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Spitaldebatte

Projekt «Sardona»: Auch das Sarganserland geht auf die Barrikaden

Eine Toggenburger Gruppierung fordert bekanntlich, dass das Spital Walenstadt auf Kosten des Spitals Wil erhalten bleibt. Nun formiert sich in der Region Walenstadt eine ähnliche Offensive: Sie fordert eine gemeinsame Gesundheitsversorgung der Kantone St.Gallen, Graubünden und Glarus.

Stefan Millius am 13. Januar 2020

Drei Kantonsräte aus dem Sarganserland sind unter dem Projektnamen «Sardona» online gegangen und sammeln dort Mitstreiter im Einsatz für das Spital Walenstadt. Dieses soll nach dem Modell «4+5» der St.Galler Regierung herabgestuft werden, nicht wenige sind der Ansicht, dieser Schritt sei die Vorstufe zur Schliessung.

Vieles klingt ähnlich wie im Toggenburg, wo eine Gruppierung aktiv für das eigene Spital kämpft. Auch im Sarganserland wird der dringende Handlungsbedarf in der St.Galler Spitallandschaft nicht bestritten. Und auch hier ist man der Ansicht, der zumindest angedachte Weg sei der falsche. Dies vor allem, weil im aktuell diskutierten Modell der kantonsübergreifende Ansatz völlig fehlt. «Dies ist inbesondere für die Randregionen des Kantons St. Gallen, gerade für das Sarganserland, von grösster Bedeutung», schreiben die Initianten von «Sardana» Man müsse die «Hausaufgaben» im Kanton St. Gallen zwingend unter Berücksichtigung von interkantonalen - unter Einbezug der Entwicklungen im Fürstentum Liechtenstein sogar von internationalen - Aspekten machen.

Für die Region Sarganserland und somit für das Spital Walenstadt sehen die Kantonsräte im Kontext einer «Gesundheitsversorgungsregion Sardona»(Chur-Walenstadt-Glarus) «durchaus interessante Perspektiven in der Südostschweiz», wie es weiter heisst.

Die Initianten der IG Gesundheitsversorgungsregion Sardona – Kantonsrat Walter Gartmann, Mels; Kantonsrat Christoph Gull, Flums und Kantonsrat Christof Hartmann, Walenstadt – haben laut eigenem Bekunden mit den Verantwortlichen der Kantonsspitäler Graubünden und Glarus gesprochen, und demnach zeigen diese auch ein Interesse an einer Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinweg für eine Gesundheitsversorgungsregion Südostschweiz.

Ziel müsse eine zukunftsgerichtete Gesundheitsversorgung in funktionalen Räumen sein. Anstelle eines Gesundheits- und Notfallzentrums (GNZ) in Walenstadt soll in Zusammenarbeit mit den Kantonsspitälern Graubünden und Glarus ein ambulantes und stationäres Basisangebot im Spital Walenstadt sichergestellt werden. Gleichzeitig würde eine solche Zusammenarbeit für das Kantonsspital St. Gallen Chancen der Zusammenarbeit im Bereich der Spitzenmedizin eröffnen, so die Initianten.

Derzeit werden in St.Gallen die Vernehmlassungsantworten zum Modell «4+5» ausgewertet. Parallel dazu ziehen aber Gewitterwolken aus verschiedenen Regionen auf. Gut möglich, dass sich auch in Flawil, Altstätten und Rorschach noch ähnlicher Widerstand formiert.

Inzwischen hat der Lenkungsausschuss der St.Galler Spitalverbunde seine Stellungnahme zum Vorhaben publiziert. Hier im Wortlaut:

«In einem ersten Schritt regen die beiden Spitäler Chur und Glarus und die beiden Kantone Graubünden und Glarus an, dass weiterhin ein ambulantes und stationäres Angebot in Walenstadt bestehen bleiben soll. Dabei halten sie fest, dass ein solches Angebot nicht kostendeckend betrieben werden kann. Damit bestätigen sie den Befund des Lenkungsausschuss. Vor diesem Hintergrund ist auch die Forderung der Spitäler Chur und Glarus zu sehen: Sie halten fest, dass bei einem solchen Szenario ein finanzielles Engagement der Gemeinden erforderlich sei. Eine kantonsübergreifende Betrachtungsweise ist für den Lenkungsausschuss wichtig. Eine solche müsste passieren, bevor neue zusätzliche Investitionen getätigt werden.»

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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