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Autobau Romanshorn

«Grüner als die Grünen»

Fredy Alexander Lienhard und schnelle Autos – das gehört zusammen. Der Leiter von Autobau in Romanshorn hat die Leidenschaft für den Motosport von seinem Vater in die Wiege gelegt bekommen. Er bekommt den Wandel der Automobilbranche täglich zu spüren. Wie aber sieht dieser aus?

Manuela Bruhin am 27. Mai 2020

Fredy Alexander Lienhard, Sie haben vor rund zweieinhalb Jahren die Autobau-Leitung von Ihrem Vater übernommen. Wie ist es Ihnen seither ergangen?

Auch wenn ich unternehmerische Erfolge verzeichnen konnte: Es war keine einfache Zeit. Und damit meine ich jetzt gar nicht mal die neue berufliche Herausforderung im Familienunternehmen. Vielmehr, weil ich nach über zwölf Jahren im Ausland wieder in meine Heimat, die Schweiz, zurückgezogen bin. Diese Tatsache, und dass ich in der Funktion als Geschäftsführer einer Eventlocation eine vollkommen neue Tätigkeit habe, haben mich sehr gefordert. Ich bin ein Mensch, der sich zu 100 Prozent dem Job widmet, das Privatleben kommt dann oft zu kurz. Anders ausgedrückt: Ich bin noch nicht wirklich angekommen, mein Herz ist hier noch nicht zu Hause. Das braucht einfach Zeit.

Sie leiteten eine Fahrschule am Nürburgring, fuhren Rennen – haben Sie die Leidenschaft für Fahrzeuge von Ihrem Vater in die Wiege gelegt bekommen?

Ja, auf jeden Fall. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie mein Vater mich auf die Kartbahn mitgenommen hat und ich das erste Mal selber fahren durfte. Da ich ja auch schon viele seiner Rennen besucht habe, war ich sofort infiziert. Damals war ich zwölf Jahre alt, bis dahin war ich ein Angsthase und habe mich vor jeglicher Art von Adrenalingewinnung distanziert. Ich habe mich fast um 180 Grad gedreht.

Warum hat es Ihnen sogleich «den Ärmel reingezogen»?

Über die Faszination des Motorsportes könnte ich ein Buch schreiben. Um es aber möglichst kurz zu fassen, es machen verschiedene Faktoren aus. Einerseits ist es der Wettbewerb, sich mit anderen zu messen – das ist ein menschliches Bedürfnis. Bei der Technik werden die Grenzen gesucht und gefunden. Oftmals finden die Erkenntnisse Einzug in unsere privaten PKWs. Die Geschwindigkeit ist eine Art Rausch, der sehr schwer zu erklären ist und fast unmöglich zu vermitteln – man muss es selber erleben. Entweder man liebt es, oder man hasst es. Am Nürburgring habe ich vollkommenen Laien die Möglichkeit geboten, das auszuprobieren. Teamwork wird – im Gegensatz zu anderen Sportarten – im Rennsport gross geschrieben. Kein Rennen kann man alleine gewinnen. Es zu erleben, wie ein perfekt abgestimmtes Team und deren Leistungen in der Garage und Boxengasse zu einem guten Resultat führen, ist unbezahlbar.

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Autobau

Und dann ist da auch noch der Drang nach Erfolg…

Natürlich. Wer hat nicht den Drang, erfolgreich zu sein? Auch das ist eine menschliche Eigenschaft. Im Rennsport kann man, wenn alles stimmt, solche Erfolgserlebnisse feiern. Es kann aber auch sehr viel Frust geben – auch das habe ich erlebt.

Sie stehen als Geschäftsmann nun mitten im (rollenden) Leben. Wie hat sich die Automobilbranche seither verändert?

Seitdem ich selbständig bin, bin ich in dieser Branche tätig. Das nun seit 2002. Und logischerweise hat sich sehr viel verändert. Aus technischer Sicht haben wir seither drei neue Modellgenerationen von diversen Herstellern erlebt. Das Auto ist zu einem fahrenden Computer geworden. Ich finde viele der neuen, aktuellen Modelle zu synthetisch. Mit Assistenzsystemen werden menschliche Fehler reduziert oder korrigiert, aber leider auch oft missbraucht oder falsch eingesetzt. Autonomes Fahren ist inzwischen möglich – aus technischer Sicht. Das aktive Fahren geht somit auf lange Sicht verloren, den Autofahrenden wird sukzessive die Verantwortung entzogen. Ich geniesse es deshalb sehr, ab und zu einen Young- oder Oldtimer zu bewegen. Man ist auch viel aufmerksamer hinter dem Lenkrad.

Sie wollen die Kultur des Rennsports aufrechterhalten und ebenso für die Zukunft von Autobau sorgen. In der heutigen Zeit, in der so vieles nach Nachhaltigkeit, öffentlichen Verkehrsmittel und CO2-Verzicht schreit: Wie schwierig gestaltet sich dies?

