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Gastbeitrag

Impfstoffe: Auf welcher Basis agiert die Schweiz?

Die Impfung als einziger Weg aus den Massnahmen: Das ist  seit langem die Botschaft des Bundesrats. Aber wie steht es mit der erwiesenen Wirksamkeit und wie um die möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs? Gedanken einer erfahrenen Pharmazeutin zum Thema.

Gastbeitrag «Die Ostschweiz» am 28. April 2021

* Die Autorin (Name und Anschrift der Redaktion bekannt) dieses Gastbeitrags möchte aufgrund des sensiblen Inhalts ihrer Thesen und der zu erwartenden Reaktionen nicht namentlich erwähnt werden, was wir respektieren. Sie ist Pharmazeutin mit über zehn Jahren Erfahrung in der Pharmaindustrie und lebt im Kanton Zürich.

In der Schweiz befinden sich aktuell zwei COVID-Impfstoffe auf dem Markt, die von Swissmedic befristet zugelassen worden sind. Swissmedic betont, dass die Beurteilung der wissenschaftlichen Daten trotz der hohen Dringlichkeit gemäss den üblichen Standards erfolgte: Die Arzneimittelsicherheit und die Sicherheit der Empfängerinnen und Empfänger haben höchste Priorität. Für Impfstoffe gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 oder Medikamente zur Behandlung von COVID-19 gelten grundsätzlich die gleichen Anforderungen wie bei allen Arzneimitteln, das heisst ein Arzneimittel muss für eine Zulassung basierend auf dem Heilmittelgesetz als qualitativ hochstehend, sicher und wirksam befunden werden.

Impfstoffe werden (in der Regel) vorbeugend bei gesunden Personen eingesetzt, deshalb sind die Anforderungen an Impfstoffe in Bezug auf Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität – auch entsprechend internationaler Standards – sehr hoch. Swissmedic wird Zulassungsgesuche für Arzneimittel, die zur Vorbeugung und Behandlung einer pandemischen Krankheit (z.B. Covid-19) dienen, prioritär behandeln und angemessen beschleunigen, damit wirksame und sichere Arzneimittel Patientinnen und Patienten schnellstmöglich zur Verfügung stehen. Im Rahmen der Prüfung dieser Zulassungsgesuche kann Swissmedic auf der Grundlage einer Nutzen-/ Risiko-Analyse Abweichungen von den geltenden heilmittelrechtlichen Vorgaben bewilligen. [1]

Es ist bekannt, dass die COVID-19-Impfstoffe nach einer lediglich kurzen Begutachtungszeit von Interimsdaten und nur mit sehr beschränkten Sicherheitsdaten über einen kurzen Beobachtungszeitraum von wenigen Monaten auf den Schweizer Markt gekommen sind. In den zur Begutachtung vorgelegten Studiendaten, auf denen die erteilte befristete Zulassung basiert, sind Studienteilnehmer im Median grade mal zwei Monate beobachtet worden. Die Datenlage zur Sicherheit ist somit eindeutig nicht vergleichbar mit einem Arzneimittel, das unter normalen Bedingungen zugelassen wird. Üblicherweise dauert es von der Entwicklung bis zur Vermarktung eines Impfstoffes im Durchschnitt zehn bis zwanzig Jahre. [2]

Wie sieht es denn mit der Wirksamkeit aus? Jedes Arzneimittel wird normalerweise basierend auf dem Erreichen des vor Studienstart definierten primären Wirksamkeitsendpunktes zugelassen.

Wirksamkeit der COVID-Impfstoffe?

Laut Studienprotokollen der beiden in der Schweiz verfügbaren COVID-19-Impfstoffe wird im primären Wirksamkeitsendpunkt die Effektivität des Impfstoffes betreffend Verhinderung einer (leichten) COVID-Erkrankung basierend auf ein bis zwei Symptomen (Fieber, Husten, Erkältung, Halsweh, Kopfweh, Gliederschmerzen, Geruchs-/ Geschmacksverlust, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) und einem positiven PCR-Test untersucht. [3,4] Basierend auf der Auswahlliste der Symptome ist davon auszugehen, dass hier mehrheitlich leichte Krankheitsverläufe erfasst werden, die ohne medizinische Intervention wieder abklingen. Die Frage ist, inwieweit uns Impfstoffe, die lediglich eine Wirksamkeit bei solchen leichten Infektionsverläufen zeigen, in einer Pandemiesituation weiterbringen sollen?

