logo

Mediensubventionen

SRF braucht Nachhilfe in Mathe

Bei SRF gönnt man den anderen Medien offenbar die geplanten Subventionen. Nur so lässt es sich erklären, dass auf der SRF-Webseite veritable «Fake News» Platz finden. Dabei müsste man für die Wahrheit nur zählen können.

Stefan Millius am 11. Januar 2022

SRF lotet mit Blick auf die Abstimmung über das Mediengesetz vom 13. Februar die Schweizer Onlinemedienlandschaft aus. Dabei begegnete die Redaktion vielen Verlagen, die nach Subventionen lechzen – und einigen wenigen,  die davon nichts halten, obschon auch sie profitieren würden (darunter «Die Ostschweiz»). Der SRF-Beitrag ist hier zu finden. 

Weil es schwierig ist, staatliche Subventionen für private Medienhäuser inhaltlich zu begründen, müssen andere Argumente her. SRF schwingt sich deshalb auf zur Jury, die beurteilen kann, wer wichtig ist für die erwähnte Medienlandschaft – und wer nicht so sehr. Zufälligerweise sind die relevanten Medien diejenigen, die sich nicht gegen Mediensubventionen sträuben. SRF-Redaktor Oliver Washington schreibt:

«Für diese unterschiedliche Auffassung innerhalb der Online-Medien-Unternehmen lohnt sich ein Blick auf ihre journalistische Leistung. So produzieren die Portale «Ostschweiz» und «Portal24» bedeutend weniger journalistische Eigenleistungen als «Zentralplus» und «Bajour». Der Beitrag der Letzteren zu einer originären Schweizer Medienlandschaft dürfte daher etwas mehr wiegen.»

Wäre es eine subjektive Beurteilung darüber, ob einem gefällt, was man hier oder dort liest: Wohlan. Aber SRF operiert mit nachprüfbaren Behauptungen, nämlich der Zahl der journalistischen Eigenleistungen. Dass es von diesen beim Basler Portal bajour.ch mehr geben soll als bei «Die Ostschweiz», ist so abenteuerlich, dass es schon fast wieder lustig ist. bajour.ch publiziert im Schneckentempo. Deshalb ist es auch nötig, dass sich auf der Startseite auch noch eine Woche alte Texte finden – oder ein Pizzeria-Test vom Oktober 2021.  Dabei sind dort 14 Personen zugange.

zentralplus.ch macht einen anständigen Job und ist ein Gewinn für die Zentralschweiz, die Kadenz liegt aber ebenfalls nicht über unserer.  Auch hier muss ein eine Woche alter Beitrag über ein Zuger Unternehmen noch prominent weit oben figurieren. Die Aktualität wird gut aufgefangen, aber in vielen Fällen nicht in Form von Eigenleistung; es sei denn, das Aufschalten einer Polizeimeldung oder einer Rochade in einem Kantonsparlament sei eine solche. Und auch hier ist die Redaktion gemessen am Output hübsch bestückt mit zwölf Personen (und ja, wir sind neidisch).

Aber letztlich geht es ja nicht darum, dass sich Onlinemedien gegeneinander ausspielen lassen. Bei SRF war hier offenbar einfach der Wunsch der Vater des Gedanken. Die beiden lobend erwähnten Onlinezeitungen stehen dem «Staatsfunk» vermutlich einfach wesentlich näher, bajour.ch mit Sicherheit. Deshalb muss es besser abschneiden aus die «Aufsässigen» aus dem tiefen Osten.

WERBUNG
Bergbahnen Malbun

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz».

Hier klicken, um die Mobile App von «Die Ostschweiz» zu installieren.