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Die Zukunft heisst: Instant Payments

Ist Twint bald wieder Geschichte?

2024 werden die sogenannten «Instant Payments» einführen. Das bedeutet, dass eine Bank- an-Bank-Zahlung sofort ausgeführt und innert weniger Sekunden beim Empfänger gutgeschrieben wird. Dadurch wird die QR-Rechnung als Zahloption auch an der Ladenkasse und im Restaurant interessant.

Die Ostschweiz am 01. Februar 2023

In den 1980er-Jahren war die Schweiz Pionierin: Sie war das erste Land, das begann, Bank-an-Bank-Zahlungen elektronisch zu verarbeiten. 1987 wurde die Swiss Interbank Clearing (SIC) in Betrieb genommen, die als zentrale Infrastrukturdienstleisterin im Auftrag der Schweizer Banken amtet und von der SNB überwacht wird. 1999 wurde der Euro als zweite Währung neben dem Schweizer Franken freigeschaltet und ermöglichte den Schweizer Banken dadurch den Anschluss an die europäischen Zahlungssysteme. Vor fünf Jahren schliesslich folgte die Umstellung auf den «ISO 20022»-Standard, der die Kompatibilität mit dem internationalen Zahlungsverkehr garantiert.

Die frühe Umstellung auf elektronische Kanäle entpuppte sich aber nicht nur als Segen, sondern auch als Hypothek. Der Schweizer Finanzplatz ruhte sich nämlich (zu) lange auf den erwähnten Meilensteinen aus und wurde bequem. Er versäumte es, bei anderen wichtigen Entwicklungsschritten mitzuhalten, was besonders beim Thema «Echtzeitüberweisungen» oder neudeutsch «Instant Payments» zutrifft.

Instant Payments sind in vielen Ländern bereits Standard

Ironischerweise haben Länder, die den elektronischen Zahlungsverkehr wesentlich später als die Schweiz realisiert haben, von Beginn weg auf Echtzeitüberweisungen gesetzt und damit die inzwischen überholte Logik der gestaffelten Verarbeitungsläufe, bei denen die Banken ihre Transaktionsdateien ein- oder zweimal am Tag einliefern, übersprungen. Etwa 35 Staaten kennen heute Instant Payments, so zum Beispiel Indien, Australien, Südafrika, Schweden, Polen oder Grossbritannien. In diesen Ländern spielen 7x24x365-Zahlungen, wie sie auch genannt werden, sowohl im Einzelhandel als auch beim Bezahlen unter Privatpersonen eine wichtige Rolle. Grossbritannien beispielsweise hat den Service schon vor knapp 15 Jahren eingeführt. Die Zahl der jährlichen Transaktionen liegt dort in der Grössenordnung von Milliarden.

Ab August 2024 gibt es Instant Payments auch in der Schweiz

Wie die SIX Group AG und die Schweizerische Nationalbank (SNB) im September 2021 gemeinsam kommuniziert haben, wird es in der Schweiz ab August 2024 ebenfalls Instant Payments geben. Ab diesem Zeitpunkt müssen diejenigen Bankinstitute Instant Payments empfangen können, die im Jahr 2020 mehr als 500’000 eingehende Kundenzahlungen im SIC-System erhalten haben. Alle anderen Banken müssen voraussichtlich bis Ende 2026 in der Lage sein, eingehende Echtzeitüberweisungen zu verarbeiten. Das Versenden von solchen Kundenzahlungen soll aber freiwillig bleiben. Grund dafür dürfte unter anderem die Angst einiger Banken sein, eine 7x24x365 Hotline betreiben zu müssen, um bei allfälligen Problemen eine zeitnahe Verarbeitung zu garantieren.

Damit folgt die Schweiz der Europäischen Union mit sechs Jahren Verspätung, wo SEPA-Zahlungen bereits seit 2018 in Echtzeit abgewickelt werden können. Allerdings ist auch in der EU eine gewisse Trägheit zu beobachten. Derzeit sind nämlich nur zirka 25 Prozent der dortigen Banken mittels SEPA Instant Payments erreichbar. Um Instant Payments zur «neuen Normalität» zu machen, hat die EU-Kommission Ende 2022 einen Verordnungsentwurf vorgelegt, der sicherstellen soll, dass herkömmliche SEPA-Überweisungen flächendeckend durch die Instant-Variante ersetzt werden.

Instant Payments vereinfachen Zahlungen im Detailhandel

Wie die Beispiele aus dem Ausland zeigen, ist die Annahme, dass Instant Payments auch für den Detailhandel, die Gastro- und Hotelleriebranche sowie Onlineshops interessant sind, naheliegend. Es könnte damit eine Gegenbewegung zur aktuellen Vielfalt an Zahlungsdienstleistern – manche würden es auch als Wirrwarr bezeichnen – angestossen werden. Denn Hand aufs Herz: Eine einzige zentrale Infrastruktur, die alle Kanäle und Anwendungen bedienen kann, wäre doch viel übersichtlicher für alle Marktteilnehmer, insbesondere für die Zahlungspflichtigen. Das wichtigste Merkmal all der verschiedenen Bezahllösungen wie Apple Pay, Samsung Pay, TWINT und so weiter liegt ja bekanntlich genau darin, dass Zahlungen in Echtzeit an den Empfänger übermittelt werden. Ihre Marktstrategie besteht also darin, den Nachteil der zeitlichen Differenz, die eine Überweisung vom Absender zum Empfänger normalerweise verursacht, zu eliminieren. Dafür kassieren sie Gebühren. Die QR-Rechnung und Instant Payments verändern als Kombination das Spielfeld nun aber komplett, denn:

▪ Die QR-Rechnung ist das einzige Verfahren, das alle Kanäle bedienen kann: Analoge Kanäle wie Postschalter- und Bankzahlungen ebenso wie digitale Kanäle via eBanking oder Mobile Banking.

