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Ständeratswahlen St.Gallen

Nach dem Wahlbarometer: Wird Dobler eher Würth gefährlich?

Der St.Galler Nationalrat Marcel Dobler (FDP) will in den Ständerat. Und es wird angenommen, dass er vor allem Paul Rechsteiner (SP) gefährlich wird. Die SP ist aber laut dem neuesten Wahlbarometer im Aufwind, die CVP hingegen verliert. Ist also eher Benedikt Würth gefährdet?

Stefan Millius am 13. Juni 2019

Das jüngste Wahlbarometer der SRG, das die Wähleranteile der Parteien mit Stand heute untersucht, spricht eine klare Sprache: Links-Grün ist im Vormarsch. Grüne und GLP legen zu, aber nicht auf Kosten des traditionellen Partners, der SP. Verlierer sind die bürgerlichen Parteien. Die FDP geht leicht zurück, die SVP stärker (aber von einem hohen Stand aus), CVP und BDP geraten aber besonders massiv unter die Räder.

Ob das am 20. Oktober bei den Gesamterneuerungswahlen auch so aussieht, ist offen, aber es ist damit zu rechnen, dass die Klimadebatte bis dann anhält und die grünen Kräfte stärkt.

Was heisst das in Bezug auf die Ständeratswahlen im Kanton St.Gallen, die eine umkämpfte Sache sein werden?

Nichts, sagt Marcel Dobler, der diesen Monat von der FDP als Ständeratskandidat gekürt wurde. «Die Ständeratswahl ist eine Personenwahl, das Wahlbarometer, das Parteienstärken untersucht, muss man von diesem Thema entkoppeln», so Dobler gegenüber «Die Ostschweiz».

Seine Einschätzung ist relevant, weil er zwingend einen Bisherigen aus dem Amt drängen muss, um gewählt zu werden. Und allgemein wird angenommen, dass er lieber Paul Rechsteiner aus dem Ständerat werfen würde als Benedikt Würth von der CVP, der ihm politisch sicher etwas nähersteht.

Dobler stellt wie schon mehrfach klar, dass sich seine Kandidatur weder gegen den einen noch den anderen richte. Er wolle den Wählern einfach eine Auswahl bieten, und beim bereits bekannten Trio heisse die Frage einfach: «Wollen die St.Gallerinnen und St.Galler einen Gewerkschafter, einen Exekutivpolitiker oder einen bürgerlichen Unternehmer?» Zudem werde es mit Sicherheit noch weitere Kandidaturen geben.

Die Zeichen stehen also ohnehin auf einen zweiten Wahlgang, in dem alles wieder anders aussieht.

Dennoch deutet das Wahlbarometer daraufhin, dass in diesem Wahlherbst nicht alles so ist, wie es scheint. Rechsteiner ist der Rollenwechsel vom kämpferischen Gewerkschafter zum staatsmännisch wirkenden Ständerat gut gelungen, er ist inzwischen auch für viele aus der Mitte wählbar, und die Klimadebatte hilft ihm wohl zusätzlich. Würth wiederum hat zwar im Mai das Rennen klar für sich entschieden, aber gegen kein allzu hochkarätiges Feld von Gegnern.

Aus CVP-Kreisen ist denn auch zu vernehmen, dass Würth alles andere als begeistert ist von der Kandidatur von Marcel Dobler. Würth ist sich bewusst, dass er nun auch für die Wiederwahl im Oktober viel Geld, Zeit und Arbeit investieren muss, weil neben den zwei Bisherigen ein Nationalrat mit hohem Bekanntheitsgrad und einigen Mitteln antritt. Als Paul Rechsteiner seinerzeit in den Ständerat gewählt wurde, hatte die CVP sein Potenzial unterschätzt (wie die meisten Beobachter und auch wir Medien). Das will man nicht noch einmal zulassen.

Deshalb kann es nicht einfach als gesetzt gelten, dass der Neo-Ständerat Benedikt Würth durchmarschiert und es auf einen Zweikampf Rechsteiner-Dobler um den zweiten Sitz hinausläuft.

Ganz fatal für die bürgerliche Seite wäre es, wenn - was ein kleines Wunder wäre - Paul Rechsteiner schon im ersten Wahlgang gewählt würde. Dann hiesse es für die zweite Runde: Offener Kampf zwischen den Parteien FDP und CVP, die sich eigentlich recht nahe stehen. Das würde Wunden schlagen, die lange nicht heilen, und einige Monate später wird bereits auf kantonaler Ebene gewählt, wo die bürgerliche Seite wieder Geschlossenheit demonstrieren müsste.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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