweizer Medien AG. Das Medienunternehmen hat seinen Sitz in St.Gallen.

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