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Kommentar

Stetig steigendes Verkehrsaufkommen bis zum Kollaps…

Ein Blick in die Verkehrsstatistik des Bundes des Kantons St. Gallen verheisst nichts Gutes.

Manfred Trütsch am 27. Mai 2020

2009 waren 4'009'600 Personenwagen registriert und zehn Jahre später waren es bereits 4'624'000. Der Bestand an Motorfahrzeugen betrug 2018 total 6'160'300. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl der Staustunden von 15'900 auf über 25'000 erhöht und das auf einem unwesentlich grösseren Strassennetz von insgesamt ca. 71'500 km.

Die Verkehrsplanung durch Ingenieure, ist eine relativ junge Disziplin, die sich vorwiegend mit dem Ausbau der Infrastruktur befasst. Was von Anfang an fehlte, sind die Hochrechnungen auf der Angebotsseite, Autoindustrie, als auch bei der Nachfrage betreffend Strassenkilometer. Dazu fehlten auch Angaben zur Demografie. Es gibt keine Studie, die besagt, wie viele Autos eine Nationalstrasse und eine Kantons- oder Gemeindestrasse bei einer festgelegten Geschwindigkeit erträgt.

Dazu kommt der lange Planungshorizont. Selbst bei der Kantonsstrasse vergehen locker 15 Jahre von der Zweckmässigkeitsprüfung, bis hin Realisierung. Das heisst nichts anderes, als dass anfängliche Probleme durch das lange Verfahren an Komplexität gewinnen und nicht einer Lösung zugeführt werden. Das fusst nicht zuletzt auf unserem Staatswesen.

Mehrstufige Kompetenzordnung durch Gemeinden, Kantone und Bund, dazu vielerlei Rechtsmittel verunmöglichen ein zügiges Vorgehen. Mit grosser Zuverlässigkeit wird es in den Jahren 2021 bis 2027, bei der Vorsanierung des Rosenbergtunnels - mit vielfach nur einer Spur in eine Richtung - zum Verkehrskollaps kommen.

Die «Lösung» der Behörden heisst: Mindestens 10% weniger Verkehrsaufkommen. Ein frommer Wunsch. Die Bevölkerungszahl steigt, wie auch die Anzahl PWs, zudem brauchen auch E-Autos Verkehrsflächen. Anstatt die Ost-West Achse Rorschach- bis Zürcherstrasse für die kritisch Phase der Sanierung als alternative Hauptachse zu öffnen, geht die Stadt St. Gallen hin und baut in diesem Jahr weitere Verkehrsberuhigungs-Massnahmen auf den erwähnten Strassen. Keine Buseinbuchtungen bei den Haltestellen, sondern Begradigungen der Fahrspur mit bewusst in Kauf zu nehmenden Staus. Das Verkehrsaufkommen in der Stadt St. Gallen ist zwischen 2009 und 2019 um – 2,4% geschrumpft, während der Verkehr auf der Stadtautobahn in diesem Zeitraum 16% zugenommen hat.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manfred Trütsch

Manfred Trütsch ist Präsident des ACS St. Gallen – Appenzell. Der ACS bezweckt den Zusammenschluss der Automobilisten zur Wahrung der verkehrspolitischen, wirtschaftlichen, touristischen, sportlichen und aller weiteren mit dem Automobilismus zusammenhängenden Interessen wie Konsumenten- und Umweltschutz.

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