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Jobsharing

Topsharing – ein Schlüssel zu mehr Wettbewerbsvorteilen

Teilzeitarbeit wird in der Schweiz zunehmend beliebter. Europaweit betrachtet, liegt sie mit knapp 40 Prozent aller Erwerbstätigen der Jobseite Indeed zufolge auf Platz 2 der Nationen mit den meisten Beschäftigten in dieser Arbeitsform.

Nellen & Partner am 30. September 2021

Ein Modell dafür ist das Jobsharing. Es ist zwar noch wenig verbreitet, aber auch in Führungspositionen möglich, wie Schlagzeilen zeigen. Demnach setzen etwa Konzerne, Banken, Staatsanwälte und Parteien auf Doppelspitzen – das sogenannte Topsharing. Doch kann sich das lohnen und wenn ja, wie?

Teilen sich zwei Menschen eine Führungsstelle, lassen sich verschiedene Vorteile in die Waagschale werfen. Das Hauptargument liegt nach Angaben des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF) darin, dass Teilzeitkräfte oder bisher in Vollzeit arbeitende Mitarbeiter, die in Teilzeit tätig sein wollen, dann weiterhin Führungspositionen besetzen können. Unternehmen gehen qualifizierte Arbeitskräfte, in die sie viel Geld investiert haben, nicht verloren. „Topsharing ist gedacht als wesentlicher Schritt zur Familienfreundlichkeit von Unternehmen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, formuliert das Job- und Karriereblog Karrierebibel. Vor allem Frauen, die häufiger als Männer in Teilzeit arbeiten, eröffnet sich dadurch eine gute Möglichkeit auf einen aussichtsreichen Job, wie im Beitrag „Chancen erkennen für mehr Gleichberechtigung von Frauen im Berufsleben“ erläutert ist. Dementsprechend können sich Unternehmen auch als attraktive Arbeitgeber präsentieren, legt Prof. Dr. Katharina Sachse, Wissenschaftlerin am iwp Institut für Wirtschaftspsychologie und Professorin an der FOM Hochschule für Ökonomie & Management, dar.

Qualitative Vorteile, grosser Aufwand

Ausserdem kann Topsharing qualitativ punkten, da die Personen im Führungsduo unterschiedliche Kompetenzen und Erfahrungen mitbringen, so das SRF. Somit gebe es gewissermassen zwei spezialisierte Führungskräfte zum Preis von einer. Darüber hinaus arbeiten Tandempartner produktiver, wenn sie in der übrigen Zeit nicht in einem weiteren Job tätig sind. Das bestätigt Karrierebibel: „Die Stelle ist zu 100 Prozent besetzt, aber 150 Prozent werden durch die neue Kraft gewonnen, da laut Studien Teilzeitkräfte anteilsmässig produktiver sind im Vergleich zu Vollzeitkräften.“ Zudem profitieren Unternehmen von einer besseren Urlaubs- und Krankenvertretung, da beide Topsharing-Partner über alle Projekte unterrichtet sind. Nicht zuletzt besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Mitarbeiter mit einer der beiden Führungskräfte gut auskommen.

Auf der anderen Seite gibt es auch Nachteile. So ist diese Form der Führung kein Selbstläufer, wie das SRF berichtet. Zum Beispiel müsse das Duo kompatibel sein. Anfänglich brauche es einen hohen Zeitaufwand, bis sich das Tandem untereinander abgestimmt habe. Ausserdem sei grosse Flexibilität gefragt – vor allem, wenn dringende Entscheide getroffen werden müssen. Dann komme es darauf an, dass die Topsharer auch ausserhalb der Arbeitszeiten anpacken. Insgesamt müssen Unternehmen einen grossen Planungs- und Organisationsaufwand kalkulieren.

Verschiedene Organisationsformen

Eine professionelle Organisation ist nach Angaben der Karrierebibel auf verschiedenen Ebenen möglich. Eine Variante: die horizontale Ebene. Dabei werde der Tag zweigeteilt. „Ein Chef ist morgens da und bespricht sich mit einem Mitarbeiter, nachmittags wird ein Projekt mit dem anderen Vorgesetzten besprochen.“ Eine andere Möglichkeit stellt die vertikale Ebene dar. Das bedeute, dass die Arbeit nach Tagen getrennt werde. Zum Beispiel sei jede Führungskraft zweieinhalb Tage pro Woche im Büro. Zusätzlich wäre ein halber Tag im Homeoffice möglich. An dem Tag, an dem beide anwesend seien, erfolge die Übergabe. Entsprechende Richtlinien zum Topsharing-Modell sollten Bestandteil der HR-Strategie sein, so ein Ratgeber der Schweizer Kader Organisation SKO in Zusammenarbeit mit der Kalaidos Fachhochschule Schweiz.

Solche neuen Arbeitsmodelle einzuführen, das Management dafür zu gewinnen sowie sie gegenüber den Mitarbeitern zu vertreten, sei eine Aufgabe der HR-Abteilung. Diese müsse zudem die Führungstandems begleiten und coachen. Was das Recruiting betrifft, könnte bei der Ausschreibung von Führungspositionen systematisch vermerkt werden, dass sich die Stelle auch im Jobsharing besetzen lasse. Dadurch erhalten nicht nur Vollzeit-Beschäftigte, sondern auch Jobsharing-Interessenten eine Chance, sich zu bewerben. Dies wiederum kann die Anzahl der Kandidaten im sich verschärfenden Wettbewerb um Talente erhöhen.

Wettbewerbsvorteil als Lohn

Unternehmen und Organisationen sind also gut beraten, die Möglichkeiten zum Topsharing zu nutzen. Wenn es ihnen gelingt, Topsharer richtig zu rekrutieren und zu motivieren sowie ihnen die erforderlichen Rahmenbedingungen zu bieten, können sie aus dieser Art von agiler Arbeitsform Wettbewerbsvorteile erlangen, meint die SKO. Damit es sich bei Ihnen mit der „Macht“ ähnlich verhält wie mit Glück, das sich nach Albert Schweitzer verdoppelt, wenn man es teilt, unterstützen wir Sie gern.

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Autor: Jasmine Grabher

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Nellen & Partner

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