logo

Zum fünften Mal

Greta ist der Stargast an der diesjährigen Narregmend

«Wir machen vor nichts Halt»: Das sagen die Veranstalter der diesjährigen Ausserrhoder Narregmend, die in Herisau stattfindet. Was steckt hinter dem wieder eingeführten Brauch - und was erwartet das Volk nächsten Sonntag.

Die Ostschweiz am 24. April 2019

Am Sonntag, 28. April findet die Innerrhoder Landsgemeinde statt. 20 Minuten entfernt wird ebenfalls eine «Landsgemeinde» durchgeführt: Die «Narregmend». Und das bereits zum fünften Mal.

Es ist nicht ganz einfach, den Anlass zu beschreiben. Auch wenn die Narren am Ruder sind, ist es alles andere als eine reine Fasnacht. Und es geht durchaus politisch zu und her. Denn immerhin sind es «Räte», die Worte an die Schaulustigen richten. Eine «Volksbelustigung» soll es sein, heisst es aus den Reihen des Narrenrats. Und aufs Korn genommen werden die Geschehnisse in Ausserrhoden.

Das Ganze hat einen historischen Hintergrund. Die «Narregmend» ist eine Neuauflage einer alten Tradition. Ab 1687 war sie offiziell verboten und wurde im Geheimen weitergeführt. Aber mit dem Aufkommen der Medien gab es andere Kanäle, die Mächtigen zu kritisieren, und der Brauch schlief ein.

Und hier einige Impressionen aus dem Jahr 2017:

WERBUNG
Ostschweiz unterstützen

Die Veranstalter beschreiben ihren Anlass 2019 hier gleich selbst:

Narregmend, Fluch oder Segen?

Wie heisst es so schön: Nach der Narregmend ist vor der Narregmend. So wurde wie schon in den Vorjahren nach der abgehaltenen Versammlung im April 2018 in Schwellbrunn Durchführungsorte evaluiert und in einem aufwändigen und zeitraubenden Verfahren eine Auswahl getroffen. Das Bewerbungsdossier, eingereicht durch den Saumweiher-Bademeister Franz Bischofberger, überzeugte den Narrenrat aufgrund der schönen Ausgestaltung samt Word-Art, Masking Tape und Bastschnurr-Schläufli. Ausschlaggebend waren aber hauptsächlich die Nachbarschaft des Architekten Eisenhut mit seiner ausladenden Sammlung an beschlagenen Hosenträgern, wovon eines oder mehrere Exemplare an der Gant für gutes Geld zum Verkauf angeboten werden können. Ebenso spielte eine Rolle, dass es im Gebiet rund um den Weiher kaum Parkplätze gibt und die Besucherinnen und Besucher per Pedes anreisen sollen, ganz im Sinne der Gründerväter aber auch der schwedischen Greta.

Dass eine Narrengemeinde auch ein Schwingungsvorspiel hat, ist nun wieder am Beispiel von Herisau deutlich ersichtlich. So wurde im Vorjahr Schwellbrunn ausgewählt, bevor es zum schönsten Dorf der Schweiz erkoren wurde. Und auch die politischen Turbulenzen der letzten Zeit in Herisau konnte von den meisten Aussenstehenden nicht erwartet werden. Lediglich der Narrenrat hat dies nebst dem Herisauer Filz-Establishment gespürt beiziehungsweise wohl durch den Durchführungsentscheid die politischen Schwingungsgong in Bewegung gebracht. Was dies nun für den Festort 2020, welcher dieses Jahr erstmalig in Anleitung des profanen Kartenspieljuror und diesjährigen Gastredners Dani Müller ausgejasst wird, bedeutet, steht noch in den Sternen.

Alles heisse Luft?

Doch was geschieht nun am kommendem Landsgemeindesonntag ab 15 Uhr, just 30 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts, rund um den Saumweiher? Die Abstimmungen werden sich wohl nicht minder geschichtsträchtig und eng gestalten. Und auch die Reden der Narrenräte sind launig gestaltet, wie zu jener Zeit, als Regierungsräten noch öffentlich zugehört wurde. Den politischen Swimmingpool beiziehungsweise Weiher der Ungehörtheit und Stille beschwimmen das Ensemble um den Appenzeller Volksschauspieler Philipp Langenegger alias Hoptmaa Chläppere Sepp, dem Cherchepfleger Güggel Ruedi, Sportmagischter Holme-Jock, Rotsseckelmeischter Rössli-Stompe-Joggeli sowie dem Meldeläufer Max Molitor mit viel Lust.

Weitere Highlights:

  • Greta aus Schweden hält ein Referat über den Ausstoss von heisser Luft ohne Filter von öffentlich tätigen Persönlichkeiten und deren Einfluss auf die Klimaveränderung.

  • Der bereits erwähnte Dani Müller spitzt seine Kreide und quietscht damit auf der Jasstafel und präsentiert seine Trümpfe. - Die drei Weisen aus dem Vorderland präsentieren ihres in Vergessenheit geratenes Ödland und sind im Rahmen der narregmendlichen Entwicklungshilfe auch Gastkanton.

  • Stixi und Sonja sowie die ElefantenSounders sorgen für einen regenbogenfarbenen Klangteppich. - Weltrekord für das schnellste ungedopte Säulirennen mit der HeriSau mit den Spezialauszeichnung «schönste Schwarte», «schönster Rüssel» und «schönstes Schwänzli».

  • Erste Verleihung des vor Ort durch den Gewerbeverein geschmiedeten Annerkennungspreises an eine schillernde Persönlichkeit. - Europarekordversuch für die Grösste Trachten-Hosenträger-Gant der Neuzeit. - Die Gastgeber an der Saumweiher-Goldküste sorgen für das leibliche Wohl und die sanitären Einrichtungen.

Die offenen Fragen:

  • Kommt Renzo Andreani oder sein Nachfolger, dessen Namen in der Zeit der Sensationsgeilheit bereits wieder vergessen wurde?

  • Kommen Regierungsräte und weitere Ungehörte, um ihr Gesicht zu zeigen?

  • Kommt die Botin aus dem inneren Lande rechtzeitig mit Aktualitäten der gleichzeitig abgehaltenen Nostalgieveranstaltung?

  • Gelingt es wieder, dass die gewohnten 80 Leute inklusive Politiker kommen oder wird die Narregmend erneut überlaufen wie im letzten Jahr in Schwellbrunn mit handgezählten 500 Personen?

  • Kommen auch Frauen, trotz Gemüseschnetzlete und Gedenkanlass zum Frauenstimmrecht im Herisauer Zeughaus?

Der Narrenrat freut sich auf eine gelungene Versammlung voller Überraschungen, Highlights, Jubelstürmen und vereinzelten Buh-Rufen.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

«Die Ostschweiz» ist die grösste unabhängige Meinungsplattform der Kantone SG, TG, AR und AI mit monatlich über einer halben Million Leserinnen und Lesern. Die Publikation ging im April 2018 online und ist im Besitz der Ostschweizer Medien AG.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.