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Blickwinkel

Vegetarisch und vegan – wie gesund ist es?

Schätzungsweise 14 Prozent der Schweizer ernähren sich vegetarisch oder vegan. Mittlerweile ist rund um das Thema ein regelrechter Hype entstanden – doch wie gesund ist diese Ernährung wirklich?

Manuela Bruhin am 16. Mai 2021

Nein, der Begriff «Ovo-Vegi» hat nichts mit dem morgendlichen Getränk zu tun und «Lakto-Vegis» leiden ebenso wenig unter einer Laktoseintoleranz. Vielmehr umschreiben sie, was diese Art der Ernährung beinhaltet, beziehungsweise, was die Menschen, welche sich für diese Ernährungsform entschieden haben, essen dürfen – oder eben nicht. Eines haben sie aber gemeinsam: Sie konsumieren keine Produkte, wofür ein Tier sein Leben lassen musste. In den vergangenen Jahren kam schliesslich der Begriff «Veganer» immer mehr auf. Bei dieser Form der Ernährung wird keinerlei tierische Nahrung, dazu zählen auch Milch, Milchprodukte und Honig, konsumiert. Ebenfalls wird auf sämtliche tierische Produkte, also Kleider oder Kosmetik, verzichtet.

Verbesserte Verdauung

Gerade Anfang des Jahres ist ein beliebter Zeitpunkt für einige, auf vegetarische oder gar vegane Kost umzustellen. Auch Prominente machen dies in den sozialen Medien publik. Schiedsrichterlegende Urs Meier hat bereits vor einigen Jahren den tierischen Produkten den Rücken gekehrt.

Die Weihnachtsfeiertage, welche sie bei den Schwiegereltern verbrachten, haben ihn damals zum Umdenken gebracht. «Als diese dann erklärten, ab sofort nur noch vegane Gerichte zu kochen, war das Entsetzen erst einmal gross. Wir konnten uns nicht vorstellen, auf Käsefondue und Raclette zu verzichten», erinnert sich Meier. «Als wir jedoch die leckeren veganen Menus probiert haben, waren wir begeistert.» Ihm gehe es gesundheitlich viel besser, er sei weniger müde und aufnahmefähiger. Auch die Verdauung habe sich verbessert. «Zudem habe ich gleich fünf Kilo abgenommen und seither auch nicht wieder zugenommen. Ich habe Lebensmittel kennen gelernt, welche ich vorher sicher nie ausprobiert hätte», sagt Meier weiter. Auch seine Kinder werden vegan ernährt – und die Familie vermisse nichts. Die vegane Lebensweise hingegen wäre ihm zu radikal.

Hype ist nicht neu

Auch wenn es den Anschein hat, die Begriffe Vegetarier und insbesondere Veganer seien erst in den letzten Jahren aufgekommen, besagt die Geschichte etwas anderes. Das Wort «Vegetarismus» wurde bereits 1847 mit der Gründung der ersten europäischen vegetarischen Gesellschaft eingeführt. Zuvor hiessen sie «Pythagoräer», benannt nach dem Griechen Pythagoras. Er galt als erster Vertreter des Vegetarismus in Europa. Heute haben sich unzählige Menschen dieser Ernährungsform verschrieben – wie viele es genau sind, kann nämlich nur geschätzt werden. Laut der Plattform «swissveg.ch» dürften sich rund 14 Prozent der Schweizer vegetarisch oder vegan ernähren. Wobei letztere einen Anteil von drei Prozent ausmachen.

Weniger Nutzflächen

Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Bei einer Umfrage von «swissveg.ch» stand das Tierwohl mit 78 Prozent an erster Stelle. Die Ethik spielte ebenfalls eine grosse Rolle. Man wolle eine gelebte Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen erreichen. Im Bereich der Ökologie verbrauche die Fleischindustrie zu viele Ressourcen, das benötigte Wasser für die Herstellung sehen sie als viel zu hoch an. Auch die Welternährung wurde als Grund für Vegetarismus angegeben:

Für Vegetarier oder gar Veganer würden weniger Nutzflächen verbraucht als für die Fleischindustrie. Bei der Gesundheit erhoffen sich die Befragten, durch die fleischlose Ernährung weniger an Diabetes, Herzkrankheiten oder Darmkrebs zu erkranken. Auch dies soll häufig durch den Fleischkonsum ausgelöst werden.

