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Der Umzug steht an

Palliative Care vernetzt sich im neuen Hospiz St.Gallen

Am 22. Juni bezieht das Hospiz St.Gallen die Villa Jacob nahe des Stadtzentrums. Das Hospiz bietet unheilbar kranken Menschen am Lebensende ein Zuhause – ein Angebot, das in einer älter werdenden Gesellschaft wichtiger wird.

Die Ostschweiz am 21. Juni 2021

In der Villa Jacob finden ab dem 22. Juni im Hospiz St.Gallen bis zu elf unheilbar kranke und sterbende Menschen ein Zuhause. Im über 140-jährigen Gebäude beim St.Galler Kreuzbleichepark sollen Menschen ihr Lebensende möglichst selbstbestimmt verbringen können. Hospize sind eine Ergänzung, wenn das Gesundheits- und Pflegesystem an seine Grenzen kommt. «Die Betreuung von Schwerstkranken kann das Personal von Pflegeheimen oder die Angehörigen zuhause überfordern», sagt Hospiz-Geschäftsführer Roland Buschor. Gleichzeitig können Patientinnen und Patienten nicht in palliativen Einrichtungen in Spitälern bleiben, wenn sie nicht mehr rund um die Uhr auf ärztliche Betreuung angewiesen sind. «Diese Menschen zeigen dennoch oft sehr komplexe Krankheitsbilder und benötigen spezialisierte Pflege und Betreuung», sagt Daniela Palacio, Leiterin Pflege im Hospiz St.Gallen.

Im Hospiz St.Gallen arbeiten speziell ausgebildete Pflegefachpersonen mit einem relativ hohen Personalschlüssel. Sie können darum Kranke mit belastenden Symptomen sowie in anspruchsvollen pflegerischen und psychosozialen Situationen individuell betreuen. «Zudem kann der Aufenthalt im Hospiz für Betroffene und Angehörige Planungssicherheit und damit Entspannung bringen», sagt Palacio. Wer ins Hospiz St.Gallen einziehe, habe die Gewissheit, dass er oder sie dort bleiben darf und nicht mehr in eine andere Institution wechseln muss.

Die Statistik zeigt, dass rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten im Schnitt innert 14 Tagen nach ihrem Eintritt ins Hospiz verstirbt. 2020 verzeichnete das Hospiz 79 Eintritte, für diese wurden insgesamt 1642 Pflegetage geleistet. Heute stellen 20 Mitarbeitende in rund 10 Vollzeitstellen den Betrieb des Hospizes sicher. Zusätzlich helfen rund 40 Freiwillige mit, vor allem in der persönlichen Betreuung der Bewohnenden.

Das Hospiz St.Gallen wurde 2018 im Stadtquartier Heiligkreuz eröffnet, dies als Resultat einer Initiative von Ostschweizer Pflegefachkräften. Ein Verein fördert und unterstützt die umfassende Betreuung der Schwerstkranken und sterbenden Menschen im Hospiz. Dieser Verein wird massgeblich durch Spenden finanziert.

Der neue Standort bietet den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Mitarbeitenden eine bessere Infrastruktur. So wurde etwa ein Bettenlift eingebaut und jedes der elf Patientenzimmer verfügt über ein eigenes Badezimmer. «Die Atmosphäre im Gebäude ist wohnlich. Es soll nicht der Eindruck eines Spitals entstehen», sagt Geschäftsführer Buschor. Eigentümer der Villa Jacob ist die Wildegg Immobilien AG. Sie vermietet das Haus zu einem günstigen Preis an den Verein.

In der Villa Jacob entsteht zudem ein Kompetenzzentrum für spezialisierte Palliative Care: Auch der Palliative Brückendienst (PBD) der Krebsliga Ostschweiz bezieht dort seine Büros. Der PBD betreut und berät unheilbar kranke und sterbende Menschen, die zuhause leben. «Durch die räumliche Nähe wird sich unsere heute schon enge Zusammenarbeit mit dem Hospiz verstärken», sagt Ivo Dürr, Co-Bereichsleiter des PBD. In ihrer Arbeit würden die PBD-Mitarbeitenden ein Vertrauensverhältnis zu den schwerstkranken Menschen aufbauen. «Wenn wir bei der Übergabe ans Hospiz oder bei späteren Fragen im gleichen Gebäude ansprechbar sind, ist das für diese Menschen in ihren belastenden Situationen eine Erleichterung», sagt Dürr.

Der PBD und das Ärzteteam planen zudem die Einrichtung einer Infoline für Fachpersonen. Dort können beispielsweise Mitarbeitende der Spitex und von Pflegeheimen rasch und unkompliziert Fragen zur Betreuung von unheilbar kranken Menschen stellen. Ebenso können sich Hausärzte direkt mit den Palliativmedizinern austauschen. «So können wir unser spezialisiertes Wissen mit den Grundversorgern teilen, die die wichtige Betreuung der Patientinnen und Patienten sicherstellen», sagt Dürr.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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