logo

Jahresrückblick-Interview

«Insgesamt haben wir über 1'500 Covid-Kredite gesprochen»

Ungewisse Perspektiven für zahlreiche Firmen. Monate, die einen intensiven Dialog erforderten. Projekte, die positive Akzente setzten. Die aktuelle Situation fordert Thomas Koller, CEO der Thurgauer Kantonalbank, in vielerlei Hinsicht. Sein persönliches Ziel hat allerdings mit einer Liste zu tun.

Marcel Baumgartner am 20. Dezember 2020

«Corona» war das dominierende Thema im vergangenen Jahr. Auf was können Sie in diesem Zusammenhang im positiven Sinne zurückblicken?

Wir waren als Bank das ganze Jahr über für unsere Kundinnen und Kunden da. Alle Geschäftsstellen blieben offen und die während des Lockdown besonders intensiv genutzten elektronischen Dienstleistungen waren stets verfügbar. Auch mit unseren Firmen- und Gewerbekunden waren wir im engen Dialog. Dass viele Anlässe abgesagt werden mussten, war natürlich schade. Persönlich habe ich aber die Zeit genossen, die ich dadurch plötzlich zur Verfügung hatte.

Womit hatten Sie im Zusammenhang mit «Corona» am meisten zu kämpfen? Was hat Sie bedrückt?

Für manche Wirtschaftszweige sind die Auswirkungen der Pandemie eine riesige unternehmerische Herausforderung und die Zukunftsaussichten sind da und dort ungewiss. Es gibt aber auch Unternehmen, die profitiert haben oder die sich sehr schnell auf neue Rahmenbedingungen einstellen konnten. Gedanken mache ich mir zudem, welch tiefe Kerben die Corona-Pandemie auch in unserer Gesellschaft hinterlassen wird.

Bleiben wir beim Positiven: Was wird Ihnen rückblickend auf das Jahr 2020 in sehr guter Erinnerung bleiben? Gab es allenfalls einen entscheidenden Meilenstein in Ihrem Berufs- oder Privatleben?

Uns war wichtig, unsere Rolle als Bank der Wirtschaft verantwortungsbewusst wahrzunehmen. Neben individuellen Massnahmen haben wir im Frühling rasch und unbürokratisch mitgeholfen, das Stützungsprogramm des Bundes umzusetzen. Insgesamt haben wir über 1'500 Covid-Kredite gesprochen. Gefreut hat mich auch, dass wir mit unseren Herzgutscheinen gleich in zweifacher Hinsicht einen positiven Akzent setzen konnten. Zum einen konnten wir den Thurgauerinnen und Thurgauern eine Freude machen. Zum anderen konnte das Thurgauer Gewerbe profitieren, bei dem 87'000 Gutscheine eingelöst worden sind. Dies entspricht rund 2,6 Mio. Franken.

Welche drei Persönlichkeiten haben für Sie das Jahr 2020 positiv geprägt?

An erster Stelle möchte ich die unzähligen Menschen erwähnen, die im Corona-Umfeld ganz besonders gefordert waren und ausserordentliche Einsätze leisten mussten, beispielsweise die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen. Auch bankintern gab es viele Kolleginnen und Kollegen, die Extra-Meilen gegangen sind, unter anderem die Mitglieder des Corona-Krisenstabs. Beeindruckt hat mich zudem Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit, der mit seiner ruhigen und sachlichen Art gerade in den Anfängen der Pandemie viel dazu beigetragen hat, die Bevölkerung für die Massnahmen des Bundes zu gewinnen. Ein Kränzchen winden möchte ich zum Schluss meiner Frau, die für mich eine wichtige und stets positiv denkende Sparringpartnerin ist.

Woran denken Sie umgehend, wenn Sie sich mit der «Planung» des Jahres 2021 befassen?

Natürlich werden uns alle die Pandemie und deren Auswirkungen beschäftigen. Ich hoffe dabei natürlich auf ein baldiges Licht am Ende des Tunnels und dass möglichst wenige Arbeitsplätze verloren gehen. Bei der TKB freuen wir uns auf die Eröffnung einer neuen Geschäftsstelle in Islikon in der Gemeinde Gachnang. Unseren Kunden wollen wir ein noch besseres Beratungserlebnis bieten und wir werden die Dienstleistungspalette erweitern. Natürlich freue ich mich auf das 150-Jahr-Jubiläum, das die TKB im kommenden Jahr feiern kann. Wir wollen darin einiges bewegen und beispielsweise fünf Fitnessparks für die Thurgauer Bevölkerung realisieren.

Gibt es darüber hinaus etwas, was Sie nächstes Jahr unbedingt in Angriff nehmen möchten?

Auch wenn Vieles über die digitalen Kanäle und Kommunikationsmittel abgewickelt werden kann, geht aus meiner Sicht nichts über den persönlichen Kontakt. Ich hoffe, dies wird wieder vermehrt möglich sein im kommenden Jahr. Leider können wir die Partizipantenversammlung nicht durchführen, ich bin aber optimistisch, dass in der zweiten Jahreshälfte wieder vermehrt Anlässe möglich sein werden. Bankintern freue ich mich auf das Mitarbeiterfest, mit dem wir den 750 Mitarbeitenden im Jubiläumsjahr danke sagen wollen für ihren Einsatz.

Abschliessend ein paar entweder/oder-Fragen. Den Übergang ins neue Jahr feiern oder im Bett verbringen?

Ich werde im Familienkreis feiern.

Das Jahr 2021 mit klaren Vorsätzen starten oder alles auf sich zukommen lassen?

Ich möchte mit Blick auf meine Gesundheit bewusst darauf achten, langsamer zu essen und täglich genügend Wasser zu trinken. Das nehme ich mir zumindest fest vor!

Die Sommerferien 2021 wenn möglich im Ausland verbringen oder hier in der Schweiz?

Wir verbringen schon seit vielen Jahren die Sommerferien in der Schweiz und da werden wir nichts ändern. Mein Lebensziel ist ja, einmal in allen Schweizer SAC-Hütten eingekehrt zu sein. Ich hoffe, dass ich diesen Sommer die Liste um einige neue Hütten erweitern kann.

WERBUNG
Laveba 03/2022

Shopping
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Marcel Baumgartner

Marcel Baumgartner (*1979) ist Co-Chefredaktor von «Die Ostschweiz» sowie Verlagsleiter der Ostschweizer Medien AG. Das Medienunternehmen hat seinen Sitz in St.Gallen.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.