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Kolumne

Mindset Ostschweiz

Im Lexikon der neudeutschen Sprache hat der Begriff «Mindset» inzwischen seinen festen Platz. Was bedeutet er? Google liefert Übersetzungen wie Denkweise und Mentalität. Aber ich glaube, der Begriff schürft tiefer.

Benedikt Würth am 28. Juni 2020

Ich empfinde Mindset als eine Art Kompass für unsere Persönlichkeit, für unser Denken, Handeln und Empfinden. Coaches und Berater verwenden den Begriff bei Veränderungsprozessen.

Wie steht es mit dem Mindset unserer Region? Darüber dachte ich nach einem Interview anlässlich meines Ausscheidens aus der Regierung nach. Schon die Einstiegsfrage, die mir gestellt wurde, triefte vom üblichen Lamento über die (angeblichen) Defizite unserer Region und gipfelte in der mutlosen Suche nach allenfalls doch noch vorhandenen Trümpfen. Hier liegt doch der Hund begraben!

Warum steigen wir immer defizitorientiert in solche Diskussionen ein? Der kulturelle Unterschied zu anderen Kantonen ist augenfällig. Ich bin überzeugt, meinem jurassischen Kollegen, der kürzlich auch aus der Regierung ausgetreten ist, hat man eher am Rande solche Fragen gestellt. Die lateinischen Kantone, auch wenn sie noch so strukturschwach sind, zelebrieren zuerst ihre Stärken. Ihre Schwächen schieben sie diskret zur Seite. Darum mein Appell: Unser kollektives Mindset braucht eine Renovation. Richten wir den Blick engagiert nach vorne, erkennen wir unsere Chancen und nutzen wir sie!

Die Ausgangslage ist ausgezeichnet: Tolle Universität, attraktive Fachhochschulen, exzellenter HighTech-Cluster, hervorragende Unternehmen, kulturelle Vielfalt mit Breite und Highlights, wunderbare Landschaften, gute Gastronomie, der beste und leidenschaftlichste FC und vieles mehr.

Gesundes Selbstbewusstsein und Lebensfreude sind gefragt – gepaart mit dem Willen, uns mit Fleiss und Ideen in Wirtschaft, Gesellschaft und Staat immer weiter zu verbessern.

Stölzle /  Brányik
Über den Autor
Benedikt Würth

Benedikt Würth (*1968) amtete von 2011 bis 2020 als St.Galler Regierungsrat. Im Mai 2019 wurde er als Nachfolger von Karin Keller-Sutter in den Ständerat gewählt. Der CVP-Politiker wohnt in Rapperswil-Jona, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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