Sind solche Endpunkte medizinisch und für das Gesundheitswesen überhaupt relevant? Wäre es zur Schonung der Ressourcen in unserem Gesundheitssystem nach dem Motto «flatten the curve» und auch aus Sicht des Individuums nicht nötig, eine Zulassung nicht vielmehr an die Bedingung zu knüpfen, dass der Impfstoff auch «schwere» Infektionsverläufe, das heisst Verläufe, die einen Besuch auf dem Notfall respektive eine Hospitalisation erfordern und Todesfälle reduziert? Wie aus den Studienprotokollen hervorgeht, wird die Frage, ob der Impfstoff auch schwere COVID-Erkrankungen reduziert, lediglich in einem sekundären Wirksamkeitsendpunkt adressiert.

Wie steht es denn generell um die Wirksamkeit? In den Medien wird basierend auf der relativen Reduktion von leichten COVID-Erkrankungen in der Impf- versus Placebogruppe (8/17‘411 vs. 162/17511) voller Euphorie von einer sehr hohen Wirksamkeit von über 90% berichtet. [5] Eine fundierte Analyse der Daten zeigt aber eher ernüchternde Ergebnisse: Die absolute Risikoreduktion für leichte COVID-Erkrankungen liegt unter 1%. Ausserdem wurden bis anhin keine Daten zur Entblindungrate offengelegt, und es ist unklar, inwieweit Symptome in der Impfgruppe möglicherweise als Nebenwirkung interpretiert wurden und nur in der Placebogruppe zu einem PCR-Test führten. [6] Für schwere Krankheitsverläufe konnten die Impfstoffe bis anhin überhaupt keine relevante Wirksamkeit zeigen. In der Phase 3- Studie von Comirnaty® traten lediglich 3 schwere COVID- Verläufe in der Placebo- und 1 schwerer Verlauf in der Impfstoff-Gruppe auf. [5] In Anbetracht der Anzahl Studienteilnehmer von > 35‘000 ist es höchst unwissenschaftlich, auf solchen Fallzahlen basierend eine relevante Wirksamkeit zu proklamieren.

Das BAG tut indirekt aber genau das. Als übergeordnete Ziele nennt das BAG in der Impfstrategie die folgenden Punkte: 1. Verminderung der Krankheitslast insbesondere von schweren und tödlich verlaufenden Covid-19 Fällen 2. Sicherstellung der Gesundheitsversorgung 3. Reduktion der negativen gesundheitlichen, psychischen, sozialen wie wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19- Pandemie. [7] Die Impfstoffstudien haben bis heute keinerlei Daten geliefert, die diese Strategie wissenschaftlich in irgendeiner Art und Weise untermauern würden!

Sicherheit der COVID-Impfstoffe?

Die Impfstoffentwickler weisen in ihren Protokollen auf das mögliche Auftreten von potentiell schweren Nebenwirkungen wie zum Beispiel anaphylaktische Reaktionen, Vakzin-assoziierte Verschlimmerung einer COVID-19-Erkrankung und Lungenimmunpathologien, Guillain-Barré-Syndrom oder (auto)- immunvermittelte Reaktionen mit Organschädigungen hin. [3,4] Da einige dieser Nebenwirkungen sehr selten sein dürften und erst mit einer zeitlichen Verzögerung auftreten können, müssen genügend Studienteilnehmer über einen genug langen Zeitraum beobachtet werden, um entsprechende Sicherheitssignale zu detektieren. Dieses Kriterium ist bei den aktuellen Impfstoffen klar nicht erfüllt. Gegenwärtig scheint es das Ziel der Regierung zu sein, die Bevölkerung durchgeimpft zu haben, bevor auch nur die 1-Jahresdaten der Phase 3- Studien ausgewertet vorliegen.

Durchgesetzt werden soll dies «auf Teufel komm raus», indem Nicht- Geimpften immer offensichtlicher mit relevanten Einschränkungen gedroht wird. Missachtet wird die Tatsache, dass es ähnliche Corona-Impfstoffe gegen SARS und MERS und RSV- Impfstoffe in der Vergangenheit wegen Sicherheitsproblemen nie bis zur Marktzulassung geschafft haben. In den Studien hatte sich gezeigt, dass bei Geimpften – über eine Antikörper vermittelte Verstärkung- äusserst schwere Verläufe und Todesfälle auftraten, sobald sie dem Virus ausgesetzt wurden. [8] Da humane Coronaviren üblicherweise saisonal von November bis Ende April verbreitet vorkommen, bleibt abzuwarten, was diesbezüglich im kommenden Herbst nach Durchimpfen der Bevölkerung bei den Geimpften beobachtet werden wird.