Kritische Gegner

Gerade Veganer stehen jedoch häufig in der Kritik. Da sie auf Leder, Seide oder Wolle verzichten, würde auch auf Kunstleder oder -fasern zurückgegriffen werden. Dies werde jedoch auf der Basis von Erdöl hergestellt, was biologisch nicht abbaubar sei. Lobenswert ist aber wohl für alle, dass sich bewusst mit dem Konsumverhalten auseinandergesetzt wird – die Umsetzung sorgt jedoch häufig für Diskussionen. So auch beim Immunologen Beda Stadler.

Wir Menschen hätten einen Magen-Darm-Trakt, der einem Allesfresser entspreche. «Ab der Geburt werden wir mit Brustmilch, also tierisch, ernährt. Ab dann sollten wir uns ausgewogen ernähren, wobei die Kritik richtig ist, dass wir zu viele tierische Produkte essen», hält er fest. Als Erwachsener sei es rein theoretisch möglich, sich mit einer komplexen pflanzlichen Ernährung und ein paar Produkten aus der Apotheke vegan zu ernähren. «Als Jugendlicher macht es wohl mehr Sinn, sich dafür einzusetzen, dass tierische Nahrungsmittel aus einer humanen Tierhaltung stammen, statt sich vegan zu ernähren und nicht einmal Honig zu essen – aber gleichzeitig Pestizide duldet, um das eigene Essen zu produzieren.»

Wer behält den Überblick?

Vegi ist nicht gleich Vegi. Hier ein Überblick:

  • Die «Ovo-Lakto-Vegis» essen nichts, was aus toten Tieren besteht. Also beispielsweise keine Wurst, Geflügel, Fisch oder Gelatine.

  • Die «Lakto-Vegis» essen zudem keine Eier.

  • Die «Ovo-Vegis» konsumieren zwar Eier, aber keine Milchprodukte.

  • Die Veganer verzichten auf tierische Nahrung (alle Milchprodukte, Milch und Honig inbegriffen) und vermeiden alle tierischen Produkte (wie Schuhe, Leder, usw.)

  • Frutarier essen vor allem Fallobst und Nüsse. Sie wollen nicht, dass Pflanzen beschädigt werden.

  • Flexitarier sind Gelegenheitsvegetarier, welche Wert auf gesundes essen legen. Sie meiden Fleisch und Fisch aber nicht grundsätzlich.

Grillen – nicht nur für Fleischliebhaber

Spätestens, wenn die Tage wieder länger werden und die Temperaturen steigen, wird der Grill aus seinem Winterquartier herausgeholt. Doch wer meint, dass nur Fleischstücke darauf landen, der irrt. Inzwischen gibt es viele leckere Rezepte für Vegetarier oder Veganer. Wie zum Beispiel:

Marinierte Seitanspiesse

  • Zutaten: 1 Packung Seitan, 1 Zucchini, 1 rote Paprika, 4 EL Olivenöl, 1 Schalotte, eine Zehe Knoblauch, 1 EL Zitronensaft, Gewürze (Rosmarin, Salz, Pfeffer, etwas Zucker)

  • Den Seitan in etwa 1 cm dicke Scheiben schneiden, die Zucchini und Paprika in mundgerechte Stücke schneiden.

  • Das Öl mit dem Zitronensaft und dem gepressten Knoblauch mischen, die Schalotte klein hacken und mit den Gewürzen dazugeben.

  • Die Seitanspiesse darin für mindestens drei Stunden marinieren. Anschliessend ist der Spiess bereit für den Grill. Wer es lieber mag, kann es auch direkt in der Grillschale zubereiten.

Gerade nach der Winterpause empfiehlt es sich übrigens, den Gasgrill auf Sicherheitsmängel zu überprüfen. Zuerst sollten alle Anschlüsse gecheckt werden. Mit einem speziellen Spray werden Undichtigkeiten im Bereich der Schlauchverbindungen ersichtlich.

Brennerrohre können durch das Herabtropfen des Fetts verstopfen. Es empfiehlt sich daher, mit einer kleinen Bürste die Öffnungen zu reinigen und mögliche Verstopfungen zu entfernen. Damit der neuen Grillsaison im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr im Weg steht.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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