Nicht sehr schwierig. Ich wurde erst gerade kürzlich bei einem Interview zu diesem Thema befragt. Interessanterweise aber zum ersten Mal auch in Kombination mit der CO2-Diskussion. Wir, also die Familie Lienhard und die autobau erlebniswelt, zeigen und nutzen jedoch schon seit Jahren neue Technologien wie Elektroautos, Wasserstoff, sogar ein Solarauto haben wir seit 2009 in unserer Ausstellung. Wir unterstützen die Forschung neuer Technologien, wir hatten auch den ersten in der Schweiz ausgelieferten Tesla und den zweiten Toyota Mirai. Wir haben Solarzellen auf dem Dach, um unsere Elektroautos und diejenigen unserer Besucher aufzuladen. Das Gebäude besitzt einen sehr hohen Energie-Standard, auch beim Neubau haben wir darauf geachtet. Die Exponate in unserer Ausstellung werden kombiniert weniger bewegt, als ein einzelner PKW im privaten Gebrauch. Vielleicht gestatten es diese Tatsachen, dass wir mit dem Thema noch nicht negativ konfrontiert wurden. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass die Mobilität der Zukunft sich wandelt. Das muss sie auch, keine Frage. Vielleicht ist es gerade deshalb sehr wichtig, das Auto mit dem Verbrennungsmotor als Kulturgut zu behandeln und dafür zu sorgen, dass diese weiterhin auf unseren Strassen anzutreffen sind.

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Beim Rennsport sind die Voraussetzungen entsprechend anders.

Hier geht es eher um eine Toleranzfrage. Denn umwelttechnisch fällt das überhaupt nicht ins Gewicht und unterscheidet sich nicht von einem Fussballspiel. Ganz in Gegenteil: Oftmals werden im Rennsport neue Technologien erforscht, welche auch unserer Umwelt zugutekommen können. Oftmals sind «Motorsportler» grüner als die Grünen.

An wen richtet sich Autobau in erster Linie?

Autofans, Rennsportfans, Ästhetikerinnen, Architekturfans, Kunstliebhaberinnen, Touristen und Unternehmen, die einen speziellen Event abhalten möchten. Bei uns kann man etwas Besonderes erleben, Aktivitäten rund um das Thema Automobil und Spass buchen. Unser typischer Kunde ist aber schon Auto-affin.

Sie haben es bereits angesprochen. Die Automobilbranche befindet sich im Wandel. Wie muss sie sich weiterentwickeln?

Viele Hersteller investieren aktuell bereits kaum mehr in die Weiterentwicklung ihrer Verbrennungsmotoren, sie richten sich aus für die Zukunft und die politischen Vorgaben. Ein noch grösseres Problem sehe ich jedoch in der Infrastruktur. Hier ist eher der Staat gefordert. Wer kennt es nicht: Fast permanent überfüllte Strassen und Züge zu Stosszeiten. Mobilität wird immer ein Bedürfnis der wachsenden Bevölkerung sein. Es gilt auch, die Infrastruktur für die Zukunft auszubauen oder einzurichten. Hier kann zum Beispiel das autonome Fahren Abhilfe schaffen. Doch die aktuelle Gesetzgebung und die Politik verhindern eine rasche Entwicklung dieser Technologie. Hinsichtlich der technologischen Entwicklung muss die Politik offener sein. Das Problem ist wie so oft, dass der politische Apparat viel zu träge für die rasanten technischen Entwicklungen ist.

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Wie sehen Sie also die nächsten zehn Jahre diesbezüglich?

In «nur» zehn Jahren kann und wird sich die Mobilität nicht wandeln. Es ist ein Prozess, der sehr zeitintensiv ist und Unmengen an Kosten verschlingt. Wichtig ist, dass dieser Prozess angefangen hat, man es durchdacht angeht und umsetzt. Momentan scheinen mir die politischen Vorgaben und Vorhaben eher planlos. In den kommenden zehn Jahren werden wir vor allem mit Einschränkungen im Individualverkehr und mit höheren Kosten rechnen müssen, mit fragwürdigem Einfluss auf die Umwelt. Man wird versuchen, der Bevölkerung das Autofahren weniger schmackhaft zu machen. Die technische Entwicklung wird grosse Schritte machen in diesen zehn Jahren. Es gibt bis dahin auch synthetischen Kraftstoff (Diesel Kerosin und Benzin), der zu 100 Prozent Co2-neutral ist und herkömmliche PKWs «befeuert». Und natürlich hoffentlich auch ein flächendeckendes Wasserstoff-Tankstellennetz. Klar ist jedenfalls: Mit den batteriebetriebenen Autos können nicht annähernd 100 Prozent der mobilen Bedürfnisse abgedeckt werden. Deshalb sind wir auf ergänzende Technologien angewiesen. Es kommt aber noch die Frage zur Gewinnung der elektrischen Energie dazu. Denn sämtliche neue Technologien benötigen Strom für die Herstellung, genau wie der Strom, der benötigt wird, die Batterien zu laden. Wir brauchen Strom, und zwar deutlich mehr als heute. Seitens Politik besteht trotz allen Forderungen nicht einmal ein Lösungsansatz. Bis wir diese Herausforderung gemeistert haben, werden zehn Jahre leider nicht reichen.

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Vom Vater zum Sohn

Kurator und VR-Mitglied der Autobau Erlebniswelt Fredy Alexander Lienhard ist wie sein Vater ein leidenschaftlicher Rennfahrer und Testfahrer. Das Unternehmen beinhaltet ein Automobilmuseum und eine Eventlocation am Bodensee – zu sehen sind unter anderem Fahrzeuge von Aston Martin, Bugatti, Ferrari, Lamborghini, Maserati, Mercedes und Porsche. Auch waschechte Rennautos aus verschiedenen Rennserien sind darunter. Vor zweieinhalb Jahren übernahm Fredy Alexander Lienhard das Zepter von seinem Vater.

Fredy Lienhard.

Fredy Lienhard.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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