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YouTube, iGeneration und Generation Greta

«Jetzt komm ich» – die Generation Z betritt die Arbeitswelt

Viele Unternehmen haben sich noch nicht einmal auf die Generation Y eingestellt, da bahnt sich, wenig bemerkt, schon der nächste Konflikt in der Arbeitswelt an.

Pascal Scacchi am 24. September 2020

Viele Unternehmen haben sich noch nicht einmal auf die Generation Y eingestellt, da bahnt sich, wenig bemerkt, schon der nächste Konflikt in der Arbeitswelt an. Denn im Schatten der gegenwärtigen Krisenstimmung tritt die Nachfolgegeneration ins Berufsleben ein: die Generation Z. Dies hat Folgen. Denn diese Altersgruppe unterscheidet sich grundlegend von ihren Vorgängern.

Bei der Generation Z handelt es sich um diejenigen, die zwischen 1997 und 2012 geboren sind – also die zwischen Acht- und 23-Jährigen. Sie werden häufig auch als Generation YouTube, iGeneration oder Generation Greta bezeichnet. Daran wird deutlich, welche ihrer Eigenschaften charakteristisch sind. Wie das «i» erahnen lässt, ist sie mit zunehmend reifenden Technologien wie Virtual Reality, Augmented Reality, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen aufgewachsen.

Daher kennen die Jugendlichen den Wert sowie die Probleme mit diesen Technologien und wissen, wie sie ihre Zeit regulieren könne, so das Wirtschaftsmagazin Forbes. Sie werden eine Cross-Realities-Generation sein. 80 Prozent der Vertreter dieser Generation streben nach Angaben einer Studie von Dell an, «mit modernster Technologie zu arbeiten». Denn sie sehen Technologie als ihren Weg zu hoch bezahlter Beschäftigung.

Streben nach Einfluss

Die Bezeichnung «Generation Greta» verdeutlicht das zweite prägende Merkmal. Dabei dient die Aktivistin Greta Thunberg als Sinnbild, so die Süddeutsche Zeitung in einer Rezension des Buches „Generation Greta“ von Klaus Hurrelmann und Erik Albrecht. Kennzeichnend sind Proteste wie Fridays for Future. Es sei eine Generation, «aus der eine so junge und grosse Jugendbewegung hervorgegangen ist, wie es sie noch nie gegeben hat».

Damit wollen die jungen Menschen Entscheidungsträger der Wirtschaft und Politik dazu bringen, das Klima aktiver zu schützen, erläutert Trendberaterin Yaël Meier im Interview mit der Handelszeitung. Sie denken und handeln «im Interesse des grossen Ganzen».

Bei diesen Aktionen kommt eine weitere Eigenschaft zum Ausdruck: «Die Generation Z ist selbstbewusst und weiss um ihre Möglichkeiten. Noch stärker als die Millennials setzen sich die jungen Erwachsenen für ihre eigenen Rahmenbedingungen ein», heisst es im Magazin it-daily.net. Forbes schreibt sinngemäss: Als sozialbewusste Generation möchte die Gen Z bei allem, was sie tut, Einfluss nehmen und Yaël Meier erklärt, dass diese Altersgruppe sich nicht so schnell verunsichern lässt, sondern in Veränderungen Chancen sieht.

Dies komme in der gegenwärtigen Pandemie zum Ausdruck, was die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte bestätigt. Dr. Elisabeth Denison, Chief People Officer bei Deloitte, erläuterte, dass die junge Generation «angesichts dieser globalen Gesundheits- und Wirtschaftskrise insgesamt eine hohe Resilienz an den Tag» legt.

Arbeit erhält anderen Stellenwert

Übertragen auf die Arbeitswelt bedeutet das zum Beispiel, dass die Generation Z glaubt, ein tiefes Verständnis dafür zu haben, wie Technologie die Art und Weise, wie Menschen arbeiten und leben, verändern kann, so Forbes. «Sie ist bereit, neue berufliche Fähigkeiten zu erlernen und zuversichtlich, dass sie über die technischen Fähigkeiten verfügt, die Arbeitgeber suchen.» Oder wie es in der PC Welt formuliert ist: «Jetzt komm ich – mit dieser Einstellung drängt die Generation Z auf den Arbeitsmarkt.» Die jungen IT-ler träumen dabei von hippen Arbeitgebern wie Amazon, Microsoft und Google.

