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Komitee gegen «Alarmismus»

Marcel Dobler sucht die «Corona-Mitte»

In der Coronadebatte gibt es zwei Lager, die sich erbittert gegenüberstehen. Der St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler will mit einer neuen Gruppierung einen Weg in der Mitte finden. Damit gewinnt die Reihe der Massnahmenskeptiker einen prominenten Namen.

Stefan Millius am 18. Oktober 2020

Die Gruppe der «Behördentreuen» ist ziemlich homogen. Es sind Menschen, die davon ausgehen, dass «die da oben» schon das Richtige beschliessen werden, dass die echten Experten für Bund und Kantone arbeiten und dass die Verordnungen umzusetzen sind, damit das Virus besiegt werden kann.

Schwieriger wird es mit der Gegenseite. Unter den Kritikern der Coronaschutzmassnahmen findet sich eine bunte Collage. Es gibt Leute, die Covid-19 als Form der Grippe und eher harmlos ansehen, andere bestreiten die Existenz von Viren ganz. Einige sind bereit zu Massnahmen, aber sie halten die getroffenen für falsch, andere bekämpfen jede Einschränkung der Freiheit oder der Wirtschaftstätigkeit.

Die Medien konzentrieren sich gerne auf die Extremfälle. Das erlaubt es, jeden, der mit dem Kurs der Behörden nicht völlig einverstanden ist, unter aluhuttragende Verschwörungstheoretiker einzuordnen und damit aus der Debatte zu befördern.

Nun werden sie es schwer haben. Denn dass der St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler offen ist für Verschwörungstheorien, das ist nicht anzunehmen. Er gehört zu den sachlichen Kritikern der momentanen Massnahmen und will nun zusammen mit anderen den Gleichgesinnten ein Dach geben. Dafür wurde die Gruppierung «Corona-Dialog» gegründet. Einige Dutzend Mitglieder hat diese derzeit, darunter mehrere Unternehmer.

Allerdings geht es bereits los mit der medialen «Einordnung». Die «Sonntagszeitung» berichtet über die Gruppierung und spricht von «einem Verbund von bekennenden Coronaskeptikern». Bekennend - als ginge es um Unanständigkeiten. Dabei distanzieren sich Dobler und Co. ausdrücklich von «Verharmlosern», die Corona kaum zur Kenntnis nehmen wollen.

Die Botschaft von «Corona-Dialog»: Die Massnahmen, die bereits eingeleitet wurden - und wohl noch werden - seien angesichts der realen Zahlen übertrieben und schädlich für die Wirtschaft. Gegenüber der «Sonntagszeitung» sagt Marcel Dobler, er befürchte eine Eskalation zwischen den beiden Seiten. Aber er sieht das Problem nicht nur bei denen, die das Virus hartnäckig leugnen, sondern eben auch bei den anderen, die er «Alarmisten» nennt. Diese seien offenbar bereit, die Wirtschaft an die Wand zu fahren. Deshalb brauche es die Mitte aus Skeptikern, zu denen er sich zählt und von denen er in seinem Umfeld viele kenne.

Die Angst, welche die Mitglieder von «Corona-Dialog» umtreibt: Dass die getroffenen Massnahmen nur der Anfang sind, dass immer weitere folgen, die dann schliesslich wieder zur Schliessung von Restaurants und Läden führten - mit unabsehbaren Folgen für das Land.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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