logo

Halbzeitbilanz

«In Krisen trennt sich die Spreu vom Weizen»

Ostschweizer National- und Ständeräte ziehen Halbzeitbilanz und schätzen die aktuelle Lage ein. Heute: Mitte-Nationalrat Markus Ritter (*1967). Er sagt: «Es gibt für die Zukunft sicher  Optimierungspotential. Die richtigen Lehren sind jetzt zu ziehen.»

Marcel Baumgartner am 06. Juli 2021

Wir haben bewegte Zeiten hinter uns. Wie hat sich das Schweizer Politsystem als Gesamtes in dieser aussergewöhnlichen Lage geschlagen bzw. bewährt?

Im internationalen Vergleich gut. Bei allen Schwierigkeiten, die auch wir hatten, fanden wir einen guten Mittelweg, um die Pandemie zu meistern. Es war immer ein Abwägen zwischen dem Schutz der Bevölkerung und der Einschränkung für den Einzelnen sowie die Wirtschaft.

Und welches Zeugnis stellen Sie dem Bundesrat aus?

Grundsätzlich ebenfalls ein Gutes. Es gab zwar Kritik, doch waren sich praktisch alle einig, dass die Entscheide schwierig und in grosser Unsicherheit zu fällen waren. Es gibt für die Zukunft sicher auch Optimierungspotential. Die richtigen Lehren sind jetzt zu ziehen.

Welcher Aspekte, welches Ereignis war für Sie in der gesamten Corona-Situation wie ein Schlag in die Magengrube?

Die Todesfälle und deren starker Anstieg in der zweiten Welle haben mich enorm beschäftigt. Viele standen in direktem Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Es gab aber von Oktober bis Dezember 2020 eine zusätzliche Häufung von Todesfällen. In dieser Zeit war es kaum mehr möglich von Freunden Abschied zu nehmen, die nicht im engsten familiären Umfeld waren. Dies war sehr traurig.

Was bleibt für Sie hingegen äusserst positiv in Erinnerung?

Auf Grund der wegfallenden öffentlichen Auftritte hatte ich mehr Zeit für die Familie und unseren Betrieb. Die Arbeit in der Natur und mit den Tieren liess mich die Pandemie sogar etwas vergessen.

Woran sollten sich die Wählerinnen und Wähler im grossen Wahljahr 2023 unbedingt zurückerinnern, bevor sie die Wahlzettel ausfüllen?

An die Bedeutung eines funktionierenden Staates in Krisenzeiten, die es immer wieder geben kann. Parteien und Politiker müssen gerade in schwierigen Zeiten Verantwortung für unser Land und die Bevölkerung übernehmen können. In Krisen trennt sich hier die Spreu vom Weizen.

Welche Bereiche, in denen dringend Handlungsbedarf besteht, gerieten durch die Corona-Diskussionen eher in den Hintergrund?

Die grösseren Reformen zum Beispiel bei der Altersvorsorge rutschten einige Monate nach hinten. Der Politbetrieb in Bern war während nun vier Sessionen vom Covid-Gesetz geprägt.

WERBUNG
Ostschweiz unterstützen

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Marcel Baumgartner

Marcel Baumgartner (*1979) ist Co-Chefredaktor von «Die Ostschweiz» sowie Verlagsleiter der Ostschweizer Medien AG. Das Medienunternehmen hat seinen Sitz in St.Gallen.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.