Dementsprechend gibt es in der Generation Z kaum noch Loyalität zum Arbeitgeber, wie Arbeitsweltexperte Christian Scholz in der WELT sagt. Das Denken sei: «Wenn mir etwas nicht passt, bin ich morgen weg.» Ein weiteres Charakteristikum ist nach Ansicht von Jugendforscher Klaus Hurrelmann die enorme Multitaskingfähigkeit dieser Altersgruppe.

Sie nehme alles schnell auf, sei dann aber auch nicht mehr so konzentriert, lasse sich ablenken und besitze ein kurzes Durchhaltevermögen. it-daily.net führt an, dass die Generation von einem hohen Wohlstandsniveau der Eltern geprägt ist und dies auch «zu einer anderen Leistungsbereitschaft führt, als es Unternehmen bisher von der Generation Y gewohnt waren». Führungsverantwortung sei ein kritischer Punkt, da lieber feste Aufgaben innerhalb eines Netzwerks übernommen werden. Der Stellenwert der Arbeit sei deutlich gesunken und Familie, persönliche Freiheit, Freizeit sowie soziale Kontakte seien wichtiger als in allen bisherigen Generationen.

Darin stimmt Klaus Hurrelmann überein. Er hält es für wahrscheinlich, dass diese Altersgruppe eine feste Grundlage wie Arbeitszeitkontingente erwartet. Auf it-daily.net ist von einem «Nine-to-five»-Job die Rede. Das „enorme Verlangen nach Sicherheit“ spiegle sich aber auch in unbefristeten Verträgen, klar definierten Strukturen und Absicherungen wie einer betrieblichen Altersvorsorge wider. Darauf sind Unternehmen nicht vorbereitet. Angesichts dessen sieht Christian Scholz Probleme auftauchen.

Grosses Potenzial für Unternehmen

Arbeitgeber sind also gefordert, sich auf die Generation Z einzustellen. Das verlangt Formulierungen von it-daily.net zufolge «gezielte Massnahmen, um neben Strukturen und einer vollkommenen Integration der digitalen Welt in den Arbeitsalltag, weitere Anreize zu bieten und sich als Arbeitgeber interessant zu machen». Dazu gilt es zunächst, die Generation Z zu erreichen.

Dafür sind laut Forbes vor allem Apps wie Snapchat, Instagram und TikTok geeignet. Aber auch LinkedIn darf nicht unterschätzt werden, wie Yaël Meier erläutert. In der Kommunikation ist es wichtig, offen zu sein und in der Unternehmenskultur die Bedürfnisse nach Mitgestaltung, Nachhaltigkeit und Sicherheit zu etablieren. Für den Bereich der Freizeit können Incentives sowie Sachleistungen ein Lösungsansatz sein, so it-daily.net.

In dieser Umstellung liege grosses Potenzial. «Denn fühlt sich ein Mitarbeiter der Generation Z erst einmal wohl, ist die Arbeitsleistung deutlich höher und eine langfristige Bindung möglich.» Und nicht nur das! Laut Forbes kann für Unternehmen eine Win-win-Situation entstehen, wenn sie ältere Generationen mit neuen Technologien ausbilden und jüngeren Generationen die Soft Skills und arbeitsspezifischen Erfahrungen beibringen, die sie übertreffen müssen.

«Sie können Stammeswissen älterer Arbeitnehmer mithilfe neuer Technologien wie Augmented Reality und Videoerfassung erfassen, die jüngere Arbeitnehmer intuitiv nutzen können.» Daraus wiederum ergeben sich Möglichkeiten, die das Bisherige in den Schatten stellen.

Stölzle /  Brányik
Über den Autor
Pascal Scacchi

Herr Pascal Scacchi, Senior Management Consultant bei Nellen & Partner in Zürich.

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