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Rückblick

Vom Geflüchteten zum Langstreckenläufer

Zwischen seinem ersten Lauftraining und dem St.Galler Sportpreis liegen nur sechs Jahre. Und ein paar tausend Kilometer. Dominic Lobalu startet für den LC Brühl, hofft auf einen baldigen Asylentscheid und schaut auf das vergangene Jahr zurück.

Michel Bossart am 12. Januar 2022

Dominic Lobalu wurde am 16. August 1998 in der südsudanesischen Kleinstadt Chukudum geboren , von wo er wegen des Bürgerkriegs mit neun Jahren nach Kenia fliehen musste. Als Lobalu 15 Jahre alt war, begann er mit dem Laufsport. Sein Talent fiel auf und er wurde Mitglied des «Kenya Refugee Athletes Team». Als er 2019 für Unicef beim Harmony Genève Marathon an den Start ging, setzte er sich in die Schweiz ab und wohnt seither in St.Gallen. Lobalu ist Mitglied im Leichtathletik-Club LC Brühl, wo er von Markus Hagmann trainiert wird und regelmässig gute Resultate abliefert und 2021 auch den St.Galler Sportpreis gewonnen hat.

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Ganz grundsätzlich: Unter welchen Stichworten würden Sie das Jahr 2021 für sich verbuchen?

Impfung, Absagen, Hoffnung.

Gab es für Sie einen besonderen Meilenstein, etwas das Sie besonders geprägt oder verändert hat?

Ja, der Tag, als mir der St. Galler Sportpreis verliehen wurde. Das macht mich sehr stolz.

Welchen Tag würden Sie am liebsten komplett streichen?

Keinen. Jeder Tag hatte etwas Positives.

Gibt es etwas, wofür Sie sich gerne entschuldigen würden?

Ich musste in Genf wegen Schmerzen ein Rennen aufgeben. Danach war ich so enttäuscht von mir, dass ich meinem Coach nicht schrieb, oder ihn anrief. Das war nicht gut. Er hat sich Sorgen gemacht.

Und auf was sind Sie besonders stolz?

Das ich es Dank meiner Leistungen und Unterstützung von Sponsoren geschafft habe, meinen Lebensunterhalt ohne Sozialhilfe zu bestreiten.

Was hat Sie traurig gemacht?

Im Allgemeinen, dass die Pandemie uns noch immer so beschäftigt. Für mich persönlich, dass ich trotz meiner grossen Bemühungen noch immer nicht frei an Wettkämpfe oder ein Trainingslager im Ausland reisen kann.

Und was so richtig wütend?

Als Chelsea 2 : 3 gegen West Ham verlor.

Haben Sie sich konkrete Ziele für 2022 gesetzt?

Sportlich möchte ich meine Zeiten über 3000m bis Halbmarathon verbessern. Der Fokus liegt auf dem Halbmarathon, den ich in 1 Stunde laufen will. Im Allgemeinen hoffe ich, dass ich bald den Status B und somit die Möglichkeit meinen Beruf als Läufer auszuüben bekomme.

Und was darf so bleiben, wie es ist?

Das ich gesund bleibe und, dass wenn ich im Training durch St. Gallen laufe, die Leute mir ein Lächeln oder ein “Hopp” schenken.

Wem würden Sie 2022 gerne begegnen?

Der Person, die meinen Antrag für die Aufenthaltsbewilligung bearbeitet, damit sie versteht, wie viel ich investiere und wie wichtig die Möglichkeit der Reisebewilligung für Wettkämpfe im Ausland ist.

2021 war «Wetten, dass…?» der nostalgische Höhepunkt. Was sollte nächstes Jahr wieder auf der Bildfläche erscheinen?

In Kenia und im Südsudan, wo ich aufgewachsen bin, da gab es kein Fernsehen... (lacht).

Dominic Lobalu

Bild: Urs Siegwart

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Michel Bossart

Michel Bossart ist Redaktor bei «Die Ostschweiz». Nach dem Studium der Philosophie und Geschichte hat er für diverse Medien geschrieben. Er lebt in Benken (SG).

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