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Winzer Diego Mathier

Virtuelle Geschmacksvermittlung

Normalerweise besuchen Diego Mathier und sein Team 20 Weinmessen in der gesamten Schweiz. Doch die Corona-Krise macht dem Winzer einen Strich durch die Rechnung. Stattdessen werden nun andere Projekte realisiert, um den preisgekrönten Wein an den Kunden zu bringen – wie im St.Galler Hofkeller.

Manuela Bruhin am 12. März 2021

Der Weinverkauf lebt von der Degustation. Und diese soll gerne in gemütlicher und geselliger Runde passieren. Also all das, was derzeit nicht möglich ist. Als nach den Grossanlässen auch die Restaurants geschlossen wurden, musste sich Diego Mathier für sein Familienunternehmen etwas anderes einfallen lassen. «Wir haben viel hin und her überlegt», fasst es der Winzer zusammen. Schliesslich muss es auch in der Krise möglich sein, die Kunden von seinen edlen Weinen überzeugen zu können. Doch niemand kauft einen Wein, den er zuvor nicht probieren konnte.

Die Kommunikation mit seinen Kunden erfolgte schliesslich vermehrt digital und online. «Wir haben unsere Kunden angeschrieben und die Zeitschrift ‘Weinlesen’ statt einmal dreimal herausgebracht», so Mathier weiter. Mit verschiedenen Aktionen wurde den Leuten ein Degustationspaket direkt nach Hause geschickt. «Beim Weinkauf ist es für die Leute natürlich sehr wichtig, sich selber ein Bild machen zu können.»

Diego Mathier

Doch der Online-Verkauf und die Zeitschrift können den direkten Kontakt nicht ersetzen. Deshalb mietete das Familienunternehmen verschiedenste Lokalitäten an – in St.Gallen beispielsweise den Hofkeller. Die Leute wurden zur Degustation eingeladen, natürlich unter den gängigen Schutzmassnahmen. «Man machte sich im Vorfeld viele Gedanken darüber, ob die Kunden das Angebot wahrnehmen würden – oder ob die Angst überwiegt. Ersteres war jedoch der Fall», sagt Mathier.

Diego Mathier

Aus diesem Grund wollen die Verantwortlichen den Hofkeller in St.Gallen – und weitere Lokalitäten in der gesamten Schweiz – vom 20. bis 26. April noch einmal anmieten. «Da auch in diesem Jahr die OFFA ausfällt, wollten wir unseren Kunden unbedingt etwas zurückgeben», so Mathier weiter. Gerade das Jahr 2020 sei weintechnisch ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen. «Da wäre es schade, wenn die Leute nicht auf den Geschmack kämen.»

Mit dem Online-Verkauf und den Veranstaltungen hofft Mathier, aus der Krise mit einem blauen Auge hervorzugehen. Und da sei auch immer noch der Hoffnungsschimmer, dass in den nächsten Monaten immerhin ein Teil der Messen wieder stattfinden kann. Wie beispielsweise die Olma. Mathier: «Ich hoffe, dass bald eine gewisse Normalität einkehrt und der Bürger die Verantwortung wieder selber übernehmen kann.»

Diego Mathier
Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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