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Nationalrat geht ins Rennen

Marcel Dobler soll für die St.Galler FDP den Ständeratssitz zurückholen

Der St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler kandidiert am 20. Oktober 2019 für den Ständerat. Er wird versuchen, den verloren gegangenen Sitz wieder zu erobern. Das gab die Parteiführung heute bekannt. Die Nomination durch die Basis ist eine Formsache.

Stefan Millius am 27. Mai 2019

Das ist eine schnelle Karriere. Vor dreieinhalb Jahren wurde der Polit-Quereinsteiger Marcel Dobler von den St.Gallerinnen und St.Gallern in den Nationalrat gewählt. Und nun soll er für seine Partei auch beim Ständerat die Kohlen aus dem Feuer holen.

Die Parteileitung sprach sich einstimmig für Dobler aus. Dieser war von Leuten aus Politik und Wirtschaft offenbar offensiv ins Spiel gebracht worden. Am 6. Juni wird eine Nominationsversammlung in Wil offiziell darüber befinden, das dürfte aber pro forma sein, Dobler ist gesetzt. Parallel dazu bleibt er Kandidat für den Nationalrat.

FDP-Kantonalpräsident Raphael Frei führte aus, was dazu geführt hatte. Er würdigte zunächst die Leistung und das Resultat von Susanne Vincenz-Stauffacher, die bei der Ersatzwahl in diesem Frühjahr hervorragend abgeschnitten habe. Sie steht aber für die Gesamterneuerungswahlen im Herbst nicht mehr zur Verfügung.

Ein Gewerkschafter und ein Regierungsvertreter seien nach den Ersatzwahlen im Mai die Ständeratsvertreter des Kantons St.Gallen. Die FDP müsse nun eine glaubwürdige Kandidatur mit bestimmten Qualifikationen lancieren. Man wolle eine echte Alternative zu den Bisherigen präsentieren. Das sei Dobler mit seinem Leistungsausweis in Politik und Wirtschaft.

Bereits am 20. Mai, einen Tag nach dem zweiten Wahlgang, habe die Suche nach einer Kandidatur begonnen. Bis am 24. Mai sollten parteiintern Kandidaturen gemeldet werden. Am 25. Mai fiel der Grundsatzentscheid, anzutreten, gleichzeitig wurden die Vorschläge geprüft. Viele aus der Spitzenriege standen offenbar nicht zur Verfügung.

Frei rechnet mit einem zweiten Wahlgang bei den Ständeratswahlen am 20. Oktober, weil alle massgebenden Parteien in der ersten Runde mit dabei sein werden. Man werde jetzt bereits Gespräche mit anderen bürgerlichen Parteien über eine Zusammenarbeit führen, es sei aber realistischerweise damit zu rechnen, dass diese erst im erwarteten zweiten Wahlgang konkret werden.

Marcel Dobler selbst stellte bei der Präsentation seiner Kandidatur seine Gründe und Ziele vor. Er wolle sich für die bisher verfolgten Themen im Ständerat stark machen. Dazu gehören die Wirtschaft, die Digitalisierung und Cybersecurity. Der Kempratner verwies auf seine gute Vernetzung in Bern und auf seine Aktivitäten in einer Reihe von Verbänden und Arbeitsgruppen. Unter anderem ist er Vorstandsmitglied von Economiesuisse, aber auch kantonal tätig, beispielsweise im Vorstand des St.Galler Hauseigentümerverbands.

Zu seiner bisherigen Zeit im Nationalrat meinte Dobler: Er investiere viel Zeit in die Vorbereitung seiner Vorstösse, die er parteiübergreifend gestalte, und das in einer Form, dass sie aussichtsreich seien. Damit fahre er sehr gut.

Marcel Dobler verwies auch auf seine bekannte unternehmerische Vorgeschichte als Mitbegründer von Digitec, die er zusammen mit zwei Mitstreitern vom Startup zur Erfolgsgeschichte formte und später verkaufte.

Zu seinen Zielen: Lösungen und Kompromisse in Bern suchen und mit Resultaten nach St.Gallen zurückkehren sei seine Mission. Neben den bekannten Themen nannte er auch Infrastruktur und Verkehr, Fachkräftemangel, Innovationsstandorte und Finanzpolitik.

Raphael Frei sprach davon, dass es eine klar bürgerliche Kandidatur sei, und das bewusst, da derzeit der St.Galler Ständerat Mitte-Links zusammengesetzt sei. Man komme nicht, um nur dabei zu sein, sondern um zu gewinnen. Auf die Frage, ob sich die Kandidatur gegen SP-Ständerat Paul Rechsteiner richte, sagte Dobler, es sei kein Angriff, sondern ein Angebot ans Stimmvolk.

Er wolle sich stärker in die Politik einbringen, und das könne er im Ständerat, weil er dort in mehr Kommissionen Einsitz nehmen könne, so der Unternehmer weiter.

Warum bringt die FDP keine Frau mehr, obwohl sie bei der Ersatzwahl die Frauenfrage stark spielte? Man sei mit einer Frau angetreten, die St.Galler hätten sich anders entschieden. Das sei zu respektieren, so Elisabeth Zwicky, Vizepräsidentin der FDP. Man bleibe aber dran am Thema. Marcel Dobler ergänzte, auf der Nationalratsliste seien mit Susanne Vincenz-Stauffacher und Karin Weigelt als Beispiele zwei Frauen in guter Position, da könne viel passieren.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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