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Umstrittene Spende

Soll die Schweizergarde Geld bekommen?

Die katholische Landeskirche Thurgau steht vor einem Entscheid, der alles andere als einhellig ausfallen dürfte. Es geht um eine Spende für den Neubau der Kaserne der päpstlichen Schweizergarde über 100'000 Franken. Entschieden wird am 21. Juni.

Die Ostschweiz am 10. Juni 2021

Der Katholische Kirchenrat Thurgau beantragt der Synode eine Spende für den Neubau der Kaserne der Schweizergarde. Dafür sollen 100'000 Franken eingesetzt werden. Das entspricht etwas mehr als einem Franken pro Katholikin und Katholik im Thurgau. Die Mitglieder des Kirchenparlaments entscheiden darüber an der Synode vom 21. Juni in Amriswil.

Die Stiftung für die Renovation der Kaserne der Päpstlichen Schweizergarde sammelt in der Schweiz Geld für einen Kasernenneubau. Die Truppenunterkünfte der Schweizergarde sind teilweise 150 Jahre alt. Die mangelhafte Isolation und der schlechte Zustand verursachen unverhältnismässig hohe Unterhaltskosten. Eines der Hauptprobleme ist die grosse Feuchtigkeit, die Schimmel verursacht. Mehrere Experten sind zum Schluss gekommen, dass eine Renovation baulich und finanziell keinen Sinn macht. Ein Neubau sei deshalb unumgänglich.

Ein heisses Eisen

Der Kirchenrat beantragt, den Betrag aus dem Ertragsüberschuss von 2020 zu verwenden, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Den Mitgliedern des Kirchenrates sei bewusst, dass gewichtige Argumente für als auch wider eine Unterstützung sprechen. Er erwartet daher grossen Diskussionsbedarf. «Wie man aus anderen Kantonalkirchen weiss, ist die Verwendung von Steuergeldern für die Schweizergarde umstritten», heisst es weiter. Weder der Bund noch die katholische Kirche in der Schweiz ist für die Kaserne zuständig.

Die Verantwortung liegt alleine beim «Heiligen Stuhl». Es sei aber bis heute unklar, in welchem Umfang sich der Vatikan an den Kosten von total rund 55 Millionen Franken beteiligen wird. Andererseits geniesse die Schweizergarde weltweit ein hohes Ansehen. Sie verkörpere schweizerische Werte wie Verlässlichkeit, Treue und Langlebigkeit. Für die katholische Kirche in der Schweiz ermögliche die Garde eine positive Nähe zum Papst und zur Kurie.

Signal für die Politik

Einige Landeskirche haben bereits grosszügige finanzielle Unterstützung beschlossen oder in Aussicht gestellt. Der Bundesrat hat im Dezember 2020 beschlossen, den Neubau mit 5 Millionen Franken zu unterstützen. Der Regierungsrat des Kantons Thurgau wird sich mit dem Gesuch noch befassen. Die Unterstützung der Bistümer und Kantonalkirchen sei darum ein wichtiges Signal für die Politik, stellt der Kirchenrat weiter fest. Die Stiftung hat gemäss eigenen Aussagen aktuell Zusagen über rund 20 Millionen Franken  erhalten. Der Bau soll schon 2027 fertig gestellt sein – genau 500 Jahre nach der Plünderung Roms.

Stiftung für die Renovation der Kaserne der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan

Die Stiftung für die Renovation der Kaserne der Päpstlichen Schweizergarde im Vatikan wurde im Herbst 2016 in Solothurn gegründet. Ihr alleiniges Ziel ist die Erneuerung der Kasernengebäude sowie der übrigen Infrastruktur-Einrichtungen der Garde. Präsident des Stiftungsrates ist Dr. Jean-Pierre Roth, ehemals Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank. Als Präsidentin des Patronatskomitees amtet Alt-Bundesrätin Doris Leuthard.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Die Ostschweiz

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