Zulassungskriterien erfüllt?

Basierend auf den fehlenden Daten zur Langzeit-Sicherheit und in Anbetracht der deutlich niedrigeren Mortalität einer Covid-19-Erkrankung als initial vermutet – inzwischen wurde die Fallsterblichkeitsrate auf 0.15% herunterkorrigiert - sollte eine Nutzen-Risiko-Abwägung vor einem Durchimpfen der Bevölkerung äusserst sorgfältig erfolgen. Ist es nicht fragwürdig beziehungsweise fahrlässig, Impfstoffe mit potentiell sehr schweren Nebenwirkungen Gesunden zu verabreichen, die basierend auf der aktuellen Datenlage ein vernachlässigbares Risiko haben, im Falle einer Infektion mit SARSCoV2 schwer zu erkranken bzw. daran zu sterben? [9] Berichte aus Schweizer Zeitungen zeigen, dass selbst positiv auf SARS-CoV2 getestete Betagte in Altersheimen mehrheitlich gar nicht oder nur sehr leicht erkranken. [10]

Ein Artikel in der Schweizerischen Ärztezeitung im Sommer 2020 prangerte an, dass das voreilige Impfen der Schweizer Bevölkerung mit neuen genetischen COVID-19-Impfstoffen möglicherweise gegen das Vorsorgeprinzip verstosse. [11] Neue Erkenntnisse von einer Forschergruppe aus Cambridge deuten darauf hin, dass SARS-COV2-RNA mittels reverser Transkription in das menschlische Genom integriert werden kann. [12] Wenn dies der Fall ist, sollte die Frage aufgeworfen werden, welche Daten denn belegen, dass nicht auch die mittels Impfung applizierte mRNA ins menschliche Genom integriert wird?

Ob uns Swissmedic diese Frage beantworten kann, wo sie doch zum Schluss gekommen ist, dass die Impfstoffe basierend auf den aktuell verfügbaren Daten die Kriterien für eine befristete Zulassung – sicher, wirksam und qualitativ hochstehend - erfüllen?

Quellen:

[1] https://www.swissmedic.ch/swissmedic/de/home/news/coronavirus-covid-19.html

[2] www.infovac.ch

[3] Clinical study protocol “A Phase 1/2/3, Placebo-Controlled, Randomized, Observer-Blind,

Dose-Finding Study To Evaluate The Safety, Tolerability, Immunogenicity, And Efficacy Of

Sars-Cov-2 Rna Vaccine Candidates Against Covid-19 In Healthy Individuals”

[4] Clinical study protocol “A Phase 3, Randomized, Stratified, Observer-Blind, PlaceboControlled Study to Evaluate the Efficacy, Safety, and Immunogenicity of mRNA-1273 SARSCoV-2 Vaccine in Adults Aged 18 Years and Older”

[5] Fachinformation Comirnaty®, www.swissmedicinfo.ch

_[6] Doshi et al., Pfizer and Moderna’s “95% effective” vaccines—let’s be cautious and first see _the full data, 2020. https://blogs.bmj.com/bmj/2020/11/26/peter-doshi-pfizer-andmodernas-95-effective-vaccines-lets-be-cautious-and-first-see-the-full-data/

[7] https://www.newsd.admin.ch/newsd/message/attachments/64533.pdf

[8] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ijcp.13795

[9] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/eci.13554

[10] https://www.nzz.ch/zuerich/coronavirus-bei-ausbruch-in-pflegeheim-kam-niemand-zuschaden-ld.1579376?reduced=true

[11] Arvay C., Genetische Impfstoffe gegen -COVID-19: Hoffnung oder Risiko?, Schweiz.

Ärztezeitung Juli 2020, DOI: https://doi.org/10.4414/saez.2020.18982

[12] Zhang et al., SARS-CoV-2 RNA reverse-transcribed and integrated into the human genome,

2020. https://doi.org/10.1101/2020.12.12.422516

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Gastbeitrag «Die Ostschweiz»

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