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Emissionsfreie Lieferung

So soll die Zukunft des Warentransports für Städte aussehen

St.Gallen wird zur Pilotstadt. Das Transportunternehmen Camion Transport AG mit Hauptsitz in Wil möchte in Zukunft ohne Emissionen  in die Innenstädte liefern. Die einjährige Pilotphase beginnt im Juni. Das Konzept und die Mittel dafür wurden jetzt vorgestellt.

Stefan Millius am 09. April 2019

Das Timing könnte nicht besser sein. Die Klimadebatte beherrscht unser Land und unsere Region, die Elektromobilität gewinnt dadurch an Bedeutung. Und nun wird St.Gallen zum Testfeld für eine Idee, die dereinst im ganzen Land funktionieren soll. Dank elektrisch betriebenen LKW und zusätzlichen E-Fahrzeugen für die Nahverteilung soll es möglich werden, emissionsfrei bis in die Innenstadt Waren zu liefern.

Treibende Kraft ist die Wiler Camion Transport AG. Das Familienunternehmen betreibt mit 1400 Mitarbeitern 14 Standorte und bearbeitet täglich durchschnittlich 7500 Sendungen. Und nun investiert sie in die Zukunft.

Konkret wird im Juni 2019 der Elektro-LKW «Actros» von Mercedes-Benz zum Einsatz kommen. Er transportiert Sendungen, die in der Regel zuvor per Zug an die Verteilzentren geliefert wurden, nach St.Gallen. Dort wartet ein sogenannter «Microhub», eine kleinere Verteilstelle. Von dort aus geht es zum Endpunkt via Cargo eScooter und Cargo eBike, koordiniert durch den Velokurier «Die Fliege». Das Ganze läuft also ohne jegliche Emissionen ab - mal von der Diesellok der SBB abgesehen.

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Cargo eBike

Das Cargo eBike besorgt die Nahversorgung...

Cargo eScooter

... zusammen mit dem Cargo eScooter, beide in Diensten des Velokuriers St.Gallen.

Ein Jahr soll die Testphase dauern. In dieser Zeit will Camion Transport Erfahrungen sammeln. Mercedes-Benz stellt seinen eActros für dieses Jahr zur Verfügung und profitiert seinerseits ebenfalls von den gelieferten Resultaten und den Erkenntnissen daraus. Für den Velokurier wiederum ergibt sich ein zusätzliches Geschäftsfeld mit neuen Fahrzeugen, die zur Philosophie des Unternehmens passen.

Der Elektro-LKW hat eine Reichweite von 200 Kilometern. Dank dem dicht gesponnenen Standortnetz und den durchdachten Anschlusslösungen mit Weitertransport ist es laut Bruno Jäger, Verwaltungsratspräsident der Camion Transport AG, möglich, dereinst die ganze Schweiz auf diese Weise emissionsfrei abzudecken. Das wird dem Unternehmen auch punkto Konkurrenzfähigkeit helfen, denn Treibstoff macht bis zu einem Drittel der Unkosten beim Transport aus.

Bruno Jäger

Bruno Jäger, Verwaltungsratspräsident der Camion Transport AG.

Anwesende Vertreter der Politik zeigten sich angetan von diesem Ansatz. Der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin ist erfreut, dass St.Gallen hier eine Pionierrolle zukommt. Und der St.Galler Regierungsrat Marc Mächler sieht die Innovation im Einklang mit der kantonalen Strategie, was Verkehr und Umwelt angeht. Knacknüsse werde es auf diesem Weg aber geben, so Mächler. Denn Logistikzentren benötigen Platz, und das meist an Lagen, die auch anderweitig gefragt sind.

Thomas Scheitlin

Der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin.

Marc Mächler

Der St.Galler Regierungsrat Marc Mächler.

Eine bereits angedachte Idee: Die sogennanten «Cityhubs» und «Microhubs» könnten dereinst von neutraler Stelle beziehungsweise von mehreren Firmen gemeinsam genutzt werden, damit sich möglichst viele Anbieter der emissionsfreien Variante anschliessen können. Dass die Elektrifizierung der Mobilität voranschreitet, und das nicht nur im Bereich PKW, sondern eben auch im Transportbereich, ist heute schon klar.

Neu ist aber, dass ein findiges Transportunternehmen zusammen mit Dritten die Nahverteilung feingliedrig organisiert und es nicht einfach dabei bewenden lässt, seinen Teil des Lieferwegs auf diese Weise abzuwickeln. Dass «Lastwägeler» und ein Velokurier zusammenspannen, ist jedenfalls nicht selbstverständlich. Auf diese Weise aber gelangen Lieferungen vom Verteilzentrum auf der grünen Wiese bis in die Fussgängerzone von Städten.

Ueli Traber

Ueli Traber, Mitinhaber «Die Fliege», Velokurier St.Gallen.

Viele Detailfragen sind noch ungewiss. Die Antworten sollen am Ende des Pilotjahres gewonnen sein. Bereits gibt es klare Pläne, wie dereinst die ganze Schweiz emissionsfrei beliefert werden kann. Diese werden aber erst angegangen, wenn in der Versuchsphase alle Unklarheiten und Probleme bereinigt sind.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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