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Verfälschte Opferstatistik

So zynisch arbeitet das BAG

Ein junger Mann und ein Kind figurieren nach ihrem Tod als Coronaopfer - der Mann sicher, das Kind vermutlich zu Unrecht. Das BAG rechtfertigt das mit mit der Statistik: Es will die Betroffenen so aus der Liste der Erkrankten entfernen. Dafür verfälscht das Amt nun andere Zahlen.

Stefan Millius am 04. Januar 2021

Das Bundesamt für Gesundheit, das Schweizerinnen und Schweizer früher nur in Zusammenhang mit den Krankenkassenprämien interessiert hat, ist der Star des Jahres 2020 und wird das wohl auch 2021 bleiben. Das Amt unter der Fittiche von Bundesrat Alain Berset steht im Zentrum der Debatten und Massnahmen rund um das Coronavirus. Im Zug dieser Arbeit hat es sich bereits einige Lapsusse geleistet. Der neueste ist allerdings starker Tabak - und das Bundesamt empfindet ihn nicht mal als Fehler.

Zur Erinnerung: Kurz nach dem Auftauchen eines Mutanten des Virus hiess es, in Zürich sei ein 29-jähriger Mann an Covid-19 verstorben und in St.Gallen ein Kind unter neun Jahren. Das sorgte für einige Panik, da diese Altersgruppen nicht zu den Gefährdeten des Virus gehören. Inzwischen steht aber fest, dass der junge Mann kein Opfer von Corona war. Und im Fall des Kindes ist das ebenfalls nicht erwiesen. Hier stiessen die Ärzte später auf einen weiteren Krankheitserreger, wie der «Blick» schreibt. Opfer Nummer 1 gehört also definitiv nicht in die Statistik der an Corona Verstorbenen, Opfer Nummer 2 mit Sicherheit noch nicht und vielleicht gar nie.

Aber beide tauchen in dieser Statistik auf, getreu dem Motto des Bundesamts für Gesundheit: Wer den Erreger in sich hat, gilt als Opfer des Virus, was auch immer sonst noch war.

Die Zeitung konfrontierte das BAG mit diesem Umstand, und die Antwort lässt einen fassungslos zurück. Man nehme auch Todesopfer als Coronaopfer in die Liste auf, auch wenn nicht klar sei, woran sie verstorben sind, weil es sich um eine «epidemiologische Statistik» handle. Laut dieser weiss man beim BAG, dass es nun einen aktiven Fall weniger gibt.

Mit anderen Worten: Das Bundesamt pumpt die Todesfallstatistik auf mit Fällen, in denen die Lage nicht sicher ist oder aber sogar eine andere Todesursache erwiesen ist, um die Statistik der aktiven Fälle zu bereinigen. Als könnte nicht ein gut bezahlter Beamter beim BAG eine zusätzliche Liste aller Fälle von Erkrankung führen und die Betreffenden dort aus der Summe entfernen. Im Moment aber geschieht das: Eine völlig verfälschte  «Todesliste» dient dem Zweck, eine «Fallliste» up to date zu halten.

Die einzige offiziell einsehbare Statistik von Menschen, die dem Coronavirus zum Opfer gefallen sind, ist damit eine falsche Statistik. Sie gibt nicht das wieder, was sie sollte. Beim BAG muss man Kenntnis davon haben, bei welchen Erkrankten das Virus wirklich ursächlich zum Tode geführt hat - und bei welchen nicht. Diese Statistik aber bleibt unter Verschluss. Weil ihre Zahlen der Wahrheit näherkommen.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

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