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Digitale Kompetenzen ausbauen

Weiterbildung im mittleren Alter ist jetzt besonders wichtig

Die aktuelle Krise hat den Arbeitsalltag verändert. Das betrifft nicht nur Abläufe und Schutzmassnahmen, sondern insbesondere auch die Arbeitsorganisation. Spätestens jetzt sind digitale Kompetenzen unerlässlich.

Pascal Scacchi am 02. August 2020

Dessen sind sich viele Schweizer noch nicht bewusst, wie das Marktforschungsunternehmen Ipsos herausgefunden hat. Hierzulande erwarten «deutlich weniger Experten (66 % in der Schweiz im Vergleich zu 90 % in Deutschland) und noch weniger Beschäftigte (45 % vs. 57 % im UK und 56 % in den USA) Veränderungen für die Art der Zusammenarbeit bzw. ihre eigene Arbeit», obwohl ein einfaches Zurückgehen zum vorherigen Betrieb schwierig sein werde.

Darunter befinden sich viele Ältere, berichtete das SRF. Dies könnte darin begründet liegen, dass sie es im Gegensatz zu jungen Arbeitnehmern nicht gewohnt sind, sich ständig weiterzuentwickeln und dazuzulernen, erläutert Ringo Dühmke auf seiner Plattform Arbeitstipps.de. Doch diese Haltung bedarf dringend einer Veränderung.

Erfahrung allein genügt nicht mehr, so das SRF. Die Zahl der Arbeitslosen werde deutlich ansteigen. Gleichzeitig drängen Selbstständige, die ihr Business aufgeben mussten, auf den Arbeitsmarkt, auf dem jetzt veränderte Anforderungen herrschen. Ein Bereich, in dem dies besonders deutlich wird, ist der Schweizer Finanzplatz.

Der Lockdown hat Banken und Kunden gezwungen, digitale Werkzeuge und Prozesse sowie Angebote und Dienstleistungen zu nutzen. Für alle Finanzdienstleister war dies «eine Art digitaler Weckruf», so das News-Portal finnews.ch. Darüber hinaus „werden die Auswirkungen einer globalen Rezession die Ertragslage der Banken so hart treffen, dass sie ihre bereits beschlossenen Effizienz- und Kostenprogramme deutlich beschleunigen müssen». Das heisse, dass es «zu einem massiven Stellenabbau kommen» werde. Beim Wettbewerb um die Jobs wiederum haben diejenigen die besten Chancen, welche die aktuellen Anforderungen am besten erfüllen.

Digitale Kompetenzen ausbauen

Deshalb empfiehlt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor allem, in die Weiterbildung zu investieren, wie der Schweizerische Verband für Weiterbildung berichtet. Neu ist dieses Instrument nicht, zeigt eine Studie der ZHAW School of Management and Law und des Departements Angewandte Psychologie der ZHAW im Auftrag des Zürcher Bankenverbands, deren Interviews vor der Corona-Krise stattfanden.

In diesem Zusammenhang sagte Daniel Hunziker, Präsident des Zürcher Bankenverbands, dass es für Bankfachleute zwischen 40 und 50 Jahren wichtig ist, ihre Kompetenzen kritisch zu überprüfen und ihre Laufbahn in einem dynamischen Umfeld aktiv zu gestalten – auch oder gerade, weil sie aus langjähriger Erfahrung schöpfen, über viel Energie verfügen, in ihren Aufgaben gefordert sind und kaum unmittelbaren Druck verspüren, sich beruflich weiterzubilden.

Die Studie gibt mehrere Handlungsempfehlungen in Bezug auf Weiterbildungen. Zum Beispiel sollten die erworbenen Kompetenzen Professionals dazu befähigen, in verschiedenen Bereichen tätig zu sein, statt sie primär auf eine definierte Funktion vorzubereiten. «Bei der Planung und Umsetzung von möglichen Massnahmen sind Mitarbeitende und Banken gleichermassen in der Pflicht», so die Studie «Berufliche Entwicklungsoptionen für Professionals in der Bankenbranche».

