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Ostschweizer bringt neue Single heraus

«Wenn das Unternehmen keinen Treibstoff mehr hat, wird es schwierig»

Mit seiner neuen Single «Auf und Davon» meldet sich der Musiker Emanuel Reiter zurück – nach einer schwierigen Zeit, welcher der Ostschweizer durchmachen musste. Wie er nun in die Zukunft blickt, verrät er im Interview. 

Manuela Bruhin am 10. Juni 2021

Dein neuer Song handelt vom Fernweh, du selber liebst das Reisen. Hand aufs Herz: Wie schwierig waren die vergangenen Monate für dich?

Teilweise ziemlich taff. Ich habe ja vor zwei Jahren meinen Job in der Forschung gegen die Musik eingetauscht. Vom Typ her bin ich eher ein optimistischer Mensch, aber wenn dir die komplette Planungssicherheit wegbricht, dann wird es für jeden Selbstständigen schwierig. Gott sei Dank habe ich durch mein Umfeld seelische und finanzielle Unterstützung erfahren und eine grosse Solidarität gegenüber der Kunst im Allgemeinen erlebt.

Du wohnst in der Ostschweiz, hast aber deutsche Wurzeln. Wo fühlst du dich Zuhause?

Richtig, ich bin im Raum München aufgewachsen und mit 19 aufgrund eines Jobangebots in die Schweiz gekommen. Ich fühle mich sehr wohl in der Schweiz und sie ist auch mein Lebensmittelpunkt geworden. Ich bin nun schon seit über 15 Jahren in der Ostschweiz und durfte sehr viele nette Menschen kennenlernen, die für mich inzwischen mein Zuhause sind. Zudem liebe ich die Natur – und die ist der Schweiz grandios.

Was an dir ist typisch schweizerisch, was hingegen eher deutsch?

Mmh, sehr gute Frage! Ich bin ein Mensch, der gerne Dinge plant. So habe ich mich auch nicht kopflos in das Abenteuer «Vollzeitkünstler» gestürzt. Ich glaube, grundsätzlich ist der Schweizer vom Typ her auch so, dass man gerne zweimal nachdenkt, bis schliesslich ein Plan umgesetzt wird. Ich würde sagen, dass ich ein eher bodenständiger Mensch bin. Die Schweiz nehme ich als sehr geerdet wahr. Typisch deutsch ist vielleicht, dass ich einen VW fahre. Ich liebe es, mit meinem Multivan zu Konzerten oder in die Ferien zu fahren. Und das Beste ist, dass man darin schlafen kann.

Die Corona-Zeit hat die Kunst-Szene hart getroffen. Was hat dir mehr zu schaffen gemacht: Das «Nicht-Reisen-können» oder die Existenzangst?

Ganz klar: die Existenzangst. Wenn das Unternehmen keinen Treibstoff mehr hat, dann wird es sehr schwierig. Aber ich habe tolle Unterstützung erfahren – was mir wiederum Mut gegeben hat, weiter an meinem Traum zu arbeiten. Zudem bin ich auch jemand, der nicht so schnell aufgibt.

Dein neues Album wird im nächsten Jahr erscheinen. Kommt dir das zugute, dass es derzeit nicht viel anderes gibt und du dich voll auf die Produktion konzentrieren kannst?

Ja, stimmt. Ich konnte in dieser Zeit an vielen neuen Songs arbeiten. Langsam merke ich auch, dass wieder Konzertanfragen, wie beispielsweise Gartenkonzerte, reinkommen.

Auf was dürfen sich die Fans freuen?

Ich habe versucht, noch tiefer und ehrlicher in mich zu gehen. Vor allem, was die Texte betrifft. Überraschend dürfte auch sein, dass der Sound etwas grösser und poppiger klingen wird – wobei ich immer noch auf Singer / Songwriter Elemente wie die Akustik Gitarre setze.

Planung ist derzeit zwar schwierig. Dennoch: Wie geht es für dich weiter?

Ich freue mich, dass langsam wieder Konzerte möglich sind und ich meinem Publikum begegnen kann. Die Energie, welche aus den Live-Momenten entsteht, ist unersetzlich und ein Antrieb, immer weiter zu machen. Inzwischen schreibe ich auch für andere Künstler. Ich produziere in meinem Tonstudio in Uzwil für verschiedene Firmen für deren Marketing massgeschneiderte Musik. Vereinzelt biete ich auch Musikunterricht an. Dies alles ergibt ein sehr spannendes Arbeitsumfeld.

Stölzle /  Brányik
Autor/in
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin (*1984) aus Waldkirch ist Redaktorin von «Die Ostschweiz».

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