▪ Eine Anwendungserweiterung auf Zahlungen an einer Kasse, sei es im Laden oder online, ist dank des Swiss QR Codes nur noch ein kleiner Schritt. Im Smartphone-Zeitalter haben sowieso fast alle ihre mobile Bank ständig dabei, mit der sich eine solche Zahlung in Sekundenschnelle beauftragen lässt. Sie deckt damit ein viel breiteres Spektrum ab als die Bezahllösungen, die nur einen Ausschnitt der digitalen Welt bedienen, und auch da meist nur in Kombination mit einer gebührenpflichtigen Kreditkarte.

▪ Die QR-Rechnung generiert für Rechnungssteller massiv geringere Kosten als alle anderen Lösungen.

▪ QR-Zahlteile mit Swiss QR Code können überall problemlos eingesetzt werden, sowohl in digitaler Form als auch auf Prospekten, Flugblättern, Plakaten und sogar in Menükarten. Ihr Anwendungsbereich ist damit viel flexibler als derjenige aller anderen Varianten.

Dank ihrer Vielseitigkeit und ihres unschlagbaren Kosten-/Nutzenverhältnisses könnte die QR-Rechnung also auch für den Detailhandel interessant werden – sowohl im Laden als auch im Onlineshop. Denn wenn ein Händler in bestimmten Fällen sowieso QR-Rechnungen schreibt, was würde dann dagegen sprechen, den Swiss QR Code auch gleich an der Ladenkasse einzusetzen? Der Kunde würde sein Smartphone zücken, den Swiss QR Code im Mobile Banking-App scannen und die Zahlung freigeben. Der Händler erhielte die Bestätigung des Zahlungseingangs sofort – ähnlich wie bei TWINT, Apple Pay, Samsung Pay usw., aber ohne Umweg über eine Drittapplikation, die einen Anteil am Umsatz für sich abzweigt. Die QR-Rechnung kann damit alle anderen Bezahllösungen effizient ersetzen. Wieso sollte ein Händler weiterhin einen Strauss unterschiedlicher Zahlungsarten pflegen, wenn alle Transaktionen effizient über einen einzigen Standard abgewickelt werden könnten? Der Swiss QR Code könnte theoretisch sogar den Strichcode auf den Waren ersetzen und damit seinen Anwendungsbereich noch weiter vergrössern.

Ist TWINT bald wieder Geschichte?

TWINT ist eine Bezahllösung, die in der Schweiz seit ein paar Jahren voll durchstartet und die ihren Erfolg dem Umstand verdankt, dass eine Zahlung innert Sekunden beim Empfänger ankommt. Entstanden ist sie aus einer Fusion der beiden Bezahllösungen «Paymit», die von der UBS, der ZKB, der SIX Group AG und anderen Banken entwickelt wurde, und der damals schon unter dem Begriff «TWINT» bekannten Lösung der PostFinance. Die Institute, die hinter TWINT stehen, haben grosse Beträge in ihre Entwicklung und vor allem ins Marketing investiert. Sie hat sich in der Schweiz inzwischen durchgesetzt. In Anbetracht der Trägheit, mit der bestehende, funktionierende Lösungen ersetzt oder eben nicht ersetzt werden, dürfte sie sich auch noch eine Weile halten. Die grosse Frage lautet daher, ob es der QR-Rechnung gelingt, TWINT wieder zu substituieren und wenn ja, wie lange der Prozess dauern wird.

Fazit

Die Zukunft wird zeigen, wohin die Reise geht. Einerseits führt es zu mehr Innovation, wenn verschiedene Anbieter gegeneinander konkurrieren. Auf der anderen Seite erhöhen x-verschiedene Infrastrukturen, um x-verschiedene Bezahllösungen abzuwickeln, nicht nur die Komplexität, sondern auch die Kosten für die Rechnungssteller. Gerade in einem Bereich wie dem Zahlungsverkehr, bei dem eine einzige, aber dafür omnipotente Infrastruktur völlig ausreichend wäre, stellt sich die Frage, welcher Service den Beteiligten am meisten Nutzen bringt. Es wird sich zeigen, ob sich die verschiedenen Anbieter werden halten können oder ob sich der Trend wieder in Richtung der eleganten Einfachheit eines einzigen Standards entwickelt. Wenn letzteres ein- träfe, könnte die aufregende Zeit im Zahlungsverkehrsmarkt bald vorübergehen und es zöge wieder die biedere Stabilität der vergangenen Jahrzehnte ein. Dafür wäre der Zahlungsverkehr wieder übersichtlich und berechenbar. (pd)

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Nach Kommentar von Stefan Schmid

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