Mitarbeiter seien gefordert, die Chancen für ihren weiteren Berufsweg zu erkennen sowie zu nutzen. Die Banken müssten die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Auch wird aufgeführt, welche Kompetenzen vermehrt gefordert sein werden. Dies sind in allen Berufsfeldern Methodenkompetenzen und im Vertrieb zudem Sozialkompetenz. Digitalisierung sei kein Kompetenzfeld für sich, sondern mit den Fach-, Methoden- sowie Sozialkompetenzen in unterschiedlichen Ausprägungen verbunden. Nicht zuletzt gewinne die Fähigkeit zur Selbstführung an Bedeutung.

Verstärkte Forderung

Diese Aussagen haben an Relevanz gewonnen und gelten über die Finanzbranche hinaus, wie aktuelle Studien darlegen. So empfiehlt der Trends Report 2020 von CCL, Talente und Teams zu fördern sowie Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, datengestützte Erkenntnisse verständlich zu machen und zu intelligenten Geschäftsentscheidungen beizutragen. Es gelte, eine Innovationskultur aufzubauen und in Zeiten künstlicher Intelligenz soziale Kompetenzen auszubauen.

Eine Studie der Hochschule für Wirtschaft Zürich bestätigt die Bedeutung von Business Intelligence sowie Data Science. Birthe Kretschmer, Geschäftsführerin der ZEIT Akademie, gab in einem Interview mit der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu an, dass vor allem Weiterbildungen zu Themen wie Digital Leadership, Achtsamkeit und Resilienz oder agiles Arbeiten gefragt sind.

Grössere Unterstützung

Es gibt zahlreiche Angebote. So offeriert die ZHAW Weiterbildungen wie den Kurs «CAS Digitale Transformation und Kommunikation» und die Fachhochschule Nordwestschweiz das Seminar «CAS Data Science». Daneben warten viele digitale Weiterbildungsangebote – nicht nur aus der Schweiz, sondern auch aus anderen Ländern. Es «besteht die Möglichkeit, sich genau die Themen herauszupicken, die für die jeweiligen Mitarbeitenden und Unternehmen gerade relevant sind», erläutert Birthe Kretschmer. Darüber hinaus könne Weiterbildung durch digitale Lerninhalte kostengünstiger angeboten werden. Auch eröffnet sie die Möglichkeit, mehr Menschen gleichzeitig zu qualifizieren.

Last, but not least erhalten Lernwillige vielerorts Unterstützung. So haben der Verband Arbeitgeber Banken, der Schweizerische Bankpersonalverband sowie der Kaufmännische Verband die Kampagne skillaware speziell für Bankmitarbeiter initiiert. Über die Website kann eine Selbstevaluation der eigenen Kompetenzen vorgenommen werden. Anschliessend gibt es Handlungsempfehlungen, wie sich diese ausbauen lassen. Auch finanzielle Hilfe wird angeboten – zum Beispiel über das Programm «Deine Chance fit zu bleiben» von digitalswitzerland, der Gebert Rüf Stiftung und der Hirschmann Stiftung.

All dies zeigt: Nicht nur die Anforderungen haben sich verändert und erfordern mehr denn je Initiative zur Weiterbildung. Die Chancen für lebenslanges Lernen sind ebenfalls nicht mehr dieselben. Sie stehen so gut wie nie zuvor und entziehen angesichts ihrer Bedeutung, von Kurzarbeit und von Förderungen Ausreden wie «nicht wichtig genug», «keine Zeit“» «keine Unterstützung« oder «zu teuer» die Basis.

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Stölzle /  Brányik
Autor/in
Pascal Scacchi

Herr Pascal Scacchi, Senior Management Consultant bei Nellen & Partner in Zürich.

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