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Pilotprojekte

Qualität der Gewässer gemeinsam verbessern

Bei der Wasserqualität in kleinen Bächen besteht Handlungsbedarf. Im Rheintal finden gleich zwei Pilotprojekte statt. Eines am Zapfenbach in Balgach, das andere am Äächeli in Au. An beiden Orten können erste Erfolge verbucht werden.

Ralph Dietsche am 08. April 2021

Die Trinkwasserqualität in der Region ist sehr gut. Anders sieht es bei der Wasserqualität in kleinen Gewässern aus. Mikroverunreinigungen belasten das Ökosystem. Diese Problematik ist bekannt. Durch Sensibilisierung, Beratung, Schulung und der Umsetzung verschiedener Massnahmen trägt das Landwirtschaftliche Zentrum des Kantons St.Gallen einen wesentlichen Teil zur Verbesserung der Wasserqualität bei.

«Der Wille, die Gewässerqualität zu verbessern, ist stark verbreitet», erklärt Daniela Büchel, Beraterin des Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. Dies bestätigt Michael Eugster, Amtsleiter beim Amt für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen. Ein Beispiel dafür ist der Runde Tisch, an dem sich sechs Landwirte beteiligen, die Grundstücke im Einzugsgebiet des Zapfenbach in Balgach bewirtschaften. Ziel des Runden Tisches ist es, durch Messergebnisse Erkenntnisse für Massnahmen zu gewinnen, welche zu einer Reduzierung der Stoffeinträge führt. Daniela Büchel erklärt: «Das Prinzip basiert auf «messen, besprechen, Massnahmen treffen, messen». Dadurch konnten wir grosse Fortschritte erzielen.» Die Pestizidkonzentration im Bach hat deutlich abgenommen.

Hobby-Gärtner sollen aufgeklärt werden

Zu Überschreitungen der Grenzwerte kommt es nur noch vereinzelt, wobei sich die Beratungsstelle gewisse Wirkstoffeinträge nicht erklären kann. «Teils wurden Stoffe gefunden, die seit 2011 in der Schweiz verboten sind. Im Einzugsgebiet des Zapfenbachs und des Äächeli liegen Haus- und Schrebergärten, welche direkt an den Bach grenzen. Die Vermutung liegt nahe, dass auch diese Nutzergruppe zu den Wirkstoffeinträgen in die Bäche beiträgt», führt Daniela Büchel aus. Dem Amt für Wasser und Energie des Kantons St.Gallen ist die Problematik bewusst.

Balgach

Informierten über die Wasserqualität der kleinen Gewässer im Kanton St.Gallen (von links): Jürg Wüthrich, Fachspezialist Gewässerqualität, Daniela Büchel, Beraterin Landwirtschaftliches Zentrum Salez, Michael Eugster, Leiter Amt für Wasser und Energie und Bruno Inauen, Leiter Landwirtschaftsamt. (Bild: Ralph Dietsche)

Amtsleiter Michael Eugster erklärte an einem Medienanlass: «Wir planen eine Informations-Kampagne für private Anwenderinnen und Anwender. Die Sensibilisierung von Hobby-Gärtnerinnen und Gärtnern ist sehr wichtig.» Ob gerade im privaten Bereich die Sensibilisierung bei besonders toxischen Stoffen ausreicht, ist fraglich. Die Alternative ist, dass die Zulassungsbehörde Einschränkungen vornimmt oder gewisse Mittel nur noch in Anwendungsform – also stark verdünnt – zum Verkauf zulässt.

Enge Zusammenarbeit befruchtet

Die beiden Balgacher Landwirte Heinz Nüesch und Heinz Rohner haben den direkten Kontakt zum Amt für Wasser und Energie gesucht und sind in engem Austausch mit den Verantwortlichen: «Wir haben den Behörden unsere Pflanzenschutz-Planung mit den entsprechenden Wirkstoffen überreicht. So kann im Wasser gezielt nach den Stoffen gesucht werden.» Die Zusammenarbeit bezeichnen beide Landwirte als «sehr lehrreich».

Balgach

Heinz Rohner (links) und Heinz Nüesch vor der Messstation am Zapfenbach in Balgach. Dank ersten Sofortmassnahmen konnte die Wasserqualität des Gewässers verbessert werden. (Bild: Ralph Dietsche)

 «Ich will den Wirkstoff dort haben, wo ich ihn benötige. Nicht im Gewässer», erklärt Heinz Nüesch und ergänzt, «es liegt in unserem Interesse uns zu verbessern.» Gleichzeitig gesteht er auch, dass das Problem einem erst durch die Sensibilisierung bewusst wurde. Zumal sehr geringe Mengen an Pflanzenschutzmittel ausreichen, um die Grenzwerte in den Kleinstgewässern zu erreichen. Als konkrete Massnahmen gegen Stoffeinträge wurden die Meliorationsschächte auf den Feldern überprüft und repariert, Anpassungen bei der Ausbringtechnik bezüglich Druck und Düsen sowie beim Befüllen und Waschen der Gerätschaften vorgenommen. «Mit relativ kleinen Massnahmen können wir eine bedeutende Wirkung erzielen», freut sich Heinz Rohner. Um die gewünschte Qualität bei den Nahrungsmitteln zu sichern, könne jedoch nicht gänzlich auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. Hinzu kommt, dass die Landwirtschaft auch in anderen Bereichen vor grossen Herausforderungen steht.

«Ich denke an das starke Bevölkerungswachstum und die Klimaveränderungen. Wir müssen die neuen technologischen und züchterischen Möglichkeiten nutzen, um die Nahrung für die Weltbevölkerung sicherzustellen», ergänzt Bruno Inauen, Leiter des Landwirtschaftsamt des Kantons St.Gallen. Rein biologisch sei dies nicht möglich. Der eingeschlagene Weg scheint der richtige zu sein: «Von Kantonsseite setzen wir alles daran, um im Bereich der Gewässerqualität Fortschritte zu erzielen.»

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Ralph Dietsche

Ralph Dietsche ist Geschäftsführer und Inhaber der Kommunikationsagentur radikom GmbH mit Sitz in Rüthi.

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