logo

Zeyer zur Zeit

Linke Meinungsfreiheit

Meinungsvielfalt. Demokratie. Freie Debatte. Grosse Worte, kleine Praxis. Viele Linke sind für das Medienpaket. Aber nur, wenn es ihnen nützt. Sonst heisst es: Schnauze.

René Zeyer am 11. Januar 2022

Eigentlich ist’s saukomisch. Viele linke Schwurbler entdecken plötzlich ihre Liebe zu den Portemonnaies von Medienmillionären.

Denn es ist unbestreitbar, dass bei einer Annahme des Medienpakets am 13. Februar die Medienclans Coninx-Supino (Tamedia), Wanner-Wanner (CH Media) und Ringier-Walder (Axel Springer Ringier Schweiz) die grössten Profiteure der Steuermilliarde wären.

Allerdings würden für schmalbrüstige, ständig in finanziellen Nöten steckende linke Lieblingsprojekte wie «bajour», «Republik», «Saiten» usw. auch ein paar Batzeli abfallen. Also sind viele Linke dafür.

Noch saukomischer ist, dass sich viele gegen rechtskonservative Multimillionäre aussprechen, die mit ihrem Geld sich Medien kaufen können. Feindbild Nummer eins ist dabei natürlich Christoph Blocher.

Dass sich auch linke Medien von Multimillionären aushalten lassen, das wird nicht so gerne eingestanden.

Herausragend, sozusagen der Saukomischste, ist dabei Hansi Voigt. Der verröstet gerade ein paar Millionen einer milliardenschweren Pharma-Erbin mit der Totgeburt «bajour». Weil die nicht aus dem Koma kommt, kriegt er nach den ersten drei Millionen nochmal drei nachgeschmissen. Dennoch hetzt er, dass Medien keine Spielzeuge für Milliardäre sein dürften. Der Toy Boy.

Unterstützt wird die Kampagne auch von Jolanda Spiess-Hegglin. Deren Erfahrungen mit staatlicher Unterstützung sind zwar etwas durchwachsen. Das hindert sie allerdings nicht daran, mit der Autorität eines überlebenden Medienopfers für ein Ja zu werben.

Denn nur so, sagen alle, könne Medienvielfalt, Meinungsfreiheit und offene Debatte gerettet werden. Wobei, kommt dann darauf an.

Denn Spiess-Hegglin übernimmt auf Facebook zum Beispiel das Gekrähe von Hansi Voigt. Der fragt autoritär, ob es nun wirklich allen klar sei, dass das Medienpaket angenommen werden müsse. Darauf gibt es den kritischen Einwand, dass sich Ringier darüber freuen würde. Den weist JSH streng zurecht, dass es darum nicht gehe. Sondern dass «bajour überlebt. Und alle, welche wichtig wurden in letzter Zeit».

Das provoziert einen Teilnehmer an der freien Meinungsäusserung zum Hinweis, dass «bajour» und «wichtig ein Widerspruch in sich» sei. Samt Link auf einen Artikel der medienkritischen Plattform ZACKBUM, die der Autor dieses Artikels betreibt.

Da hört’s dann aber schnell auf mit Meinungsfreiheit, Debattenkultur und Stärkung der Demokratie im Widerstreit der Meinungen.

In ihrer häme- und hassfreien Art rempelt JSH den Frechdachs an: «Verlinkst du hier gerade das seriöse Zackdumm? Ned din Ernscht. Wo bleibt deine Medienkompetenz?»

Um ihre liberale Kompetenz zu unterstreichen, löscht JSH dann den Kommentar samt Link.

Leider muss man sagen: Wenn das die Stärkung von Demokratie und Meinungsfreiheit ist, wie sie sich die Unterstützer des Medienpakets vorstellen, dann würde selbst Wilhelm Tell dagegen stimmen.

Denn solche Antidemokraten, solche Verweigerer jeglicher Debatte, solche verbohrten Fanatiker, die jede Meinung tolerieren, vorausgesetzt, es ist ihre eigene, die brauchen wirklich keinen Rappen Steuergelder. Genauso wenig wie die reichen Medienclans.

WERBUNG
Bergbahnen Malbun

Stölzle /  Brányik
Autor/in
René Zeyer

René Zeyer (1955) ist Publizist, Bestsellerautor («Bank, Banker, Bankrott») und Kommunikationsberater. Er lebt in Zürich und gibt die medienkritische Plattform ZACKBUM.ch heraus.

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.